Pro7-Show "Queen of Drags" : Das sind Heidi Klums Drag Queens

Am Donnerstag startet die umstrittene Drag-Queen-Show von Heidi Klum. Wir stellen die zehn Kandidatinnen vor - es sind auch zwei aus Berlin dabei.

Inga Hofmann
Die zehn Kandidatinnen für "Queen of Drags" auf einen Blick.
Die zehn Kandidatinnen für "Queen of Drags" auf einen Blick.Foto: Pro Sieben

In den USA ist es eine der erfolgreichsten Castingshows: „Ru Paul’s Drag Race“. Darin konkurrieren Drag Queens darum, wer die Beste unter den Königinnen ist. Das von der Drag-Übermutter Ru Paul grandios präsentierte Spektakel dekonstruiert Geschlechterrollen und wird wie kaum ein zweites von einem Massenpublikum gesehenes TV-Format aus einem dezidiert queeren Blick gemacht.

Elf Jahre, nachdem die Show in USA zum ersten Mal gezeigt wurde, geht nun am kommenden Donnerstag erstmals ein ähnliches Castingformat in Deutschland auf Sendung. „Queen of Drags“ (Pro 7) sucht die beste Drag Queen im deutschsprachigen Raum.

Die Ankündigung der Show löste in Deutschland indes Proteste in der queeren Community aus. Denn anders als das US-Vorbild wird "Queen of Drags" nicht von einer Drag Queen präsentiert - sondern von Model Heidi Klum, bestens bekannt als strenge Moderatorin von "Germany's Next Top Model".

Dass ausgerechnet eine weiße cis-Frau ein Format präsentieren soll, das seine Wurzeln in der schwarzen Ballroom-Kultur hat und überdies für queere Selbstermächtigung steht, leuchtete nur wenigen ein.

Heidi Klum soll nicht alleine entscheiden

Pro 7 hat bereits versprochen, dass - anders als in den USA - Klum als Host nicht allein entscheiden soll, wer die Show Woche für Woche verlassen muss, sondern die vierköpfige Jury das gemeinsam tut. In der Jury sitzen neben Klum die österreichische Drag Queen und Eurovision-Song-Contest-Gewinnerin Conchita Wurst, Tokio-Hotel Sänger Bill Kaulitz sowie ein prominenter Gast. In der ersten Woche ist das die deutsche Drag-Ikone Olivia Jones.

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Wie gleichberechtigt die Jury-Mitglieder dann wirklich sind, wird sich noch zeigen müssen: Im Trailer ist es jedenfalls dennoch Klum, die überwiegend zu Wort kommt. Womöglich wird sich in der Show auch klären, woher der seltsame Plural "Drags" im Titel der Sendung stammt. Im Englischen ist das jedenfalls unbekannt.

Wen erwarten die Zuschauer*innen? Hier schon mal die Queens im Überblick:

Aria Addams

Aria Adams.
Aria Adams.Foto: promo

Vor drei Jahren wurde Aria durch eine Travestieshow inspiriert und macht seitdem selber Drag. Ihr Name leitet sich ab von „Aria Stark“ aus „Game of Thrones“ und Morticia Addams aus der „Addams Family“. Ein konkretes Vorbild habe sie nicht: „Wir werden heutzutage ständig mit Eindrücken bombardiert, da ist es schwer, eine genaue Inspirationsquelle festzumachen“, sagt die Queen, die sich auf Instagram selber als „Tragödie im Abendkleid“ bezeichnet.

In der Show wolle sie vor allem durch ihre vielen Facetten punkten: „Ich bin zwar kein Meister in jedem Fach, aber kann von allem etwas.“

Bambi Mercury

Bambi Mercury.
Bambi Mercury.Foto: promo

Schon im Kindergarten entdeckte Bambi ihre Faszination für Verwandlung. Damals habe sie sich zum Fasching als Rotkäppchen verkleidet. Ihren Spitznamen „Bambi“ verdanke sie ihren braunen Augen und der Name „Mercury“ sei eine Ode an Queen-Sänger Freddie Mercury.

Bambi beschreibt ihren Drag als besonders individuell. Das liege auch daran, dass sie ihren Bart in die Looks integriere. Die Castingshow zu gewinnen sei nicht ihr oberstes Ziel: „Ich möchte meine Stimme auf einer großen Plattform nutzen und Menschen dort draußen zum Nachdenken anregen.“

Catherrine  Leclery

Catherrine Lecerly
Catherrine LecerlyFoto: promo

Catherrine ist mit Sicherheit die erfahrenste unter den Queens: Bereits seit 30 Jahren macht sie Drag. Das sieht sie auch als ihren Vorteil: „Mich unterscheidet von den anderen Drag Queens, dass ich die älteste und erfahrenste von allen bin“.

Ihr Name setzt sich zusammen aus ihrer Oma Anna Catharina und Regina Leclery, die sie als „elegant“ und „High-Society“ beschreibt. Besonders „Black Divas“ wie Whitney Houston, Naomi Campbell und Oprah Winfrey würden sie inspirieren. „Die sind alle black, stark, schön, elegant und besonderes. Und genau so ist meine Drag.“

Yoncé Banks

Yoncé Banks.
Yoncé Banks.Foto: promo

Wie ihr Name bereits verrät, inspiriert vor allem Sängerin Beyoncé die 27-jährige Queen. Der Nachname „Banks“ stamme von einer starken Frau namens Tyra Banks. Yoncé möchte gewinnen, um anderen Menschen mit ähnlichen Träumen Mut zu machen.

