MABB-Studie zur Audio-Nutzung : So digital sind Berlin und Brandenburg

Neue Zahlen zur digitalen Audio-Nutzung: Podcasts und Spotify im Aufwind, DAB+ kommt in Berlin und Brandenburg nur langsam in Fahrt.

Alexa, schalt’ doch mal das Radio ein! Smartspeaker wie der Amazon-Echo kommen auch in Berlin und Brandenburg an.
Alexa, schalt’ doch mal das Radio ein! Smartspeaker wie der Amazon-Echo kommen auch in Berlin und Brandenburg an. Über 400 000...Foto: Britta Pedersen/dpa

Wie digital sind Deutschlands Städte? Diese Frage versucht der Smart City Index zu beantworten. Im Auftrag des Digitalverbands Bitkom wurden alle 81 deutschen Großstädte mit mehr als 100 000 Einwohnern untersucht. Sieger in diesem Wettbewerb ist Berlin, vor Bonn, Darmstadt, Dortmund und Hamburg. München und Stuttgart hingegen kommen erst auf die Plätze neun und zehn.

Die Zahlen des IT-Lobbyverbandes decken sich mit einer Studie der Medienanstalt Berlin-Brandenburg über die Audionutzung in der Region, jedenfalls weitgehend. Denn nicht in allen Bereichen ist Berlin bei der Digitalisierung Spitzenreiter, wie zwei neue Länderberichte der MABB zeigen, die die Audio-Nutzungsgewohnheiten der Berliner und Brandenburger ab 14 Jahren in den Blick genommen haben.

Am liebsten per Smartphone

So nutzen fast drei Viertel der Berliner und über die Hälfte der Brandenburger Online-Audio-Angebote, und zwar vor allem übers Smartphone. Sie hören hierbei am liebsten Musik. Videoplattformen, Webradio, Streamingdienste, Podcasts und Hörbücher legen in beiden Ländern zu. Eine Sättigung scheint nicht erreicht zu sein. Allerdings sind die Angebote insgesamt bei den Berlinern verbreiteter als in Brandenburg.

Über 90 Prozent der Berliner und Brandenburger Online-Audio-Nutzer hören Angebote zu Hause, außer Haus je grob drei Viertel. Videoplattformen wie Youtube liegen bei der Online-Audio-Nutzung in beiden Ländern vorn, gefolgt von Webradio. Während Streamingdienste in Berlin am meisten zulegen, gewinnt in Brandenburg Webradio an Hörerschaft und liegt mit fast 40 Prozent beinahe gleichauf mit Youtube und Co.

Die unterschiedlichen Präferenzen der Länder können nach Einschätzung von MABB-Direktorin Anja Zimmer demografische Gründe haben: „Musikstreaming-Dienste werden häufig von den jüngeren Zielgruppen, vorrangig den unter 30-Jährigen genutzt, wohingegen Webradio-Angebote eher im mittleren Alterssegment genutzt werden.“ Zudem bedürfe es bei vielen Musikstreaming-Angeboten einer Zahlungsbereitschaft.

An dieser Stelle sei der Vergleich mit Berlin allerdings etwas unfair: „Berlin ist bundesweit Spitzenreiter bei der Nutzung von Musikstreaming-Angeboten“, so Zimmer. „Fast 40 Prozent der Berliner Bevölkerung hört Musik über Streaming-Dienste wie Spotify, Amazon Music und Deezer Musik. Auch bei Audio-On-Demand-Angeboten wie Podcasts liegt Berlin ganz weit vorne.“ In Brandenburg habe derzeit noch der terrestrische Radioempfang eine überragende Bedeutung. „Die große Beliebtheit linearer Radioprogramme spiegelt sich auch in der vergleichsweise hohen Webradio-Nutzung in Brandenburg wider“, so Zimmer.

Alexa und Google Home legen zu

Allerdings holen die Brandenburger die Berliner bei der Podcast-Nutzung ein und liegen zahlenmäßig fast gleichauf. Mehr als ein Viertel der Brandenburger, die überhaupt Online-Audio nutzen, hören Podcasts, das sind etwa 320 000 Menschen. In der Region hören insgesamt fast eine Million Menschen Podcasts. Auch Smart Speaker wie Amazon Echo (Alexa) oder Google Home legen zu: Über 400 000 Menschen in der Region haben einen intelligenten Lautsprecher.

