Nur wenige Touristen bleiben auf Reykjanes

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Island : Warum Polarlichter süchtig machen
Verbindet. Der Legende nach fuhr dort, wo nun meterhoch Dampf aufsteigt, Geist Gunna in den Boden und fand seine letzte Ruhestätte.
Verbindet. Der Legende nach fuhr dort, wo nun meterhoch Dampf aufsteigt, Geist Gunna in den Boden und fand seine letzte...Foto: Oli Haukur/promo

Noch ist die Tour über die Halbinsel nicht vorbei. Obwohl jeder Islandreisende am Flughafen Keflavik landet und somit automatisch Reykjanes betritt, bleiben nur wenige Touristen hier. Die meisten zieht es zum „Golden Circle“, so heißt die Rundfahrt im Süden Islands, die bekannte touristische Ziele verbindet. An der Spitze im Südwesten ist alles etwas kleiner. Sie lässt sich in einem Tag umrunden.

Quer durch die Halbinsel zieht sich der Mittelatlantische Rücken, eine Gebirgskettenformation, die nur an wenigen Orten der Welt sichtbar ist, weil sie meist unter dem Meeresspiegel verläuft. Sie bildet sich dort, wo die eurasische auf die nordamerikanische Kontinentalplatte trifft. Die Platten sind es, die Island seine reichen vulkanischen Aktivitäten bescheren. Auf Reykjanes liegt der letzte große Ausbruch über 1000 Jahre zurück, die vulkanischen Systeme sind aber noch aktiv und versorgen die Gegend mit Strom und Heißwasser.

So verlässlich wie die Vulkansysteme sind die Nordlichter nicht. Rasend schnell bewegen sich Teilchen der Sonnenstürme auf die Erde zu. Stoßen sie in etwa 100 Kilometern Höhe in der Atmosphäre mit Sauerstoffatomen zusammen, lassen sie den Himmel grün leuchten. Je stärker die Stürme, desto schöner das Himmelsfeuer. Bis heute ist seine Aktivität nur eingeschränkt vorauszusagen.

Islands Winterlandschaft hat einen eigenen Charme

Für die Tour ist auf einer Skala von eins bis neun nur Aktivität drei vorausgesagt. Niedrige Aktivität. Also wenig Chancen auf Aurora borealis. „Nicht aufgeben“, versucht Axel zu motivieren. „Ich habe schon die tollsten Lichter bei Aktivität Null gesehen“. Rausgehen, sagt er, sei das Wichtigste. Wieder hat der Van im Dunkeln gehalten. Es ist der Parkplatz der geothermischen Felder „Seltùn“. In der Ferne hört man das Wasser ganz leise blubbern.

Wieder wird die Kamera aufgebaut. Die frische Luft tut gut. Im Auto ist es dank Heizung mittlerweile so warm, dass man unter den vielen Schichten ganz schön ins Schwitzen gerät. Axel erzählt von seinen Touren. Normalerweise müsse er erst einmal eine Stunde über die Halbinsel fahren, um eine Lücke in der Wolkendecke zu entdecken. Solch wolkenlose Himmel gäbe es selten im Winter. Doch richtig zeigen wollen sich die grünen Streifen trotzdem nicht. Die Gruppe stapft im Taschenlampenlicht den Weg zur heißen Quelle entlang. Wenn schon keine Nordlichter, dann wenigstens ein bisschen Sightseeing.

Islands Winterlandschaft hat einen eigenen Charme. Auf den Vulkanfeldern bleibt kaum Schnee liegen. Bäume sind nicht in Sicht, doch die Umgebung ändert sich ständig. Mal ist alles gelbgrün vom Schwefel, dann schwarz vom Lavastein. Mal sattgrün vom Moos auf den Steinen, dann färbt sich der Boden ocker, trockenes Gras ziert die Steine. Ganz an der Spitze des Stiefels, den die Halbinsel formt, steht der älteste Leuchtturm des Landes. Vor knapp 100 Jahren wurde er zum ersten Mal entzündet. Einen Wächter hat der rund 20 Meter hohe Turm nicht mehr. Funktioniert alles automatisch.

Einmal gesehen, machen Polarlichter süchtig

Seit September 2015 gehört die Halbinsel Reykjanes zu den weltweit 127 Unesco Global Geoparks. Besonders beliebt ist die „Brücke zwischen den Kontinenten“. Hier führt ein Holzsteg über einen rund zwei Meter tiefen Graben. Er entstand, weil die nordamerikanische und die eurasische Platte sich immer weiter auseinander bewegen, etwa zwei Zentimeter im Jahr. Auf dem Parkplatz reihen sich Autos mit internationalen Kennzeichen aneinander.

Die „Brücke zwischen den Kontinenten“ verbindet die nordamerikanische mit der eurasischen Platte.
Die „Brücke zwischen den Kontinenten“ verbindet die nordamerikanische mit der eurasischen Platte.Foto: Oli Haukur/promo

Jeder möchte einmal zwischen Europa und Amerika stehen und ein Foto machen. Nur wenige Minuten mit dem Auto fahren, und schon ist man wieder allein. Über einen holprigen Weg kommt man zu einem Strand mit feinem schwarzen Sand, in den der Wind kleine Wellen hineingeblasen hat. Hier ist heute noch keiner gewesen. Das Meer rauscht leise. Sonst ist alles still. Die Sonne glitzert auf dem Meer. Nur die Kälte treibt einen zurück ins Auto.

Auf ihrer Mission hat die Gruppe die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Einmal gesehen, machen Polarlichter süchtig. Auch jetzt ist dieses Gefühl wieder da, das leichte Kribbeln vom Abend davor. Freudige Aufregung macht sich breit, jedes Mal, sobald Axel die Kamera neu justiert. Gleich könnten diese magisch grünen Streifen wieder auftauchen, ihren grazilen Tanz aufführen. Die Augen suchen den Himmel ab. Und dann, plötzlich ist da etwas. Ganz langsam wird der kleine Funke Himmelsfeuer stärker.