75. Geburtstag von Dagmar Berghoff : Die Sprecherin

Makelloses Image: Dagmar Berghoff, die erste „Miss Tagesschau“, wird 75. Beinahe wäre die gebürtige Berlinerin Schauspielerin geworden.

Dorit Koch
Dagmar Berghoff
Dagmar BerghoffFoto: dpa

„Das ist ja ,Tagesschau‘-pünktlich!“, ruft Dagmar Berghoff durch die Gegensprechanlage und öffnet die Tür zu ihrer Wohnung in Hamburg. Hört man ihre markante, rauchig klingende Stimme, fühlt man sich zurückversetzt in jene Zeit, als die Frau mit den blonden Haaren und dem makellosen Image das Gesicht der „Tagesschau“ war. Berghoff war die erste „Miss Tagesschau“ und blieb bis zu ihrem Abschied 1999 in der Beliebtheit für viele die Nummer eins. Die 20-Uhr-Hauptausgabe des ARD-Flaggschiffs einzuschalten, ist für sie noch immer Pflicht. Es sei denn, es gibt was zu feiern – wie ihren 75. Geburtstag am Donnerstag.

Mit ihrem Ex-Kollegen Wilhelm Wieben und zwei weiteren Freunden wird dann wieder Rummikub gespielt, wie seit vielen Jahren an Geburts- und Feiertagen. 23 Jahre lang war Berghoff das Gesicht der „Tagesschau“, aber gewohnt, als Sprecherin hinter der Nachricht zurückzustehen. Die Momente, in denen sie selbst vor laufender Kamera für Schlagzeilen sorgte, gehören zu den bekanntesten Anekdoten in der Geschichte der Sendung. Etwa die Proteste, die die Sprecherin auslöste, als sie mit Lockenfrisur auf dem Bildschirm erschien. Auch ihr Lachkrampf beim „WTC-Turnier“-Versprecher ist legendär. Zuvor hatte sie noch mit der Redaktion darüber gewitzelt, doch mal lesen zu können, Boris Becker habe im WC gewonnen.

„Die Disziplin nimmt ihren Abschied“, titelte eine Zeitung, als Berghoff Silvester 1999 ihre letzte Ausgabe sprach. Bis vor einigen Jahren arbeitete die Moderatorin noch fürs Radio, so wie sie es von Anfang an getan hatte. Auch damals, als „Tagesschau“-Chefsprecher Karl-Heinz Köpcke sie zu seinem nur aus Männern bestehenden Team holte. „Er war eigentlich nicht der Meinung, dass Frauen die ,Tagesschau‘ sprechen können. Von Politik würden sie nichts verstehen, von Sport schon gar nichts und bei Unglücken in Tränen ausbrechen“, hatte Berghoff mal erzählt. Nachdem sie unter anderem beim damaligen Südwestfunk als TV-Ansagerin, Moderatorin und Hörfunksprecherin in Baden-Baden gearbeitet hatte, begrüßte Berghoff am 16. Juni 1976 erstmals die Zuschauer der „Tagesschau“.

Als Feministin sehe sie sich nicht

Dabei hatte die gebürtige Berlinerin, die in Ahrensburg aufwuchs, Schauspielerin werden wollen, das auch studiert. Anfangs nahm sie parallel zur TV- und Radioarbeit Rollen an, etwa für Dieter Wedels „Die Semmelings“. Bis zur „Tagesschau“. „Dieter Wedel, mit dem ich damals liiert war, sagte: „Wenn du ,Tagesschau‘-Sprecherin wirst, ist dein Gesicht für die Schauspielerei verbraucht.“

Mit Wedel habe sie wenig Kontakt, „wenn wir uns sehen, begrüßen wir uns herzlich“, erzählt Berghoff und sagt angesichts der Schlagzeilen um ihn: „Ich denke, Dieter Wedel hatte es nicht nötig, eine Frau gegen ihren Willen ins Bett zu bekommen. Außerdem meine ich, dass jede Frau, wenn sie nicht gerade sehr jung und unerfahren ist, weiß, wie sie sich zu wehren hat.“

Der #MeToo-Debatte stehe sie etwas zwiegespalten gegenüber. Sie habe sexuelle Annäherungsversuche erlebt, nicht innerhalb der „Tagesschau“, aber von anderen Kollegen. Als Feministin sehe sie sich nicht. „Obwohl ich eine der ersten Nachrichtensprecherinnen war, damit eine ziemliche Verantwortung hatte, für den Beruf und die Frauen.“ Wenn sie versagt hätte, wären wieder jahrelang nur Männer als Sprecher eingesetzt worden. dpa

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