"Ein wunderbarer Mensch", sagt die Putzfrau.

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Ukraine : Palast der Republik
Das Bad: Jedes Detail der Residenz ist aus hochwertigem Material, bis hin zu den Toiletten.
Das Bad: Jedes Detail der Residenz ist aus hochwertigem Material, bis hin zu den Toiletten.Foto: AFP

Nach dem Machtwechsel in der Ukraine überführte die Staatsanwaltschaft das Gelände wieder zurück in Staatsbesitz, mit Ausnahme des Wohnhauses, das technisch nach wie vor Janukowitsch gehört. Wer seitdem hier das Sagen hat, ist unklar.

Ein bulliger Mittvierziger namens Denis Tarachkotelik stellt sich als „Kommandant“ des Grundstücks vor, er gehört zu den Maidan-Aktivisten, die Meschyhirja am Tag nach Janukowitschs Flucht besetzten. Seitdem, sagt Tarachkotelik, warte er eigentlich darauf, dass die Regierung ihm die Verwaltung abnehme. Aber die habe offenbar keinen Plan, was sie mit dem Anwesen anstellen solle. Und eigentlich, das merkt man Tarachkotelik im Gespräch schnell an, gefällt er sich selbst auch ganz gut in der Kommandantenrolle.

Er und sein rund 150-köpfiger Verwaltungsstab kassieren von den Besuchern Eintrittsgelder, 20 Hrywnja kostet die Visite, etwas mehr als einen Euro. Von den Einnahmen werden die laufenden Kosten finanziert, der Großteil geht an Janukowitschs ehemalige Angestellte, von denen viele noch immer das Gelände pflegen.

Im Inneren des Wohnhauses staubt eine ältere Putzfrau Porzellanfigurinen ab. Wie er gewesen sei, ihr ehemaliger Arbeitgeber? Die Frau zögert mit der Antwort, sie wirkt unsicher. „Ein wunderbarer Mensch“, sagt sie dann. „Sehen Sie sich diese Schönheit hier an, das ist alles ihm zu verdanken.“ Mehr will sie lieber nicht sagen. „Was soll ich erzählen? Ich bin nur ein einfacher Mensch.“

Es sind sehr gegensätzliche Charaktere, die in Meschyhirja aufeinandertreffen, und wer mit ihnen spricht, merkt schnell, wie zerrissen das Land noch immer in seiner Beurteilung der jüngsten Ereignisse ist. Petro Olyjnyk, ein Mann mit irrlichternden Augen und wirrem Redefluss, ist in Janukowitschs Wohnhaus für Besucherführungen zuständig, auch er gehört zu den ehemaligen Maidan-Aktivisten. Für den geflohenen Präsidenten hat er kein gutes Wort übrig, aber genauso wenig gefallen ihm dessen Nachfolger in der heutigen Regierung, die Olyjnyk für kaum weniger korrupt hält. „Wir hätten ein paar von denen auf dem Maidan aufhängen sollen“, sagt er. „Zur Abschreckung.“

Eingehüllt in eine schwarz-rote Flagge, es sind die Farben der ukrainischen UPA-Bewegung, einer nationalistischen Partisanentruppe der Weltkriegsära, führt der wütende Olyjnyk durch das 2600-Quadratmeter-Anwesen, vorbei an ausgestopften Löwen, kitschigen Gemälden, polierten Ritterrüstungen, tonnenschweren Kronleuchtern.

Mehrere hundert Millionen Dollar soll Janukowitsch in die Ausstattung des Hauses investiert haben. Es gibt einen Fitnesskomplex mit eigenem Boxring, einen Kosmetiksalon mit Sauerstoffliegen, Kältekammer, Solarium und Salzgrotte, eine Bibliothek mit historischer Literatur in Originalausgaben, einen inhäusigen Tennisplatz, Dutzende von Toiletten mit goldverzierten Armaturen, eine historische Riesen-Spieluhr, gigantische Flachbildfernseher in fast jedem Raum.

Es ist ein Reichtum, der schwer zu fassen ist in einem Land, das zu den ärmsten in Europa gehört. Sollten Janukowitsch angesichts seiner eigenen Maßlosigkeit je Skrupel befallen haben, stand ihm zur Erleichterung seines Gewissens eine russisch-orthodoxe Privatkapelle zur Verfügung, im dritten Stock, mit ganzflächig ausgemalter und goldbeschlagener Ikonenwand.

Draußen, vor der Vogelvoliere des geländeeigenen Zoos, bestaunt eine vierköpfige Familie die Strauße. Die Westukrainer sind mit dem Nachtzug angereist, aus ihrer 600 Kilometer entfernten Heimatstadt, Frau Sokolowa hat ihrem Mann den Ausflug zum Geburtstag geschenkt. „Man muss das einfach gesehen haben“, sagt sie, „sonst glaubt man es nicht.“

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