Komödie mit Anna Schudt, Mark Waschke und Felix Klare : Die Ringe des Lebens

Auf Abwegen: Drei der besten „Tatort“-Kommissare im Seitensprung-Dramolett und die Frage, wann ein Film wirklich gut ist.

Irrungen, Wirrungen auf der Nordseeinsel. Die Ärztin Katrin (Anna Schudt) muss sich zwischen ihrem Mann Mark (Felix Klare, r.) und dem charmanten Zufallsbekannten Peter (Mark Waschke) entscheiden.
Irrungen, Wirrungen auf der Nordseeinsel. Die Ärztin Katrin (Anna Schudt) muss sich zwischen ihrem Mann Mark (Felix Klare, r.) und...Foto: ARD Degeto/Marion von der Mehden

Die ewige Kritikerfrage, auch die der Leser, der Zuschauer: Wann ist ein Film gut? Was heißt das eigentlich – gut? Ist er plausibel, handwerklich gut gemacht, logisch? Muss er an manchen Stellen über das Gewöhnliche herausragen, wie es Ulrike Frick, Leiterin der Fernsehfilm-Reihe beim Münchner Filmfest im Interview mit der „Süddeutschen“ gesagt hat?

In dem Sinne ist „Zwischen zwei Herzen“ eher mau. Ein Seitensprungdramolett, zwei Männer, eine Frau, die sich in der Mitte ihres bürgerlichen Lebens nicht über dessen weiteren Fortgang im Klaren sind. Da sehnt man sich nach einer psychologischen Studie à la „Die Dinge des Lebens“ – ein verheirateter Architekt mit jüngerer Geliebten, der zwischen zwei Lebensentwürfen schwankt. Aber Mark Waschke ist nicht Michel Piccoli, Anna Schudt nicht Romy Schneider und Regisseur Markus Herling nicht Claude Sautet.

Wenn schon „Can't help falling in love“ erklingt

Interessant wird es, mal drei der besseren „Tatort“-Kommissare auf Abwegen zuzusehen. Wie sie – Experten für Mord und Totschlag – sich leicht unterfordert durch eine gefühlige Degeto-Komödie spielen. Neben Anna Schudt (ermittelt in Dortmund) sind das Mark Waschke (Berlin) und Felix Klare (Stuttgart), der in dieser Dreier-Kombi die undankbare Rolle des verständnisvollen Ehemannes zu spielen hat, das Fremdgehen seiner Frau mit erstaunlicher Ruhe über sich ergehen zu lassen.

Schudt spielt die Hals-Nasen-Ohren-Ärztin Katrin Schwitters, bei der während eines Medizinerkongresses ein Vortrag ausfällt. Obwohl sie nicht als sehr spontan gilt, fährt sie kurzerhand auf eine Nordseeinsel, die sie wegen eines Unwetters so schnell nicht mehr verlassen kann, der Fährverkehr ist eingestellt. Bleibt die Flucht ins „Hotel Leuchtturm“, wo sie Peter (Mark Waschke) kennen lernt. Draußen tobt der Sturm, drinnen plaudern die beiden, die Chemie stimmt sofort, eng umschlungener Tanz zu Elvis Presley’s „Can't help falling in love“.

So weit, so gut. Das hat ja schon Kraft. Wenn man sich neu verliebt, kann man nichts machen, der Blick auf den Ehering hält vorm Fremdgehen nicht zurück – leider wird dieses Credo (Buch: Alexandra Maxeiner) mehr behauptet als gezeigt. Vielleicht hat man beim Sehen zu sehr die „Tatort“-Rollen im Kopf, vielleicht hätte es stärker geschrieben werden müssen.

Die Komödie verliert sich im Ungefähren: kaum überraschende Wendungen, blasse Dialoge, Nebenfiguren wie Katrins Freundin Sanne (Kathrin Angerer) mit Leben unerfüllt. Lediglich dem Spiel drei der besten Schauspieler des Landes abseits ihres gewohnten Tuns zuzusehen, hält bei Laune. Allen voran Anna Schudt, die zuletzt im ZDF-Film „Aufbruch in die Freiheit“ gezeigt hat, dass sie mehr kann als „Tatort“.

Am Ende eine Zwei minus für den Film, dank der – für einen Degeto-Streifen – ungewöhnlichen Protagonisten. Man ist im Sommerprogramm Schlechteres gewohnt. Oder schaut mal wieder Claude Sautet im Kino.

„Zwischen zwei Herzen“, Samstag, ARD, 21 Uhr

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