Wer nie als Gast ins Nachtstudio kam

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Aus fürs ZDF-"Nachtstudio" : „Soll ich aufstehen und Alarm läuten?“
Thomas Eckert

Weil das ZDF die Kultur aus dem Nachtprogramm nimmt: Tabula rasa. Und Sie schweigen! Als Kulturmensch!

Soll ich aufstehen und die Alarmglocken läuten? Das bringt doch nichts. Als bekannt wurde, dass das „Philosophische Quartett“ aufhören muss, gab es zwei Wochen lang Proteste. Dann war’s vergessen. Warum soll ich als optimistischer Mensch mich aufregen? Es ist, wie es ist. Und Ende.

Das alte Lied: Kulturmenschen tun sich mit dem Kämpfen schwer.

Könnte sein. Aber ich frage Sie: Wie hätte ich denn kämpfen können?

Zum Beispiel, indem Sie Ihre 2500 Gäste auf die Barrikaden treiben.

Das hätte nichts gebracht, glauben Sie’s mir. Natürlich bin ich traurig, dass es meine Sendung nicht mehr geben wird. Und ehrlich gesagt: Ich kann die Entscheidung des ZDF auch nicht wirklich nachvollziehen. Schließlich waren wir einzigartig. Sicher, das ZDF will und muss neue Wege gehen. Aber wenn wir mit einer Sendung über die documenta in Kassel 400 000 Zuschauer, und das mitten in der Nacht, erreichen, dann soll uns das erst mal einer nachmachen.

Ein Loch tut sich auf. Was wird statt des „Nachtstudios“ laufen?

Nichts. Also Wiederholungen. Krimis wahrscheinlich.

Trübe Aussichten. Aber lassen Sie uns den Tatsachen ins Auge sehen: Es wird im deutschen Fernsehen so viel getalkt wie nie zuvor. Eine Talkrunde mehr oder weniger, was macht das schon?

Wir sind keine x-beliebige Talkrunde. Wir haben uns bemüht, Erkenntnisse zu liefern. Wenn andere über das Betreuungsgeld streiten, kümmern wir uns um Themen wie „Die deutsche Mutter“ oder die Evolution. Das ist doch eine ganz andere Dimension.

Alle, alle kamen gerne zu Ihnen. Wer kam nie?

Der Soziologe Ulrich Beck. Wir haben ihn des Öfteren angefragt. Aber er hatte nie Zeit. Warum, weiß ich auch nicht.

Wen würden Sie nie wieder einladen?

Einen gewissen Pädagogen, Bestsellerautor, den Namen möchte ich verschweigen. Ein Mann, der sich nur für sich selbst interessiert. Der passte nicht zu uns.

Zum Abschied bereiten Sie sicher etwas ganz Heißes vor. Wie heißt das Thema Ihrer letzten Sendung?

„Wie viel Kultur braucht der Mensch heute?“

Oha.

Der Gag dabei ist, dass die erste aufgezeichnete Sendung des „Nachtstudios“ 1997 auch diesen Titel hatte, jedenfalls beinahe. Sie hieß „Wie viel Kultur braucht der Mensch?“. Damals waren Cora Stephan, Johannes Willms und Hanns-Josef Ortheil dabei. Die drei werden mich auch am 24. Juni begleiten. Ein „Nachtstudio“ unter Freunden. Ein bisschen Romantik zum Schluss, wenn Sie erlauben.

Das Interview führten Thomas Eckert und Joachim Huber.

Volker Panzer, Jahrgang 1947, stammt aus dem Saarland und hat ein geistes- und sozialwissenschaftliches Studium absolviert. Ab 1977 arbeitete er als freier Kulturjournalist für ARD und ZDF, 1989 wurde er Redakteur beim Kulturmagazin „Aspekte“. Später leitete er die Redaktion „Geschichte und Gesellschaft“. Das Gesprächsformat „Nachtstudio“, dessen Leiter und Moderator er bis heute ist, begründete er 1997. Mit Panzers Abschied vom ZDF wird die Sendung eingestellt. Am Sonntag, 24. Juni, ist Finale um 0 Uhr 20. Danach, um 1 Uhr 30, zeigt das ZDF 130 Minuten lang „Der Kult im Kasten – Das Beste aus 15 Jahren ZDF-Nachtstudio“.