Zu meinem ÄRGER : Keine Bühne für Hildmann, Jebsen & Co.

Coronaverschwörer und ihre Theorien gehören maximal in die Rubrik Kurioses, meint Dokumentarfilmer Jan Tenhaven in seinem Rückblick auf die Medienwoche.

Jan Tenhaven ist Dokumentarfilmer für ARD, ZDF und Arte sowie Vorsitzender der Sektion Dokumentarfilm in der Deutschen Akademie für Fernsehen.
Jan Tenhaven ist Dokumentarfilmer für ARD, ZDF und Arte sowie Vorsitzender der Sektion Dokumentarfilm in der Deutschen Akademie...Foto: Lidia Tirri/Promo

Jan Tenhaven ist Dokumentarfilmer für ARD, ZDF und Arte sowie Vorsitzender der Sektion Dokumentarfilm in der Deutschen Akademie für Fernsehen. Worüber haben Sie sich in dieser Woche in den Medien am meisten geärgert?

Über die breite Berichterstattung über durchgedrehte Coronaverschwörer. Vor allem Spiegel-TV steigt mit seinen Krawallreportagen voll darauf ein. Die Aufmerksamkeit für Hildmann, Jebsen & Co steht aber in keinem Verhältnis zu deren tatsächlicher Bedeutung. Das gehört maximal in die Rubrik Kurioses. Aber klar, die schrillen Auftritte versprechen Auflage, Klicks und Quote. Auch ernsthaftere Medien werden angesichts von so viel Unterhaltungswert schwach und geben den Aluhutträgern eine Bühne, die sie nicht verdient haben. Schade, so bleibt weniger Platz für die wichtigen Themen.

Gab es auch etwas, worüber Sie sich freuen konnten?
Über die fast immer exzellent recherchierten, herrlich unaufgeregten Radiobeiträge von Deutschlandfunk. Eine Wohltat zwischen all dem dummen Geschrei – siehe oben. Außerdem finde ich die „Zeit“-Geschichte über Zoonosen sehr informativ und gut geschrieben. Wir lernen: Unter welchen Umständen Viren von Tieren auf Menschen überspringen und wie das mit Waldrodung, Armut und Gesundheitsversorgung zusammenhängt.

Was empfehlen Sie aus dem Internet?
Ein amerikanischer Programmierer, Matt Korostoff, hat eine einfache Website gebaut, die das unvorstellbare Vermögen der Superreichen beeindruckend visualisiert – und was man mit einem Teil des Geldes gesellschaftlich Sinnvolles anstellen könnte. Man muss kein Sozialist sein, um diese Summen obszön zu finden. Am besten auf dem Smartphone anschauen, Muskelkater im Daumen garantiert.

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