Nach Kritik aus der LGBT-Community : CSD Berlin kippt sein Motto

"Wie peinlich!": Für sein Motto erntete der Berliner CSD heftige Kritik. Nun sollen andere Vorschläge gesucht und noch einmal neu abgestimmt werden.

Der CSD in Berlin im Jahr 2018.
Der CSD in Berlin im Jahr 2018.Foto: imago/Emmanuele Contini

 "Queer sind Berlin – JEMEINSAM" – so sollte das Motto des 41. Berliner Christopher Street Day 2019 lauten. Dafür erntetet das CSD- Forum viel Häme, auch auf unserer Queerspiegel-Facebook-Seite. "Klingt als ob jemand beim Scrabble - auf Teufel komm´ raus! - unbedingt auf 100 Punkte kommen wollte! Dieses Motto kann man(n)/frau sich noch nicht mal schönsaufen!", schrieb da etwa ein User. Und ein anderer kommentierte: "Wie peinlich. Tritt dann Anita Kupsch auf oder Harald Juhnke?"

Wieder andere wiesen darauf hin, dass im Jahr 2019 der Stonewall-Aufstand ein rundes Jubiläum feiert - und das Motto dieser politischen Dimension kaum gerecht werde. Vor 50 Jahren protestierten Homo- und Transsexuelle in der New Yorker Christopher Street nach einer Polizeirazzia in der queeren Kneipe "Stonewall Inn" erstmals massiv gegen diese Razzien: die Geburtsstunde der modernen homosexuellen Emanzipationsbewegung, an die der CSD schon in seinem Namen erinnert.

Ein Beschluss des CSD-Forums nach langer Diskussion

Nach einer langen Diskussion beschloss das Berliner CSD-Forum nun am Mittwochabend mit einer Zweidrittelmehrheit, das Motto erneut zur Diskussion zu stellen. Für CSD-Sprecherin Karina Thinius ist das "ein ganz normales Prozedere". Einen großen, internen Streit oder gar ein Zerwürfnis des CSD-Bündnisses habe es hingegen nicht gegeben.

Man habe vielmehr, so der CSD-Vorstand, "die in der Community entstandene Dynamik" aufgegriffen: "Wir setzen auf die offene Diskussion im Forum, um mit einem Motto zu demonstrieren, mit dem sich möglichst viele Teilnehmer identifizieren können.“

Es soll "zeitnah" neu abgestimmt werden

Wie genau der Mottofindungsprozess nun weitergeht, ist zur Stunde noch offen. Klar ist aber: Wer sich über die Namensgebung hinaus in die Gestaltung des Berliner Gay Pride einbringen möchte, ist herzlich dazu eingeladen. Etwa in den drei Arbeitsgruppen, die die inhaltlichen Forderungen auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene erarbeiten. Interessierte können sich per Mail anmelden.

Auf jeden Fall soll "zeitnah" erneut über das Motto abgestimmt werden, heißt es. Zur Wahl sollen dann neue Vorschläge stehen, aber auch die alten. Ganz theoretisch könnte dann also sogar das "Jemeinsam"-Motto wiedergewählt werden.

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