Mit Präparaten des Pharmakonzerns Fresenius Kabi? : Nebraska richtet Mörder mit Giftspritze hin

Mit einer Giftspritze ist in Nebraska ein verurteilter Mörder hingerichtet worden. Zuvor hatte sich der deutsche Pharmakonzern Fresenius Kabi vergeblich juristisch gegen eine mögliche Anwendung seiner Präparate gewehrt.

Demonstranten stehen vor dem Nebraska State Gefängnis und protestieren gegen die Hinrichtung eines Häftlings.
Demonstranten stehen vor dem Nebraska State Gefängnis und protestieren gegen die Hinrichtung eines Häftlings.Foto: Eric Gregory/Lincoln Journal Star/AP/dpa

Im US-Bundesstaat Nebraska ist ein verurteilter Mörder mit einer Giftspritze hingerichtet worden, die trotz juristischen Widerstands des Herstellers womöglich auch Präparate des deutschen Pharmakonzerns Fresenius Kabi enthielt. Carey Dean Moore, der wegen des Mordes an zwei Taxifahrern im Jahr 1979 zum Tode verurteilt worden war, sei am Dienstag nach der Verabreichung einer Spritze mit einem Giftcocktail aus vier Wirkstoffen gestorben, teilte der Leiter der Strafvollzugsbehörde von Nebraska, Scott Frakes, mit.

Es war die erste Hinrichtung in Nebraska mit einer Giftspritze. Diese enthielt das Betäubungsmittel Diazepam, das Schmerzmittel Fentanylcitrat, Cisatracurium zur Entspannung der Muskulatur und Kaliumchlorid, das Moores Herzschlag aussetzen ließ. Abgesehen von Kaliumchlorid waren die Substanzen noch nie für Hinrichtungen verwendet worden. Frakes versicherte, die Hinrichtung sei professionell und mit "Würde für alle Beteiligten" abgelaufen.

Fresenius Kabi war am Freitag vor einem US-Gericht mit dem Versuch gescheitert, Moores Hinrichtung zu verhindern. Der Konzern hatte argumentiert, er könne nicht zulassen, dass bei der Hinrichtung per Giftspritze zwei seiner Präparate zum Einsatz kommen. Dies würde den Ruf des Unternehmens schädigen.

Zwei Präparate könnten von Fresenius Kabi stammen

Fresenius Kabi vermutete, dass zwei Präparate in dem Giftcocktail aus seiner Produktion stammten. Der Konzern verkauft seine Produkte nach eigenen Angaben aber grundsätzlich nicht an Behörden, die sie für Hinrichtungen nutzen wollen. Die Behörden in Nebraska verrieten allerdings nicht, woher die Präparate für den Giftcocktail stammten. Umstritten war ihr Vorgehen auch wegen der Verwendung von Fentanyl, das in den USA für tausende Drogentote verantwortlich ist.

Moore selbst hatte erklärt, nach 38 Jahren in der Todeszelle wolle er keinen Aufschub seiner Hinrichtung mehr. Mit Moores Hinrichtung wurde zum ersten Mal seit 21 Jahren wieder eine Todesstrafe in Nebraska vollstreckt. 2015 war die Todesstrafe in dem Bundesstaat im Mittleren Westen per Gesetz abgeschafft worden, nur ein Jahr später wurde sie aber per Volksentscheid wieder eingeführt.

Moores Exekution war die 16. Hinrichtung in den USA seit Jahresbeginn. Für die US-Strafvollzugsbehörden ist es zunehmend schwierig, Wirkstoffe für Giftspritzen zu bekommen, weil eine Reihe von Herstellern Lieferungen für Hinrichtungen ablehnt. (AFP)

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