Im Badezimmer ließ es Louis Armstrong richtig krachen

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USA : Komm doch mal rüber

Straßenverkäufer unter der Hochbahn.
Straßenverkäufer unter der Hochbahn.Foto: Alamy

An der 74. Straße liegt Little India, in Astoria wohnen die Griechen, hier die philippinische Nationalbank, dort das ecuadorianische Generalkonsulat, dazwischen riesige Waschsalons, Autowerkstätten, Kleinbürgeridyllen und an jeder Ecke ein Reisebüro. In den Supermärkten sind Chocolate Chip Cookies die Exoten.

Schon zweimal war Queens der Nabel der Welt: Als 1939 und 1964 hier die Weltausstellung stattfand, auf dem Gelände des heutigen Flushing Meadows Corona Park, mit dem vor einigen Jahren erweiterten Queens Museum. Mit der U-Bahn Nummer 7 kommt man auch nach Corona, wo Louis Armstrong einst lebte – wie andere schwarze Jazzmusiker fühlte er sich wohl in dem bunten Bezirk, in dem seine vierte Frau Lucille aufgewachsen war.

Hier lebten die beiden in einem kleinen roten Backsteinhaus, in dem alles noch so ist, wie es mal war, vollgestopft mit venezianischen Gondeln und Heiligenfigürchen, das glamouröse Bad, der einzige Raum, in dem der lebenslustige King of Jazz es in Sachen Luxus richtig krachen ließ. Das Armstrong-Museum ist so zauberhaft wie unbekannt.

Queens ist in manchem so, wie Manhattan mal war

Wer sich in Queens niederlässt, muss mit Enttäuschungen rechnen. Man hat, außer am East River, nicht das Instant-New York-Wow-Gefühl, wenn man aus dem Haus tritt. Keine Wolkenkratzer, keine Brownstones, nicht mal die Taxis sind so, wie man sie kennt, knallgelb, sondern blassgrün. Ansonsten viel architektonisches Kuddelmuddel. Aber gerade das macht auch den Charme von Queens aus: dass es noch nicht so glattgebügelt ist.

„Greater New York“ heißt die aktuelle Ausstellung im P.S.1, das sich mit der Sehnsucht nach dem alten New York auseinandersetzt, das so viel wilder, rauer, offener, schillernder war. Queens ist in manchem so, wie Manhattan mal war.

Auch wer sich nicht hier einquartiert, wo die Designhotelzimmer im Schnitt 150 Dollar günstiger sind als in Manhattan, für den lohnt sich ein Ausflug. Und sei es, um sich zu erholen von den Touristenmassen.

Mit allen Sinnen erholt, kann man sich wieder ins New Yorker Getümmel stürzen

Um sich mal nicht, wie durchs MoMA oder über die High Line wie zur Rush Hour schieben zu lassen. Hier hat man Luft: zu atmen, Weltklasse-Kunst ganz in Ruhe zu betrachten, wie in den hellen Räumen des Fisher Landau Centers – und das ohne zu zahlen, der Eintritt ist frei.

Oder um sich in den Garten des Isamu-Noguchi-Museums zu setzen, zwischen Bambus und Bäumen, die Skulpturen des japanisch-amerikanischen Bildhauers zu betrachten, vielleicht noch eine seiner zarten Papierleuchten zu kaufen. Mit allen Sinnen erholt, kann man sich wieder ins New Yorker Getümmel stürzen.

 

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