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Die erste Weihnachtskarte wurde in London verschickt - und löste einen Boom aus.

© Wikipedia

Die Geschichte der Weihnachtskarte: O, du fröhliche

Die Weihnachtszeit ist perfekt für postalische Grüße. Die erste Karte wurde 1843 verschickt. Längst gibt es solche, die Gutes tun - etwa für Unicef

Ein Knopfdruck, und schon ist die Mail versandt: „Frohe Weihnachten und ein gesundes, glückliches neues Jahr.“ Womöglich schätzen die Empfänger, dass man an sie gedacht hat, doch können sie sich wirklich darüber freuen? Meist geht die Botschaft unter im normalen Mailverkehr und wird – zur Kenntnis genommen – schnell in den digitalen Papierkorb geklickt.

Manchmal ist der Mail ein Link beigefügt, der etwa zu lustig trabenden Rentieren führt, die Knecht Ruprecht auf dem Schlitten durch einen verschneiten Wald ziehen. Anschauen? Passt gerade nicht, wenn online der Boostertermin zu vereinbaren ist, eine Frage des Chefs beantwortet werden oder eine Vertretung fürs Tennistraining organisiert werden muss. Also: weg damit.

Ganz anders ist es doch, einen Umschlag im Briefkasten zu finden, ihn vorsichtig und zu öffnen und eine handgeschriebene Weihnachtskarte daraus hervorzuziehen. Welches Motiv hat der Absender oder die Absenderin ausgewählt? Ist es traditionell und besinnlich, sind Heilige und Engel darauf zu sehen, oder wird die Weihnachtsbotschaft skurril und frech gegen den Strich gebürstet?

Heiter schwenkten die Menschen volle Weingläser

Die Geschichte der Weihnachtskarten begann in England. Man schrieb das Jahr 1843, als Sir Henry Cole, ein englischer Staatsbeamter, seine Lieben und Bekannten mit einem ungewöhnlichen Weihnachtsgruß erfreuen wollte. Den Auftrag dazu erhielt der Historienmaler John Callcott Horsley. Und der lieferte prompt. Inspiriert von einem Altarbild platzierte er zwischen Ranken und Reben eine fröhliche Familie aus Eltern, Großeltern, Tanten, Onkel und zahlreichen Kindern. Heiter schwenkten diese Menschen volle Weingläser. Sir Henry war begeistert. Und da er eine eigene Litographenwerkstatt besaß, ließ 1000 Stück in handcolorierter Auflage drucken. Er verkaufte sie zu dem damals horrenden Preis von einem Schilling pro Stück. Und wurde alle los.

Aber ach, auf dem Bild nippte auch ein Dreikäsehoch am Glas. Das, so empörten sich manche, fördere die moralische Korruption von Kindern. Die Kritik soll den umtriebigen Adligen, der später die erste Weltausstellung in London initiiert hat,so verstimmt haben, dass er im folgenden Jahr keine Weihnachtsgrüße mehr verschickte.

Die Idee dieser Art postalischen Grußes aber war in der Welt – und fand immer mehr Anhänger. Drei Jahre später verabschiedete das englische Parlament den „Postage Act“, der es ermöglichte, Briefe für nur einen Penny zu verschicken. Das beflügelte den neuen Trend. Um 1880 war die Herstellung von Weihnachtskarten bereits ein einträgliches Geschäft, das Künstlern, Schriftstellern, Druckern und Graveuren bisher unbekannte Möglichkeiten eröffnete.

Bald wurde das Versenden von Weihnachtskarten weltweit populär – und sogar wertvoll. Bei einer Auktion im November 2001 konnte eine der ersten Karten zum Rekordpreis von 22 500 Pfund versteigert werden.

Ein böhmisches Mädchen malte vor 70 Jahren die erste Grußkarte für Unicef.

© Unicef

Doch Karten können noch mehr. Sie helfen dort, wo die Not groß ist, Unicef bringt seit 70 Jahren Grußkarten heraus. Die erste malte Jitka, ein Mädchen aus dem böhmischen Rodolfov. Darauf sieht man fünf fröhliche bunt angezogene Kinder, bestrahlt von einer lachenden Sonne. Das Mädchen bedankte sich damit für die Hilfen, die ihr von Unicef zuteil geworden waren. 1000 dieser Karten wurden in alle Welt verschickt, um damit auf die Arbeit der Organisation aufmerksam zu machen.

Eine tolle Idee, die viele andere Kartenmotive nach sich zog. Immer neue wurden gestaltet und zu Tausenden verkauft. Hätte man 1999, als die Grußkarte ihren 50. Geburtstag feierte, alle bis dahin verkauften Karten nebeneinander gelegt, hätte die Strecke einmal zum Mond und wieder zurück gereicht.

Heute erscheinen bei Unicef Deutschland zwei Kartenkollektionen pro Jahr, im Frühling und im Herbst, mit mehr als 175 Motiven. Zu Weihnachten aber sind sie besonders passend. Und nie kommen sie nullachtfünfzehn daher, sondern sind echte Kunstwerke. Künstler wie Joan Miró, Marc Chagall, Henri Matisse oder Paul Klee haben ihre Werke als Kartenmotiv zur Verfügung gestellt.

Künstler und Werk. Udo Lindenberg gestaltet seit vielen Jahren Weihnachtskarten für Unicef.

© Unicef/Tine Ache:

Und manche, wie Udo Lindenberg, gestalten sie original für Unicef. Seit elf Jahren liefert der Rockmusiker unverwechselbare Motive. Darauf sieht man etwa Udo im Tannenkleid, Udo als Astronaut oder einem Schneemann zuprostend. Udos Karten sind so witzig, dass man sich glatt selbst eine schicken möchte.

"Ich bin am Start für Peace auf der ganzen Welt"

Er, in diesem Jahr selbst 75 geworden, hat sich mit folgender Botschaft gemeldet: „75 Jahre, das ist ’ne verdammt lange Zeit, um Gutes zu tun! Und, jeder kann einen Beitrag leisten– dafür ist’ s ganz egal, ob du ’ne große UN-Organisation, ein Rockmusiker oder eben einfach du bist“, sagt Lindenberg. „Ich mache weiter, bin am Start für die Kinder, für Peace auf der ganzen Welt und für Gerechtigkeit. Ich wünsche mir zum Geburtstag faire Chancen und gleiche Rechte für alle Kinder auf der Welt. Verlasst euch drauf, wenn’s drauf ankommt, bin ich da!“

Wir auch. Karten her, beste Wünsche draufschreiben – und ab in den Briefkasten. Fröhliche Weihnachten!

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