[Lesen Sie auch: Wie informieren sich die Berliner und Brandenburger über ihre Region? Eine Studie untersucht das Mediennutzungsverhalten in der Hauptstadtregion.]

Beim Radio-Empfang zeigt sich hingegen, wie pragmatisch die Berliner und Brandenburger mit den Möglichkeiten der Digitalisierung umgehen. Zwar besitzen bereits eine Million Berliner und Brandenburger ein Digitalradio, oder haben Zugang zu einem Radiogerät mit DAB+-Empfang. Doch von einer Digitalradio-Euphorie ist die Region weit entfernt, trotz der von der DAB+-Lobby beworbenen besseren Klangqualität und den interessanten Zusatzdiensten.

In Berlin legt das Digitalradio leicht zu, jeder fünfte Berliner hat Zugang zu einem entsprechenden Gerät, in Brandenburg verlor der Digitalstandard hingegen leicht und liegt bei 17 Prozent. Damit liegen beide Länder hinter dem Bundesdurchschnitt. Allerdings gibt es dafür einen guten Grund: Das umfangreiche UKW-Radioprogramm mit seinen rund 30 Wellen. Die mit Abstand meisten Berliner und Brandenburger bezeichnen das analoge UKW-Radio entsprechend als die Empfangsart, über die sie am meisten Radio hören. Dahinter liegt – wie auch bundesweit – mit deutlichem Abstand Webradio, dann DAB+. In Brandenburg hat UKW als meistgehörte Empfangsart sogar auf 81 Prozent zugelegt, der Digitalstandard leicht verloren.

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Wie können die DAB+-Zahlen in der Mark zurückgehen? Bei der MABB gehen sie zunächst nicht von einem negativen Trend aus, so Direktorin Zimmer, die leichten Rückgänge bei den Brandenburger Zahlen würden innerhalb der statistischen Schwankungsbreite liegen. „Dass die digitalen Radio-Empfangswege oftmals noch nicht die meistgenutzten sind, hat ganz viel damit zu tun, dass jedenfalls die DAB+-Geräte in den Haushalten in aller Regel in der Minderheit sind“, so Zimmer. „Das heißt, auch Personen mit Zugang zu einem DAB+-Gerät besitzen zumeist noch sehr viele reine UKW-Geräte. Deshalb ist ein wenig überraschender Fakt auch: Die meistgenutzte Radioempfangsart in Berlin und Brandenburg ist der analoge UKW-Standard.“

DAB+: Hauptstadtregion hinter Durchschnitt

Allerdings liegen die Zahlen im Kontrast zum Trend der DAB+-Verbreitung in Deutschland: Die Haushaltsausstattung mit DAB+-Geräten hat zuletzt in den meisten Bundesländern kräftig zulegt, in der Hauptstadtregion nur wenig. Wie der Deutschlandradio-Intendant und Vorsitzende des Vereins Digitalradio, Stefan Raue, kürzlich dem Tagesspiegel sagte, sei der Digitalradio-Trend überraschend gut: „Alle in diesem Jahr veröffentlichten Zahlen deuten darauf hin, dass es eine deutliche Steigerung bei der Anzahl der Haushalte mit DAB+ gibt.“

Raue verwies vor allem auf die mobile Nutzung im Auto als wesentlichen Treiber. Ab 2021 muss zudem jeder Neuwagen über ein Digitalradio verfügen. Man sei optimistisch, so Raue, und hoffe, dass der Knoten beim Digitalradio geplatzt ist.

Tatsächlich machte das Digitalradio in Deutschland in den zurückliegenden zwölf Monaten einen gewaltigen Sprung. Die Zahl der Haushalte mit einem Radiogerät mit einem solchen Empfänger stieg um mehr als ein Drittel auf rund 23 Prozent. In absoluten Zahlen entspricht dies einem Plus von zwei Millionen auf nun neun Millionen Haushalte, wobei die Gesamtzahl von DAB+-Empfängern auf 15 Millionen Geräte wuchs. Von den 260 Programmen, die via DAB+ teilweise im gesamten Bundesgebiet zu hören sind, teils aber nur in bestimmten Regionen, werden 65 ausschließlich über den digitalen Weg ausgestrahlt.

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