Seekrankheit und das ein oder andere Übel.

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Ärzte auf See : Flaute im Wartezimmer

Der Arm war bei Arbeiten an einem Segel hoch über Deck aus dem Schultergelenk gesprungen und der Mann stand noch  auf einer der Rahen. Zuerst wurde der Arm  an den Körper angebunden, Mannschaftskameraden bildeten dann eine Art menschlichen Rettungskorb um den Verletzten, und geleiteten ihn langsam nach unten. Dort wurde der Arm – nach Verabreichung schmerzstillender Medikamente – wieder eingekugelt. Im Notfall können auch die Offiziere eines Schiffes Erste Hilfe leisten. Sie werden dafür ausgebildet.

 Einmal im Jahr gehen die Ärzte, die auf „Sea-Cloud“-Schiffen als Schiffsärzte fahren, auf eine Fortbildung. Hier geht es dann zum Beispiel um Hauterscheinungen in den Tropen oder um Bakterien im Wasser, die Erkrankungen hervorrufen können. Eine große Rolle spielten zuletzt kulturelle Unterschiede. Asiaten etwa würden Ärzten nie direkt ins Gesicht sagen, wenn eine Medizin nicht anschlage. Hier helfe nur das richtige Nachfragen, sagt Aßmann. Außerdem finden  an Bord in schöner Regelmäßigkeit Rettungsübungen zum Abbergen von Patienten statt.

 Was ist das Schlimmste, was Schiffsärzten passieren kann? „Alles, was infektiös ist“, sagt Aßmanns Co-Mediziner und Partner Heiko Bienengräber. Er ist in Flensburg aufgewachsen und lernte zunächst Segelmacher. Seine Stelle als Oberarzt in Göppingen hat er vor vier Jahren gekündigt und arbeitet jetzt als selbstständiger Honorararzt, der von Kliniken als Vertretung angeheuert werden kann. Wie seine Freundin ist der 47-Jährige in der Notfallmedizin als Kardioanästhesist zuhause.

Ansteckungen an Bord sind beiden ein Gräuel. Wie auch den Patienten. Die wollen ihre Zeit gesund erleben. Dafür haben sie schließlich bezahlt. Zur Behandlung von Virusarten mit schweren Krankheitsverläufen gibt es Notfallpläne mit Quarantänevorschriften. In den anderen Fällen versuchen die Schiffsärzte, die Reisenden mit Antibiotika schnell wieder fit zu machen. Damit kein Urlaubstag verloren geht. Und gegen Seekrankheit sind ja Gott-sei-Dank inzwischen Kräuter gewachsen. Bei mancher Wettervorhersage, würden die beiden Schiffsärzte ihren Reisenden am liebsten schon einmal prophylaktisch etwas in die Suppe tun. Aber das haben sie sich bisher noch nicht getraut. 

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