Wibke Bruhns spricht von Kühen und Stieren

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Sexismus-Talk bei Jauch : „Es geht um Verteilungskämpfe“

Freimütig und mit gutwilligem Humor erzählte der Autor Hellmuth Karasek von aktuellen Auseinandersetzungen in seiner eigenen Familie über das Thema, er lerne in diesen Tagen viel dazu. Als Vorschlag zur Güte wandte er ein, bei einigen Flirtsprüchen käme es für Frauen doch sehr darauf an, von wem sie sie zu hören bekämen. Der Gedanke verursachte einen Anflug von Einigkeit. Wenig Zustimmung erhielt die frühere Moderatorin Wibke Bruhns, die sich vorübergehend in Biologismen verrannte, indem sie etwa erklärte, Männer und Frauen seien „zwei verschiedene Spezies“,  so wie „Kühe und Stiere“, und auch Araber, die Frauen nicht die Hand reichen wollten, seien nun mal anders.

Ursprünglich angetreten, um das Anliegen von Anne Wizorek zu unterstützten, fiel es Silvana Koch-Mehrin (FDP) schwer, konkret zu werden. Loyal gegenüber der eigenen Partei ließ sie wissen, mit Brüderle sei sie, trotz dessen „salopper Ausdrucksweise“, stets „gut klargekommen“. Mit sachte lächelndem Verständnis begegnete ihr da die feministische Publizistin Alice Schwarzer, die selbstverständlich davon ausging, dass sich vieles eben nicht so leicht vor laufender Kamera sagen lasse.

Sicher traf Alice Schwarzer den Kern der scheinbar so plötzlich über uns hereingebrochenen Problematik. Sie gibt zu bedenken, dass die zunehmende Qualifikation von Frauen in der Arbeitswelt neue Verteilungskämpfe zwischen den Geschlechtern hervorruft. Sexistische Bemerkungen und anzügliche Gesten aber gehörten zum männlichen Versuch der Machtsicherung, womit junge, professionelle Frauen nicht gerechnet hatten. Umso größer nun deren Erwachen und Empörung.

Reaktionen auf Sexismus-Vorwürfe gegen Brüderle
Die Stern-Redakteurin Laura Himmelreich beschuldigt Rainer Brüderle, seit Montag Spitzendkandidat der FDP, ihr zu nah gekommen zu sein. Am Rande des Dreikönigstreffen der FDP vor einem Jahr soll er sexuelle Anspielungen gemacht haben. Rainer Brüderle hat sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert. Einige andere aber schon...Weitere Bilder anzeigen
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Einig waren sich fast alle darin, dass unangebrachte Bemerkungen und unerwünschte Flirtversuche vor allem dann völlig fehl am Platz sind, wo Machtgefälle und Abhängigkeitsverhältnisse herrschen. Koch-Mehrin macht darauf aufmerksam, dass etwa Angela Merkel jahrelang den Spott der Presse für ihre Kleidung und Frisur hinnehmen musste, wie das nie einem Mann in ihrer Position passiert wäre. Fazit: Für  sexualisierte oder indirekt auf das Geschlecht eines Gegenübers bezogene Bemerkungen taugt ein guter Test: Wie würde derselbe Satz, dieselbe Frage wirken, wenn eine Frau das zu einem Mann sagen würde?   

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