Countdown der ARD-Serie : „Mein Lindenstraße“: Auf Umwegen ins wahre Leben

Nur noch vier Folgen „Lindenstraße“. Schauspieler Georg Uecker erinnert sich an Streits mit dem Produzenten Hans W. Geißendörfer.

Neyla (Dunja Dogmani) ist misstrauisch: Läuft da etwa etwas zwischen Klaus (Moritz A. Sachs) und Nina?
Neyla (Dunja Dogmani) ist misstrauisch: Läuft da etwa etwas zwischen Klaus (Moritz A. Sachs) und Nina?Foto: WDR/Steven Mahner

Georg Uecker spielt seit 35 Jahren Dr. Carsten Flöter. Am Sonntag läuft die viertletzte Folge der „Lindenstraße (ARD, 18 Uhr 50), deren Countdown wir bis zum 29. März herunter zählen, bisher mit Michael Meisheit , Klaudia Wick , Joachim Kosack, Ahne , Thomas Hermanns und Claudia Roth.

Am Ende der Straße ist der Weg nicht vorbei. Aber bevor ich weiterziehe, halte ich kurz inne und werfe einen letzten Blick zurück nach vorn.

Für mich war die „Lindenstraße“ ein ganz besonderer Arbeitsplatz, so etwas wie das gallische (bisweilen auch gallige) Dorf in der sich stetig verändernden deutschen Fernsehlandschaft. Es gab einen kontinuierlichen, kreativen Gedankenaustausch zwischen Autoren und Schauspielern, regelmäßige Ensembleversammlungen mit Wahl der Ensemblesprecher, gemeinsame gesellschaftspolitische und karitative Initiativen bis hin zu einem betriebseigenen Kindergarten.


Es war kein geschlossenes, aber ein weitestgehend geschütztes Biotop. Der Star war das Ensemble. Um nicht in bräsige Routine zu versinken, habe ich meist nur relativ kurzfristige Verträge unterschrieben. Immer wieder habe ich mit Hans W. Geißendörfer darüber diskutiert, was wir erzählen wollen und wie.

34 Jahre "Lindenstraße": Schauspieler Georg Uecker.
34 Jahre "Lindenstraße": Schauspieler Georg Uecker.Foto: DPA

Nachdem wir uns im ersten Jahr so in die Wolle gekriegt haben, dass ich sofort kündigen wollte, ist im Laufe der Jahre eine enge Freundschaft entstanden, die weit über die Arbeit hinausgeht. Seiner Willensstärke, die auch schon mal stur und bockig daher kam, war es zu verdanken, dass wir trotz homophober Hasstiraden und massiver Morddrohungen, die vor 30 Jahren so weit gingen, dass ich zeitweise unter Personenschutz gestellt wurde, nicht klein beigaben.

Im Gegenteil: Das queere Serienpersonal wurde aufgestockt und so die Sichtbarkeit und Diversität homo- und transsexueller Lebensformen erhöht. Wir haben eine Menge erreicht. „Nicht auf der geraden Straße, sondern auf den Umwegen findet man das wahre Leben“, schreibt Robert Walser. Vor mir liegen verschlungene und nebulöse neue Umwege.

Jetzt neu: Wir schenken Ihnen 4 Wochen Tagesspiegel Plus!