An Drag reize sie vor allem das Spiel mit den Geschlechtern: „Ich bin mit Absicht sehr sexuell, provokant und leicht bekleidet in meiner Figur.“ Damit wolle sie zum Ausdruck bringen, dass Frauen tragen können was sie wollen. Nur weil sich jemand sexy  anziehe, dürfe die Person nicht angefasst, belästigt oder als billig abgestempelt werden. „Wir werden alle nackt geboren – The rest is fashion, Darling!“, sagt sie in Anspielung auf das berühmte RuPaul-Zitat, dass wir alle nackt geboren werden und der Rest drag sei.

Candy Crush

Candy Crash.
Candy Crash.Foto: promo

Im Internet ist die Berliner Drag-Queen bereits ein Star: Stolze 34.000 Follower zählt Candy auf ihrem Youtube-Kanal „Süßigkeiten Unfall“, von dem sich auch ihr Drag Name ableitet. Dort gibt sie nicht nur Schminktipps, sondern leistet  LGBTQ-Aufklärungsarbeit. Ihre „langjährige Erfahrung im Medien Business“ sieht sie als Vorteil gegenüber den anderen Queens.

Zu ihren Vorbildern gehören Promis wie Verona Pooth und Kim Kardashian , aber auch Menschen, die gegen die Norm rebellieren wie Bill Kaulitz: „Sein Mut, als Teenager auf Geschlechterrollen zu pfeifen, hat mir geholfen zu mir selbst zu finden und mich darin bestärkt, die Person zu sein, die ich sein möchte“.

Katy Bähm

Katy Baehm.
Katy Baehm.Foto: promo

Die 26-Jährige macht seit vier Jahren Drag und ist mit über 60.000 Followern auf Instagram bereits ein Star. Auf die Idee mit ihrem Namen sei sie gekommen, als sie Katy Perry gehört habe. „Bähm“ sei einfach ein Trendwort, das sie zu diesem Zeitpunkt viel benutzt habe.

Zu ihren Vorbildern zählt nicht nur Katy Perry, sondern auch Sängerin Ariana Grande und LGBTIQ-Ikone Lady Gaga. Sich selbst beschreibt Katy als diejenige, die „ die Ausstrahlung hat, diesen Titel mit Würde zu präsentieren“. Sie arbeite besonders hart an ihrem Drag und würde es deshalb verdienen zu gewinnen.

Samantha Gold

Samantha Gold.
Samantha Gold.Foto: promo

Mit ihrer Teilnahme will Samantha, die sich selber als „Plus-Size-Queen“ beschreibt, auf Themen wie Bodyshaming und Body Positivity aufmerksam machen. Viele Menschen hätten ihr gesagt, dass sie eine schlecht Drag sei, weil sie „zu dick, zu pompös und zu divenhaft“ sei. Ihre Message: „Lebe einzigartig! Und mache immer, was du willst!“

Auf die Idee Drag zu machen, sei sie auf einer Mottoparty mit der Familie gekommen. Damals hätte ihr Opa sie darauf hingewiesen, dass sie als Frau „wahnsinnig gut aussähe“. Das habe ihr den Kick gegeben sich öfter zu verwandeln. Der Name Samantha stammt aus der Serie „Sex and the City“ und „Gold“ stehe für die extra Portion Glamour, die Samantha verkörpern will.

Vava Vilde

Vava Vilde.
Vava Vilde.Foto: promo

Vava ist durch ein Ehrenamt bei der AIDS-Hilfe in Stuttgart auf die Idee gekommen, Drag zu machen: „Durch Drag bin ich den Menschen aufgefallen und gleichzeitig war es durch diese ‚Rüstung‘ leichter, jeden Abend Fremde anzusprechen.“ Ihr Name leitet sich von dem Spruch „Vavavoom“ ab und „Vilde“ sei ein Wortwitz weil im Deutschen das englische „W“ meist falsch ausgesprochen werde.

Konkrete Vorbilder habe sie zwar nicht, aber ausgefallene Designs wie die von Iris Van Herpen und Alexander McQueen würden sie inspirieren. Ihren Vorteil gegenüber den anderen Queens sieht Vava in ihrer Performance: „Ich habe eine Chance zu gewinnen, da ich mich optisch, performancetechnisch und in meinen Referenzen als Sci-Fi Kreatur aus der Zukunft klar von den anderen abhebe“.

Hayden Kryze

Hayden Kryze.
Hayden Kryze.Foto: promo

Schon lange hatte die Schweizer Drag Queen das Bedürfnis, in eine Show-Persona zu schlüpfen. Deshalb fing sie 2018 mit Drag an und stand bei einem Drag-Wettbewerb in der Schweiz zum ersten Mal auf einer größeren Bühne: „Wenn ich mich in den Drag-Fummel schmeiße, ist das wie bei einem Superheld, der sich sein Cape überwirft.“

Auch Drag Queens hätten Superkräfte wie ihre „scharfe Zunge“ oder könnten die Plattform für politische Botschaften zu nutzen. Besonders starke Frauen wie ihre Mutter, die ihr immer vermittelten „Feminity is Strength“ hätten sie inspiriert. Ihr Name stehe für: „Jung, bunt und stark“. Auf Sozialen Netzwerken beschreibt sie sich als „The real swiss chocolate- The Original“.

Janisha Jones

Janisha Jones.
Janisha Jones.Foto: promo

Wenn es möglich wäre, dann wäre Janisha am liebsten die Tochter von Samantha Jones („Sex and the City“) und Grace Jones - daher auch ihr Nachname. Seit zwei Jahren macht sie Drag, dabei inspirieren sie vor allem die Drag Queens Michelle Williamson und Hungry.

In Drag fühlt Janisha sich stärker als sonst: „Meine Ängste gehen dann auf einmal weg.“ Mit ihrer Teilnahme möchte die Queen den Zuschauer*innen zeigen, dass Drag eine Kunst ist und eine breitere gesellschaftliche Akzeptanz für Homosexualität schaffen.

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