Dramatisch: die Fahrt ins Tramuntana-Gebirge

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Mallorca : Es geht auch ohne Ballermann
Frühling in Valldemossa im Tramuntana-Gebirge.
Frühling in Valldemossa im Tramuntana-Gebirge.Foto: imago/Rex Schober

Ganz unmönchisch lässt es sich in Artà im Hotel Sant Salvador gleich am Fuß der Bergfeste und der Wallfahrtskirche wohnen. Es ist ein im frühesten Jugendstil des später so berühmten Antoni Gaudí mit eleganten Schwüngen erbautes Landadelspalais. Der ehemalige deutsche Theaterschauspieler Christophorus Heufken, jetzt Hotelchef, hat es mit seiner Frau nach dem Tod der letzten Hausherrin erworben und vor einigen Jahren liebevoll restauriert. Ein spanischer Freund und Bühnenbildner hat jedes der acht großzügigen Zimmer anders ausgemalt und dem ganzen Haus ein farbenfrohes, eher südamerikanisch angehauchtes Flair verschafft.

Dazu gibt es ein ambitioniertes Restaurant, und bei gutem Wetter wird im offenen Innenhof mit Blick in den kleinen Palmengarten und zum diskret eingefügten Meerwasserpool serviert. Wenige Gehminuten entfernt liegt die für Autos gesperrte Hauptgasse Artàs mit geschmackvollen Boutiquen, einigen Tapas-Bars und am Rathausplatz das überaus gefragte Gartenlokal La Mar de Vins.

Dramatisch wirkt dagegen quer durchs nördliche Mallorca die Fahrt ins Tramuntana-Gebirge, das die meist steile Westküste der Insel markiert. Zwischen Pollenca und Sóller überwindet man mehrere Pässe, an einem frühen Herbsttag mit abwechselnd Regen und Sonne türmen sich wilde Felsformationen und zum Greifen nahe Wolken, bis irgendwann wieder das Meer in der Tiefe glänzt. Das Liebliche und das Schroffe geben Mallorcas Westen seinen eigenen Reiz. Die Perle ist das überm Meer, am Fuß des 1000 Meter hohen Teix-Massivs gelegene Dorf Deià, das sich mit seinen Feldsteinhäusern und darin einquartierten zahlreichen Restaurants und Bars um einen Hügel mit Kirche und aussichtsschönem Friedhof gruppiert.

George Sand verfluchte die Mallorquiner

Deià ist vor einigen Jahren auf die bunten Seiten der Weltpresse gelangt, weil sich hier in der Nähe Hollywoodstar Michael Douglas einen Sommersitz gekauft hat. Er war ursprünglich eine der Residenzen des eingangs erwähnten Märchenprinzen.

Wir sind auf Ludwig Salvator, von Geburt zudem Erzherzog von Österreich und Prinz der Toskana, erst so richtig in Valldemossa gestoßen. Das Städtchen, von Deià, zehn Kilometer weiter südwestlich über die Küstenstraße zu erreichen, birgt im Zentrum die vielbesuchte Kartause, in der sich die französische Schriftstellerin George Sand mit ihren beiden Kindern und ihrem jüngeren Liebhaber Frédéric Chopin 1838/39 einige Monate lang eingemietet hatte.

Der lungenkranke Chopin sollte sich im mediterranen Klima erholen, was ihm weniger gut gelang als seine hier komponierten Préludes. George Sand liebte die Landschaft und verfluchte „Habgier und Hinterlist“ der Mallorquiner, darüber schrieb sie das bis heute legendäre Büchlein „Ein Winter auf Mallorca“.

Ludwig Salvator trug gern Bauernkleider

Die Kartause, ein Kloster, ist überlaufen, aber sehenswert, schon wegen der Zellen, in denen noch Chopins Piano steht. In einem Museumssaal nebenan stößt man auf Erinnerungsstücke aus dem Leben und Wirken von Ludwig Salvator. In einer Vitrine liegt neben vielen seiner Bücher über Inseln, Völker und Mythen die Originalausgabe seines siebenbändigen, mit vielen eigenhändigen Zeichnungen versehenen Hauptwerks „Die Balearen“. Eine kürzere Version in nur zwei Bänden gewann sogar eine Goldmedaille auf der Pariser Weltausstellung von 1900.

Badeferien. Eine Hotelburg auf Malle.
Badeferien. Eine Hotelburg auf Malle.Foto: obs/alltours flugreisen gmbh

In Valdemossa findet sich auch noch das Haus von Ludwigs Haupt-Geliebter Catalina Homar, eine Tischlertochter, die er in mehreren Sprachen unterrichten ließ, auf Reisen bis nach Jerusalem und einmal auch an den Wiener Hof mitnahm. Ansonsten blieb der 1847 im Palazzo Pitti geborene Erzherzog allem Höfischen fern, und als er, in Bauernkleidern, einem Mallorquiner half, eine Kutsche aus dem Graben zu ziehen und ihm dafür ein paar Münzen zugesteckt wurden, freute sich der unerkannte hohe Herr: „Mein erstes selbstverdientes Geld!“

Bei anderer Gelegenheit lud ein örtlicher Landadliger den Erzherzog zu einem Abendessen ein und bat darum, dass der freakige „Arxiduc“ doch in angemessener Kleidung erscheinen möge. Der Erzherzog kam in feinem Zwirn, und als man die Suppe servierte, goss er sie sich in die Jackentasche und verabschiedete sich mit der Bemerkung: „Sie haben nicht mich, sondern meinen Anzug eingeladen, und der ist satt.“

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