Verunglückte Profi-Kletterer : „Das waren die Besten der Besten“

David Lama, Hansjörg Auer und Jess Roskelley werden in den kanadischen Rocky Mountains vermisst. Wahrscheinlich wurden sie von einer Lawine verschüttet.

Claudia Seiring
David Lama bei einer Bergbesteigung im österreichischen Stubaital im Januar 2018.
David Lama bei einer Bergbesteigung im österreichischen Stubaital im Januar 2018.Foto: Manuel Ferrigato/Red Bull Content Pool

Die drei Weltklasse- Kletterer David Lama (28), Hansjörg Auer (35) und Jess Roskelley (36) sind vermutlich nach einem Lawinenunglück in den kanadischen Rocky Mountains gestorben. Die Behörden in Kanada vermuten, dass die beiden Österreicher und der US-Amerikaner nicht mehr lebend gefunden werden. „Angesichts der Erkundungen vor Ort muss man davon ausgehen, dass alle drei Mitglieder der Gruppe tot sind“, erklärte die Nationalparkverwaltung.

Lamas Eltern schrieben am Freitag auf dessen Webseite und auf seinem Instagram-Account, dass die Menschen ihren Sohn „mit seiner Lebensfreude, seiner Tatkräftigkeit und mit Blick Richtung seiner geliebten Berge in Erinnerung“ behalten sollten. „David lebte für die Berge und seine Leidenschaft für das Klettern und Bergsteigen hat uns als Familie geprägt und begleitet.“ Er selber hatte sich in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" als „emotionalen Typen bezeichnet und gesagt: „Für mich ist es mit meiner Bergleidenschaft so, wie wenn man sich in eine Frau verliebt, da kann ich auch nicht die Gründe akribisch aufzählen, das ist Gefühlssache.“

Wie die Outdoor-Bekleidungsmarke The North Face mitteilte, werden Lama, Auer und Roskelley seit Mittwoch vermisst. Es sei davon auszugehen, dass sie am Dienstag von einer Lawine verschüttet wurden, erklärte der Sponsor der Extremsportler. Laut den kanadischen Behörden wollten die Kletterer den 3295Meter hohen Berg Howse Peak im Nationalpark Banff über eine schwierige Route an der Ostseite besteigen.

Nachdem die Sportler vermisst gemeldet worden waren, untersuchten Rettungskräfte die Gegend aus der Luft und konnten dabei Anzeichen für mehrere Lawinenabgänge feststellen. Im Geröll wurde demnach zudem Bergsteiger-Ausrüstung gesichtet. Weitere Untersuchungen sind derzeit wegen der erhöhten Lawinengefahr und schlechter Wetterbedingungen nicht möglich.

David Lama galt als Ausnahmetalent

Vor allem der Tiroler David Lama galt in der Kletterszene als Ausnahmetalent. Lama wurde zweimal Jugend-Weltmeister und gewann mit 16 bereits Vorstieg- und Boulder-Weltcups. 2009 sicherte er sich WM-Bronze im Vorstieg. Danach widmete er sich komplizierten Besteigungen verschiedenster Berge. Im Oktober 2018 gelang ihm die Erstbesteigung des etwa 6900 Meter hohen Lunag Ri in Nepal über den Westpfeiler. Hansjörg Auer machte vor allem auf sich aufmerksam, weil er komplizierte Routen ohne jede Sicherung kletterte. Auch ihm gelangen zudem einige Erstbegehungen.

Hansjörg Auer war vor allem durch seine Free-Solo-Klettertouren bekannt geworden. Dabei wird eine Route im Alleingang und unter Verzicht auf technische Hilfs- und Sicherungsmittel begangen. Vor einem Jahr hatte der 35-Jährige bei Markus Lanz im ZDF über seine Leidenschaft und deren Risiken berichtet. Auf seiner Facebook-Seite war Auer zuletzt am Sonntag aktiv. Zu einem Foto von einem großen Vogel schrieb er „#CanadianRockies #NeverStopExploring“ (Höre nie auf, zu entdecken). Auch die Aktivitäten von David Lama und Jess Roskelley auf ihren Instagram-Accounts, denen tausende Menschen weltweit folgen, liegen mehrere Tage zurück. Zu sehen sind bei beiden atemberaubende Fotos aus den Rocky Mountains.

Am Freitag zeigten sich sowohl bekannte Bergsteiger als auch österreichische Politiker betroffen von dem Lawinenunglück. „Meine Gedanken sind in dieser schweren Zeit bei der Familie und den Freunden der beiden jungen Tiroler“, twitterte Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen. Auch Bundeskanzler Sebastian Kurz schrieb in dem Kurznachrichtendienst: „David Lama und Hansjörg Auer haben in den vergangenen Jahren mit einer Vielzahl von Erfolgen die internationale Kletter- und Alpinszene geprägt.

Meine Gedanken sind bei den Familien und Freunden der beiden Tiroler“. „Es ist ein sehr schlimmes Unglück, schrecklich“, sagte Bergsteigerlegende Reinhold Messner der österreichischen Nachrichtenagentur APA. Bergsteiger Peter Habeler bezeichnete Lama als „Ikone“. „Das waren die Besten der Besten. Überflieger im positiven Sinne.“ (mit dpa)

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