Schmiergelder, Geldwäsche, Steuerhinterziehung : Vorwürfe gegen Juan Carlos belasten Spaniens Königshaus

Spaniens Ex-König Juan Carlos gerät in einem Finanzskandal zunehmend in Bedrängnis. Darunter leidet das Ansehen der Monarchie

Die Vorwürfe gegen Juan Carlos I., jahrzehntelanges königliches Staatsoberhaupt des Landes, wiegen schwer.
Die Vorwürfe gegen Juan Carlos I., jahrzehntelanges königliches Staatsoberhaupt des Landes, wiegen schwer.Foto: JAIME REINA / AFP

Der Schaden für das Ansehen des Königshauses sei groß, räumte Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez ein. „Die Sache hat in der Öffentlichkeit Bestürzung ausgelöst.“ Millionenschwere Schmiergelder, Geldwäsche über Konten in der Schweiz, Steuerhinterziehung: Die Vorwürfe gegen Juan Carlos I., jahrzehntelanges königliches Staatsoberhaupt des Landes, wiegen schwer. So schwer, dass gerade die Staatsanwaltschaft des Obersten Gerichts in Madrid die Ermittlungen an sich zog, um zu entscheiden, ob gegen den 82-jährigen König im Ruhestand Anklage erhoben wird.

„Eine Bombe“, kommentierte die Onlinezeitung „El Diario“. Der alte König sei zum größten Problem für den Fortbestand des Königshauses geworden. „Juan Carlos, der Henker der Monarchie“, titelte das Konkurrenzblatt „El Independiente“. Der neue mutmaßliche Finanzskandal sei wie ein Virus für die spanische Monarchie, warnen die Medien. Die Affäre könne die Zukunft der Krone, auf Spanisch „corona“, ernsthaft gefährden – eine „Coronkrise“ eigener Art.

König Felipe VI., 52, der 2014 den Thron von seinem Vater übernahm, brach inzwischen öffentlich mit Juan Carlos, um den Schaden zu begrenzen. Und dies mit einer Erklärung, die einer Bestätigung aller Vorwürfe gleichkam: Er habe nichts von den Machenschaften seines Vaters gewusst, sagte Felipe. Er verzichtete angesichts der unklaren Herkunft des väterlichen Vermögens auf jeglichen finanziellen Erbanspruch. Felipe strich Juan Carlos zudem die Apanage – rund 200000 Euro jährlich, die der Altkönig seit seiner Abdankung erhielt.

Ansehen der Monarchie auf Tiefstand

Aber Felipes öffentliche Distanzierung scheint den Ruf nicht zu retten. Medienumfragen zufolge befindet sich das Ansehen des Königshauses, zu besseren Zeiten die populärste Einrichtung Spaniens, auf dem Tiefpunkt. In einer Erhebung der Zeitung „El Español“ erhielt Felipe von den Bürgern die schlechteste Note seit Amtsantritt. In einer Meinungsumfrage eines TV-Senders über die angesehensten Institutionen des Landes kam das Königshaus auf den letzten Platz.

Royale Experten glauben, dass diese durch Juan Carlos ausgelöste Krise noch schlimmere Folgen für das Ansehen des Hofes haben könnte, als die Verurteilung des korrupten königlichen Schwiegersohns Iñaki Urdangarin. Der Mann von Prinzessin Cristina, Felipes Schwester, sitzt wegen unsauberer Geschäfte hinter Gittern. Urdangarin war 2017 wegen Korruption und Steuerbetrugs zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. Droht nun Juan Carlos ein ähnliches Schicksal?

Urdangarin hatte, den Ermittlungen zufolge, von 2004 bis 2006 seinen Einfluss als Mitglied des Königshauses ausgenutzt, um Aufträge für seine Consulting-Firma zu erhalten und um sich öffentliche Millionengelder zu erschleichen. Die Einnahmen schleuste er über Briefkastenfirmen in Panama und anderen Finanzparadiesen am Fiskus vorbei. Schon damals fiel ein großer Schatten auf Juan Carlos, der Zeugenaussagen zufolge von diesen krummen Geschäften gewusst und sogar dabei mitgemischt haben soll.

Fragwürdige Geschäfte

Doch Juan Carlos blieb von der Justiz unbehelligt. Die fragwürdigen Amigo-Geschäfte des alten Königs waren viele Jahre ein Tabu ein Spanien. Genauso wie seine Geliebten, mit denen er seine Ehefrau, Königin Sofía, betrog. Dies änderte sich, nachdem eine seiner letzten außerehelichen Eroberungen zu plaudern begann: Die deutsche Geschäftsfrau Corinna zu Sayn-Wittgenstein berichtete 2015 einem hohen spanischen Polizeioffizier, der das vertrauliche Gespräch heimlich aufnahm, dass Juan Carlos in der Schweiz Millionen versteckt habe. Auch, dass der König über Strohmänner undurchsichtige Finanzoperationen getätigt habe, die man als Geldwäsche bezeichnen könne. Und dass er für die Vermittlung eines Milliardengeschäftes zwischen der spanischen Industrie und Saudi-Arabien eine millionenschwere Kommission kassiert habe.

Nun prüft die Staatsanwaltschaft, ob Juan Carlos angeklagt wird. Das ist im Fall des früheren königlichen Staatschefs nicht so einfach, denn in der Verfassung steht: „Die Person des Königs ist unantastbar.“ Der König kann nur für Handlungen nach seiner Abdankung im Juni 2014 strafrechtlich verfolgt werden. Falls Juan Carlos nach seinem Abtritt ausländische Konten benutzte, um Geld vor dem Finanzamt zu verstecken, wäre eine Anklage kaum vermeidbar. Ralph Schulze

Jetzt neu: Wir schenken Ihnen 4 Wochen Tagesspiegel Plus!