Brandkrise in Australien : Die Katastrophe als Chance für die Klimapolitik

Australien überdenkt angesichts der Brandkatastrophe seine zurückhaltende Klimapolitik. Ex-Ministerin Julie Bishop fordert eine Führungsrolle ihres Landes.

Tödliche Gefahr. Eine halbe Milliarde Tiere sind bislang verendet.
Tödliche Gefahr. Eine halbe Milliarde Tiere sind bislang verendet.Foto: Dan Himbrechts/dpa

Tote Kängurus säumen die Straßenränder, Tausende Häuser sind nur noch ein Haufen Asche. 24 Menschen sind bisher ums Leben gekommen, eine halbe Milliarde Tiere verendet, acht Millionen Hektar sind zerstört worden. Die Bilanz der Feuerkrise in Australien ist beispiellos. Und der Sommer auf der Südhalbkugel ist noch lange nicht zu Ende.

„Die physischen und mentalen Narben werden uns jahrelang begleiten“, sagte Frank Jotzo beim Sender ABC, der das Zentrum für Klima- und Energiepolitik an der Australischen Nationaluniversität in Canberra leitet. Jede Fahrt oder Wanderung im Wald werde eine Erinnerung sein. „Der Frühling wird Angst vor dem Sommer bringen.“ In seinen Augen sind die durch Dürre ausgelösten Buschbrände zu einer nationalen Krise geworden, in der aber auch eine Chance stecken könnte. Sie könnte zum „Wendepunkt für Australiens Klimapolitik“ werden und es den Regierungspolitikern ermöglichen, ihre „zerstörerische Haltung gegenüber dem Klimawandel zu verwerfen“.

Tatsächlich verfolgt Australien bisher keine mutigen Klimaziele. Mitte Dezember war Australien eines der Länder, die sich bei der Klimakonferenz in Madrid gegen weitreichendere Klimaschutzmaßnahmen stellten. Zu sehr hängt der Kontinent an seiner Kohle- und Gasindustrie. Diese liefere wertvolle Arbeitsplätze, sagt die Regierung. Erst im Juni ist im Zentrum des Bundesstaates Queensland eine der größten Kohleminen des Landes genehmigt worden. Bisher zeigt Premierminister Scott Morrison von der Liberal Party of Australia zeigt keine Anzeichen, von seiner Pro-Kohle-Politik abweichen zu wollen.

Der Premierminister spielt die Feuerkrise herunter

Kontinuierlich spielte er die Feuerkrise herunter. Solche Katastrophen habe es „schon immer“ in Australien gegeben, kommentierte der Premierminister, während Experten sich einig sind, dass das Ausmaß der Brände beispiellos ist. Grünen-Chef Richard Di Natale verglich Morrison mit Neville Chamberlain, der sich wegen seiner Appeasement-Politik gegenüber Hitler einst politische Naivität und strategische Blindheit vorwerfen lassen musste. „Kriegsschiffe, die Menschen von unseren eigenen Ufern evakuieren, sind nicht normal“, sagte Di Natale. Selbst andere konservative Politiker wie Ex-Außenministerin Julie Bishop fordern, dass Australien beim Thema Klimawandel eine Führungsrolle einnehmen sollte. Der frühere Feuerchef Greg Mullins sieht sogar eine moralische Pflicht. „Ich mache mir Sorgen um meine Enkel und deren Enkel“, sagte er. Wenn die Situation jetzt schon so schlimm sei: „Was steht den nächsten Generationen bevor?“

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