Bauarbeiten in Mitte : Der Weg zur Philharmonie wird zum Parcours

Für die Bauarbeiten rund um die Philharmonie haben viele Klassikliebhaber kein Verständnis mehr. Warum sind die Straßen immer noch abgesperrt? Eine Kolumne.

Hier war noch alles frei. Blick vom Turm der Matthäus-Kirche auf das Areal in Mitte im November 2018.
Hier war noch alles frei. Blick vom Turm der Matthäus-Kirche auf das Areal in Mitte im November 2018.Foto: Lichtschwärmer/dpa

Im Prinzip sind Klassikliebhaber geduldige Menschen: Konzentriert 90 Minuten lang einer Sinfonie von Gustav Mahler zu lauschen, ist für sie kein Problem. Was jedoch die Bauarbeiten rund um die Philharmonie betrifft, haben viele der Fans langsam kein Verständnis mehr. Seit Wochen ist die sanierte Karajanstraße fertig – doch die Absperrung wird einfach nicht abgebaut. Stattdessen ist seit Dienstag jetzt auch noch der andere Zugang zum Kulturforum versperrt, nämlich die Scharounstraße. Wer sich von Süden oder Westen nähert, erreicht sein Ziel nur, indem er sich durch lange Gitter-Gänge zwängt, über extrem unebenes Gelände hinweg.

Da kann man sich noch so oft vorbeten, wie wunderbar hier bald alles sein wird, dass es ja darum geht, den Fußgängern und Fahrradfahrern rund um die Philharmonie mehr Freiraum zu schaffen, und dass alle über den neuen Scharounplatz vor dem Kammermusiksaal froh sein werden, wenn erst einmal die Bauarbeiten für das Museum der Moderne von Herzog und de Meuron begonnen haben. Und doch: Wird der Weg zum Konzert zum Hindernislauf, dann regt das auf.

Schuld ist das Bezirksamt Mitte

Schuld ist in diesem Fall allerdings nicht Grün Berlin, der landeseigene Betrieb, der für die Verbesserungsmaßnahmen am Kulturforum zuständig ist, sondern das Bezirksamt Mitte. Das nämlich muss die neue, auf zwei Fahrspuren verengte Karajanstraße erst offiziell freigeben, bevor der Bauzaun fällt. Doch dieses Genehmigungsverfahren zieht sich, aus irgendwelchen, für den Laien nicht zu durchschauenden, formalen Gründen.

Äußerst ärgerlich, denn wenn die Zufahrt von der Tiergartenstraße endlich offen ist, können dort wieder Menschen mit Gehbehinderung abgesetzt werden, dürfen die Taxis und Reisebusse ihre Gäste vor der Tür herauslassen.

Dass Grün Berlin trotz der Säumigkeit der bezirklichen Sachbearbeiter damit angefangen hat, den Asphalt der Scharounstraße aufzureißen, geht in Ordnung. Denn die Stadtplaner wollen ja ihren Zeitplan einhalten. Und der sieht vor, dass die Arbeiten bis zum Amtsantritt von Kirill Petrenko weitgehend abgeschlossen sind. Der neue Chefdirigent der Philharmoniker wird sein Einstandskonzert am 25. August geben.

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