MI6 wird umweltbewusst : Bond unter Strom

Seit jeher war 007 seinen Feinden in spritsaufenden Dienstwagen entkommen. Im neuen Film setzt auch er auf Elektromobilität.

Ein Oldtimer als Dienstwagen. In „Skyfall“ nutzte Daniel Craig noch den Aston Martin DB5, den erstmals Sean Connery 1964 in „Goldfinger“ gefahren hatte.
Ein Oldtimer als Dienstwagen. In „Skyfall“ nutzte Daniel Craig noch den Aston Martin DB5, den erstmals Sean Connery 1964 in...Foto: imago/Zuma Press

Zu den ungelösten, auch nie thematisierten Rätseln um den berühmtesten Geheimagenten im Dienste Ihrer Majestät gehört die Frage, wie viel seine Dienstwagen eigentlich so wegsaufen. Zum Beispiel der legendäre Aston Martin DB5, erstmals 1964 in „Goldfinger“ im Einsatz, danach noch einige Male, zuletzt 2015 kurz in „Spectre“, obwohl James Bond da bereits auf den speziell für den Film und nur in zehn Exemplaren gebauten DB10 umgestiegen war.

Der jahrzehntelangen 007-Tradition wird Hersteller Aston Martin auch im kommenden Bond-Film – nach offizieller Zählung der 25. – folgen, doch die Frage nach Spritverbrauch und Abgaswerten stellt sich diesmal nicht mehr: Britische Medien berichten, dass Bond, James Bond, erstmals elektrisch fahren wird. In einem Aston Martin Rapide E, einem knapp 295 000 Euro teuren Transportmittel, von dem es diesmal immerhin 155 Exemplare geben soll.

Als Konzeptwagen wurde der elektrische Rapide bereits 2015 vorgestellt

Den von einem klassischen Verbrennungsmotor angetriebenen Rapide gibt es seit zehn Jahren, als Konzeptwagen wurde die Elektroversion erstmals 2015 vorgestellt, als Bond noch Abgasschwaden hinter sich ließ. Dass sein neues Elektroauto gegenüber seinen Vorgängern schwächeln könnte, muss aber niemand befürchten: Zwei Elektromotoren werden 610 PS zur Verfügung stellen, bei einem Drehmoment von 950 Nm und mit einer Reichweite von 320 Kilometern – na, vielleicht nicht bei gewohntem 007-Tempo. Die Höchstgeschwindigkeit soll bei 250 Stundenkilometern liegen, von 0 auf 96 km/h braucht der Wagen weniger als vier Sekunden. Der alte DB5 benötigte noch 7,1 Sekunden. Ein erstes Video mit dem neuen Rapide E war Ende Januar von Andy Palmer, CEO von Aston Martin Lagonda Ltd., getwittert worden.

Erstmals elektrisch. James Bonds neuer Rapide E.
Erstmals elektrisch. James Bonds neuer Rapide E.Screenshot: Aston Martin/Tsp

Über die neue Motorisierung des MI6 hatten unlängst „The Guardian“ und „The Sun“ berichtet. Demnach geht der Wechsel zur Elektromobilität auf Cary Joji Fukunaga, den Regisseur des neuen Bond-Films, zurück, dessen Dreharbeiten im April beginnen sollen. Sie hatten sich verzögert, nachdem der ursprünglich vorgesehene Regisseur Danny Boyle – er hatte für die Eröffnung der Olympischen Spiele 2012 in London einen kleinen Bond-Film mit Daniel Craig gedreht – wegen „kreativer Differenzen“ im August vorigen Jahres abgesprungen war. Der US-Amerikaner Fukunaga hatte die erste Staffel der hochgelobten HBO-Fernsehserie „True Detective“ gemacht und war auch Regisseur der Netflix-Serie „Maniac“ und des Spielfilms „Jane Eyre“.

Pierce Brosnan fuhr als Bond sogar einen unsichtbaren Aston Martin

Nach den britischen Zeitungsberichten soll es anfangs Bedenken gegen einen Bond unter Strom gegeben haben: Er könnte „too PC“, also zu politisch – oder besser: ökologisch – korrekt für die Rolle sein, aber dann setzte sich doch die Meinung des als „total tree-hugger“, als Baumumarmer beschriebenen Regisseurs durch, es sei Zeit für einen Wechsel zu einem mehr umweltbewussten Agenten. Am nötigen Equipment, um sich gegen die Bösewichter dieser Welt zur Wehr zu setzen, dürfte es dem Elektromobil nicht fehlen. James Bond kann sich ja schlecht mit einer Wasserpistole verteidigen. Da braucht es schon Maschinengewehre, einen Schleudersitz für unliebsame Beifahrer, per Knopfdruck auswechselbare Nummernschilder oder sogar die Möglichkeit, sich unsichtbar zu machen – ein technischer Irrweg, wie er nur kurz in „Stirb an einem anderen Tag“ (damals noch mit Pierce Brosnan als Bond) beschritten worden war.

Den Oberbösewicht wird voraussichtlich der erst kürzlich für seine Rolle als Freddie Mercury in „Bohemian Rhapsody“ Oscar-prämierte Rami Malek spielen, der sich laut „Guardian“ in letzten Verhandlungen mit den Bond-Produzenten Barbara Broccoli und Michael G. Wilson befindet. Als Titel des Films, der voraussichtlich im April 2020 in die Kinos kommt, war eine Zeit lang „Shatterhand“ durch die britischen Medien gegeistert, die Produzenten hatten dies strikt bestritten. „Dr. Guntram Shatterhand“, das war in Ian Flemings 007-Roman „You Only Live Twice“ ein Tarnname für Bonds Erzgegner Ernst Stavro Blofeld, möglich wäre der Name als Filmtitel also. Aber da sei Winnetou vor.

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