Übertragungspanne : 5000 Messgeräte für TV-Quoten werden reaktiviert

Wie liefen der letzte Atzorn und „Young Sheldon“? Bis Freitag müssen die TV-Sender auf Daten warten. Zunächst haben die Servicetechniker noch viel zu tun.

Die Einschaltquoten im deutschen Fernsehen werden wegen einer technischer Panne frühestens am Freitag wieder veröffentlicht.
Die Einschaltquoten im deutschen Fernsehen werden wegen einer technischer Panne frühestens am Freitag wieder veröffentlicht.Foto: Monika Skolimowska/dpa

Für Manuel Weis, den Chefredakteur des Mediendienstes Quotenmeter.de, kommt der Ausfall der TV-Quotenmessung zur Unzeit: „Gerade jetzt erleben wir eine wirklich spannende Zeit, mit der ProSieben-Serie ,Young Sheldon‘, der in der Vorwoche einen Rekordstart hingelegt hat, und dem Beginn neuer RTL-Donnerstagssendungen. Und wie hat sich der letzte TV-Auftritt von Robert Atzorn geschlagen, gab es da einen neuen Rekord der Reihe?“, würde Weis gerne wissen. Das Problem: Seit vergangenem Freitag gibt es keine frischen TV-Nutzungsdaten.

Zuerst wollte die Arbeitsgemeinschaft Videoforschung (AGF) die Panne bei der Datenübertragung zwischen dem Abrufserver und den Messhaushalten bis Montag behoben haben, nun werden die mehreren hundert Kunden – zu denen neben TV-Sendern, Werbekunden und Mediaagenturen auch Abnehmer wie Quotenmeter.de gehören – bis Freitag vertröstet. Immerhin: AGF-Geschäftsführer Willibald Müller hält dieses Ziel nach derzeitigem Stand weiterhin für möglich, wie er dem Tagesspiegel versicherte.

Die Seite Quotenmeter.de existiert im März seit 16 Jahren. „Aber eine so lange Panne bei der Quotenmessung gab es nie zuvor. Nur einmal, im Jahr 2008, ist die Messung für einen Tag ausgefallen. Die Daten wurden danach alle nachgeliefert“, erinnerte sich Weis. Diesmal werden es sieben Tage, falls nicht neue Probleme hinzukommen. Zweifel sind durchaus angebracht, nicht nur, weil der erste Termin nicht gehalten werden konnte. Sondern vor allem, weil sämtliche Geräte in den 5000 Panelhaushalten von Mitarbeitern vor Ort reaktiviert werden müssen. „Das ist sicher ein ernst zu nehmendes Problem, auch wenn es sich nicht um einen kompletten Software-Austausch handelt“, sagte Müller.

Keine Angaben zur Pannenursache

Bis Dienstagnachmittag wurde das Kommunikationsproblem auf über 2000 Geräten beseitigt. Es werde weiter mit Hochdruck daran gearbeitet, bis Freitag wieder die übliche verlässliche Datenlieferung zu gewährleisten, sagte Müller. Zur Ursache der Panne wollte der AGF-Geschäftsführer indes keine Angaben machen. Einen Zusammenhang mit der Ausweitung und Beschleunigung der Messungen beim zeitversetzten Fernsehen, Streamingdiensten und Youtube gebe es jedoch nicht.
Mit Hilfe der TV-Quoten werden die Werbepreise berechnet. Das ist nicht nur für die kommerziellen TV-Sender wichtig, sondern auch für die öffentlich-rechtlichen Kanäle, die im Vorabendprogramm ebenfalls Werbung ausstrahlen.

Quotenmeter hat die Daten über Media Control, den Vermarkter der TV-Nutzungsmessung, abonniert. Mit Kritik hält Weis sich dennoch zurück: „Nun ist es vor allem wichtig, dass hier nicht eilig etwas zusammengeschustert wird“, betonte der Quotenmeter.de-Chef. Die Verlässlichkeit der Daten habe oberste Priorität. Die Daten selbst seien jedoch nicht verloren gegangen, davon geht die AGF nach eigenen Angaben unverändert aus.

Und was mach Quotenmeter.de bis zur Wiederaufnahme der Datenlieferung? Normalerweise wird morgens um 8 Uhr 30 mit der Auswertung begonnen, um daraus fünf bis sechs Meldungen zu schreiben. An deren Stellen treten derzeit Langzeitbetrachtungen, so wie über die Sendung „MDR um 2“. Zudem wird auf den US-Markt und Formate geblickt, die sonst nicht so im Fokus stehen. „Zudem gibt es ja noch TV-News und Filmkritiken“, sagte Weis. Ob sich das Ausbleiben der TV-Quoten bereits auf die Abrufzahlen von Quotenmeter.de ausgewirkt hat, weiß er nicht – „die werden erst am Monatsende ausgewertet“. Kurt Sagatz

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