Trans am Arbeitsplatz : "Wenn es einen neuen Namen gibt, benutzt man den"

Respekt und kleine Signale: Wie Kolleg*innen eine trans Person im Betrieb unterstützen können. Ein Gespräch mit dem Autor und Coach Balian Buschbaum.

Früher Leistungsportler, heute Autor und Coach: Balian Buschbaum, geboren 1980 in Ulm.
Früher Leistungsportler, heute Autor und Coach: Balian Buschbaum, geboren 1980 in Ulm.Foto: Nadine Lange

Herr Buschbaum, wie können Unternehmen eine trans Person am Arbeitsplatz unterstützen?
Das wichtigste ist, miteinander zu kommunizieren. Es sollte zum Beispiel nicht zu einem unabgesprochenen Outing kommen, sondern eine gute Vorbereitung stattfinden. Dazu gehört optimalerweise eine Vertrauensperson, jemand der sich mit der Thematik auskennt. Diese Person kann dann auch beim Gespräch mit dem oder der Vorgesetzten helfen. Hinzu kommt, dass trans Menschen viele Anträge stellen und Gutachten einholen müssen. Das ist sehr zeitintensiv. Es wäre hilfreich, wenn das nicht als Urlaub deklariert werden müsste, sondern man von Unternehmensseite sagte: Wir unterstützen dich, denn wir wissen, dass du anschließend ein*e sehr produktive Mitarbeiter*in sein wirst.

Was können die direkten Büronachbar*innen tun?
Das sind ganz einfache Dinge: Wenn es einen neuen Namen gibt, benutzt man den sowie das entsprechende Personalpronomen. Dazu gehört auch, das Büroschild zu verändern und die E-Mailadresse. Das sind kleine Signale, die jeder senden kann. Dem Gegenüber wird damit Sicherheit vermittelt und das Gefühl, verstanden zu werden. Und wenn man Fragen hat, sollte man sich ein Herz fassen und einfach fragen.

Was raten Sie, wenn eine trans Person unsicher ist, wie sie sich im Kolleg*innenkreis outen soll?
Erstmal muss sich die Person selber sicher sein. Diese Klarheit gewinnt sie eher nicht am Arbeitsplatz, sondern im Gespräch mit Freund*innen, eine*r Psycholog*in oder einem Coach, der mit der Thematik vertraut ist. Man kann auch zum Hausarzt gehen, der zu einem Psychologen überweist. In Betrieben gibt es ebenfalls die Möglichkeit sich Hilfe zu holen. Professionelles Coaching zum Beispiel oder Bildungsurlaub einzureichen etc. 

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Gibt es auch Dinge, die ein Unternehmen tun kann, die über die direkte persönliche Ansprache der trans Person hinausgehen?
Man kann zum Beispiel vor dem Outing einer trans Person eine Veranstaltung organisieren, in der erklärt wird, was Vielfalt bedeutet und wie Transidentiät entsteht. Das hat oft den Effekt, dass die Leute verstehen, dass das jedem und jeder hätte passieren können. Je mehr Bewusstsein für die Thematik da ist, desto leichter fällt der Umgang mit ihr. Außerdem kann ein Betrieb sich auch räumlich besser auf diverse oder trans Mitarbeiter*innen einstellen.

Sie meinen Unisex-Toiletten?
Ja, eine solche Toilette sollte in jedem Gebäude vorhanden sein, gegebenenfalls auch Umkleiden. Zwar steht in den Stellenausschreibungen inzwischen schon m/w/d, männlich, weiblich, divers. Aber oft ist den Unternehmen nicht klar, dass sie für die diversen Menschen im Unternehmen auch etwas tun müssen. Toiletten gehören dazu. Sie sind für viele ohnehin momentan ein problematischer Ort. So trinken beispielsweise trans und inter Personen auf der Arbeit oft zu wenig. Das ist gesundheitsgefährdend. Ein Mensch muss wissen, auf welche Toilette er gehen kann – und wo er sicher ist.

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