Serienschule : „Nicht jedes Format gelingt“

Neue Schreiber braucht das Land: Ufa-Geschäftsführer Joachim Kosack über Serien, Übersättigung und Autorenschulen.

Streit in der WG. „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ auf RTL (19 Uhr 40) ist mit über 6600 Folgen ein Dauerbrenner unter den Daily Soaps (hier mit Anne Menden, Niklas Osterloh, Timur Ülker, Felix von Jascheroff, v. l.). Auch für diese Serie werden Autoren gesucht.
Streit in der WG. „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ auf RTL (19 Uhr 40) ist mit über 6600 Folgen ein Dauerbrenner unter den Daily...Foto: RTL

Herr Kosack, Sie starten mit der Ufa im Januar eine Serienschule. Die romantische Autoren-Vorstellung ist ja: Schreiben lässt sich nicht lernen, Talente dringen von selbst durch.

Ich denke, diese Vorstellung ist nicht romantisch, sondern längst überwunden. Schreiben ist wie das Spielen eines Instrumentes: üben, üben, üben. Denn man braucht Handwerk und den guten alten Fleiß. Und wenn man dann noch Talent hat, dann wird es wieder romantisch.

Wie ist denn die Resonanz bislang, wie viel Bewerber gab es?
Tolle Resonanz, auch von vielen Kollegen aus der Branche. Wir hatten fast 200 Bewerber.

Der Bedarf an guten Autoren wird ja weiter wachsen. Auch Plattformen wie Netflix und Amazon interessieren sich zunehmend für deutsche Geschichten. Werden Sie sich nicht ärgern, wenn Autoren, die die Ufa-Serienschule besucht haben, danach für Netflix, Amazon & Co. schreiben?
Erstens ist das kein Widerspruch. Wir produzieren auch für die neuen Partner. Und zweitens hat die Ufa Ausbildung und Nachwuchsförderung immer schon für sehr wichtig erachtet – für den ganzen Markt und nicht nur kurz gesprochen für sich selbst. Bei letzterem Ansatz würden keine langlebigen kreativen Beziehungen entstehen können. Wobei wir uns natürlich über alle guten Talente freuen, die immer wieder für uns arbeiten.

Ich habe gelesen, dass es zur Schreib-Aufgabe der Bewerber gehört, Ausgangssituationen um eine weibliche Hauptfigur zu finden, Identifikationsfiguren offenbar für ein überwiegend weibliches Publikum.
Das stimmt.

Ist das nicht zu sehr Schablone? Ob Daily Soap oder Serien-Event wie „Deutschland 86“ – man will sich doch bei einer neuen Serie auch mal überraschen lassen.
Um innovativ werden zu können, ist es essenziell, die Basics zu beherrschen.

Joachim Kosack ist Geschäftsführer der UFA GmbH und UFA Serial Drama ("GZSZ"). Im Januar startet die Ufa-Serienschule.
Joachim Kosack ist Geschäftsführer der UFA GmbH und UFA Serial Drama ("GZSZ"). Im Januar startet die Ufa-Serienschule.Foto: promo

Hand aufs Herz, wie viele Serien schauen Sie gerade parallel?
Ich gebe zu, ich bin wegen Zeitmangels ein Drei- bis Vier-Episoden-Gucker pro Format, um mir bei all den vielen Serien einen Überblick verschaffen zu können. Die letzten beiden Serien, die ich komplett schaue beziehungsweise geschaut habe, sind „Bodyguard“ und die zweite Staffel von „Jerks“.

Philipp Kadelbach, der Regisseur der ZDFneo-Serie „Parfum“, meinte in einem Interview, es gebe zu viele Serien. Er stelle langsam eine Sättigung bei sich fest und sei immer öfter regelrecht sauer, wenn er eine Serie starte und dann merke – Zitat –, „welcher Mist da produziert worden ist“. Geht es Ihnen manchmal nicht auch so?
Man kann sich wirklich kaum vorstellen, dass es auf lange Sicht diese Masse an Serien geben wird, und dass nicht jedes Format gelingt, ist folgerichtig. Aber die Vielseitigkeit und Spezialisierung wird zunehmen, und das wäre doch großartig.

Joachim Kosack ist Geschäftsführer der UFA GmbH und UFA Serial Drama. Im Januar startet die Ufa-Serienschule.

Jetzt neu: Wir schenken Ihnen 4 Wochen Tagesspiegel Plus!