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Weiter Unruhe nach Fälschungsfall : Früherer Ressortchef Geyer zieht Klage gegen „Spiegel“ zurück

Der „Spiegel“ hatte Matthias Geyer, einst Chef des Gesellschaftsressorts, gekündigt. Der wollte erst dagegen klagen, nun doch nicht.

Unruhe beim "Spiegel"
Unruhe beim "Spiegel"Foto: AFP

Der vom „Spiegel“ entlassene frühere Leiter des Gesellschaftsressorts, Matthias Geyer, hat seine Klage gegen das Nachrichtenmagazin zurückgezogen. Das bestätigte ein Sprecher des Hamburger Arbeitsgerichts am Montag dem Evangelischen Pressedienst (epd). Ein ursprünglich für Dienstag geplanter Gütetermin wurde dadurch hinfällig. Zu der Frage, ob eine außergerichtliche Einigung erzielt wurde, wollten sich zunächst weder Geyers Kölner Anwalt Andreas Cremer noch der „Spiegel“ äußern.

Am Freitag war bekannt wurden, dass der „Spiegel“ Matthias Geyer, Förderer von Claas Relotius und zuletzt Redakteur für besondere Aufgaben, gekündigt hat. Gegen die Kündigung wollte Geyer juristisch vorgehen, hieß es zunächst. Am Dienstag sollte der Fall vor dem Arbeitsgericht Hamburg verhandelt, bestätigte Geyers Anwalt Andreas Cremer dem Tagesspiegel einen Bericht der „WAZ“. 

Eine Sprecherin sagte, der „Spiegel“ werde sich nicht zu vertraulichen Personalfragen öffentlich äußern.

Bereits im Juni wurde berichtet, dass der „Spiegel"“ und Geyer Gespräche führen würden, an deren Ende eine Trennung stehen könnte. Der Skandal um die gefälschten Reportagen des früheren „Spiegel“-Redakteurs Claas Relotius hat damit nun offenbar weitere personelle Konsequenzen gezogen.

Relotius hatte im Dezember 2018 massive Fälschungen zugeben müssen und daraufhin beim Hamburger Nachrichtenmagazin gekündigt. Der mehrfach mit Preisen ausgezeichnete Journalist bestätigte anschließend über seinen Anwalt öffentlich, dass er „über mehrere Jahre hinweg vielfach Fakten falsch dargestellt, verfälscht und hinzuerfunden hat“. 

Geyer hatte als Leiter des Gesellschaftsressorts Relotius bereits im November 2018 mit den Vorwürfen seines Reporterkollegen Juan Moreno konfrontiert – ohne die nötigen Konsequenzen zu ziehen. Statt dessen ließ Geyer Relotius weiterarbeiten, unter anderem für einen Aufmacher über den Klimawandel.

In „drei nicht unwichtigen Teilen“ habe es laut „Spiegel“-Abschlusbericht zum Relotius-Skandal darin erneut Fälschungen gegeben. Die Leitung des Gesellschaftsressort hatte Geyer auf eigenen Wunsch abgegeben.

Vor der Relotius-Affäre hatte der „Spiegel“ noch geplant, Geyer zum Blattmacher zu befördern.

Unklar ist die Stellung von Ullrich Fichtner, von 2013 bis 2014 Geyers Vorgänger als Leiter des Gesellschaftsressorts. Relotius hatte überwiegend für dieses Ressort geschrieben. Fichtner galt ebenso als Förderer von Relotius. 

Im März wurde bekannt, dass Fichtner nicht, wie vorgesehen, in die Chefredaktion einzieht und Reporter mit besonderen Aufgaben werde. Dem sei jetzt auch so, sagt die „Spiegel“-Sprecherin.

Geyer hingegen, so sein Anwalt Andreas Cremer, sei im Anschluss "nicht vertragsgerecht beschäftigt" worden. Ihm seien keine "besonderen Aufgaben" zugewiesen worden. Er sei weiterhin in der Redaktion tätig, von einem Fortgang könne auch nach der Kündigung keine Rede sein. Ziel der Klage sei es, hatte Cremer dem Tagesspiegel am vergangenen Freitag gesagt, die Kündigung rückgängig machen zu lassen. Und: „Herr Geyer möchte ungern ein politisches Opfer sein.“

Offenbar werden nun andere Wege beschritten.

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