Nonnen gesucht : Für einige Zeit ins Kloster?

Der katholischen Kirche fehlt der Nachwuchs und immer mehr Mitglieder treten aus. Nun soll ein Programm junge Frauen für das Kloster rekrutieren.

Eine Schwester mit Kopftuch.
Eine Schwester mit Kopftuch.Foto: Gabriel Bouys/AFP

Der Orden der Schwestern der heiligen Maria Magdalena Postel (SMMP) kann auf eine bewegte Geschichte zurückblicken. Einmal wurde eine Waschküche, in der Schwestern arbeiteten, weltbekannt: Schwester Antonia Maria Freude hatte sich aus Brochterbeck 1967 aufgemacht nach Bolivien. Ihre erste Station war Vallegrande, wo der Orden einen kleinen Konvent hat.

In der Nähe wurde am 9. Oktober jenes Jahres Che Guevara erschossen – und im Waschhaus des Krankenhauses „Señor de Malta“ aufgebahrt. Die Schwestern wuschen den Leichnam des Revolutionärs, das Bild des toten Che hat sich eingebrannt: „Er sah aus wie ein Christus“, berichtete Schwester Antonia bei einem Treffen 2017 in Bolivien.

Der Orden steht spiegelbildlich für viele andere in der katholischen Kirche. Heute hat er statt früher über 1000 Ordensschwestern nur noch etwa 300 – rund 200 in Deutschland, je 40 in Bolivien und Brasilien, 20 in Mosambik und vier in Rumänien. Ihr Leitmotiv: „Die Jugend bilden, die Armen unterstützen und nach Kräften Not lindern.“

Die europäische Zentrale ist das Bergkloster in Bestwig (Sauerland). Es gibt heute kaum noch Eintritte junger Frauen. Schon vor Jahren stand der Orden vor der Frage, Einrichtungen aufzugeben oder Wege zu finden, „mit weltlichen Leitungen unter Trägerschaft des Ordens weiterzumachen“, berichtet SMMP-Sprecher Ulrich Bock. Von den etwa 40 Einrichtungen werden nur noch drei von Schwestern geleitet, darunter die Jugendsozialeinrichtung „Manege“ in Berlin-Marzahn.

Die „Manege“ in Marzahn, die schon von Kanzlerin Angela Merkel besucht wurde, gilt als gutes Beispiel und Vorbild. Bei dem Projekt für mehr als 300 arbeitslose Jugendliche gibt es eine Kooperation mit den Salesianern des Don-Bosco-Ordens. So wie Unternehmen in Krisenzeiten fusionieren, sind auch Fusionen im Bereich der Ordensgemeinschaften oder gemeinsam betriebene Einrichtungen kein Tabu mehr.

Um junge Frauen zu gewinnen, gibt es zudem das SMMP-Programm „Kloster auf Zeit“ – Frauen zwischen 18 und 35, „die ihrer Lebensberufung auf der Spur sind und sich fragen, ob das Ordensleben ein Weg für sie ist, laden wir ein, eine Zeit lang mit uns zu leben“. Der Rhythmus von Gebet und Arbeit, gemeinsame Mahlzeiten, aber auch Stille und Zeit bestimmen die Tage. Empfohlen wird interessierten Frauen ein mindestens einwöchiger Test.

Konstant geblieben ist die Zahl der Ordensschwestern mit rund 70 im Bergkloster Bestwig – auch weil es hier eine Pflegestation gibt, wo bedürftige Ordensmitglieder gepflegt werden. Eine der größten Einrichtungen des Ordens ist das Walburgisgymnasium in Menden. Es steht heute auch unter weltlicher Leitung, aber mehrere ältere Ordensschwestern helfen hier weiter mit. Um den Schülern den christlichen Ansatz zu vermitteln, hat sich der Orden zum 100-jährigen Bestehen der Schule etwas Neues einfallen lassen: Im Oktober fahren die knapp 1000 Gymnasiastinnen und Gymnasiasten mit 20 Bussen nach Rom – zu einer Generalaudienz bei Papst Franziskus.

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