Chinesische Architektin Xu Tiantian : Das Teehaus im Dorf lassen

Xu Tiantian ist die erste chinesische Architektin, die ein eigenes Büro ohne männlichen Partner eröffnet hat. Die Galerie Aedes präsentiert ihre Bauten.

Gut behütet. Die Brücke von Shimen mit der neuen Holzkonstruktion.
Gut behütet. Die Brücke von Shimen mit der neuen Holzkonstruktion.Foto: Aedes

Chinas Landbevölkerung, so hat es den Anschein, besteht hauptsächlich aus Wanderarbeitern, die in den boomenden Megastädten ein prekäres Auskommen finden. Doch das ländliche China wird durchaus nicht vernachlässigt. In ihrer Architekturgalerie Aedes treten Kristin Feireiss und Hans-Jürgen Commerell zumindest einen punktuellen Gegenbeweis an. Im Landkreis Songyang, sieben Autostunden südwestlich von Schanghai, haben sie die Projekte der Architektin Xu Tiantian entdeckt, die mit ihrem Büro DnA–Design and Architecture den dörflichen Strukturen neue Zusammenhalte durch Gebautes gegeben hat.

Bei Aedes am Pfefferberg werden sechs dieser Interventionen vorgestellt, jeweils in einem Großmodell des betreffenden Gebäudes, einem kleinmaßstäblichen Modell des dörflichen Umfeldes sowie einem Film, der die Nutzung des Bauwerks zeigt – und lachende Gesichter derer, die dort Arbeit gefunden haben. Xu Tiantian, die unter anderem im kosmopolitischen Büro OMA von Rem Koolhaas in Rotterdam Erfahrungen gesammelt hat, ist die erste chinesische Architektin, die ein eigenes Büro ohne männlichen Partner eröffnet hat – in Peking, tausende Kilometer entfernt.

Teehaus aus schwarz gefärbtem Beton

In Songyang hat sie binnen zweier Jahre unter anderem eine Zuckermanufaktur, ein Teehaus, ein Museum und eine Gedächtnishalle gebaut, dazu binnen einer Woche aus Bambusstäben ein „Theater“ in Form einer luftigen Kuppel zusammenbinden lassen. Jedes Bauwerk fügt sich in die gegebene Struktur; man baut, wo eben Platz ist. Dass bei der Gedächtnishalle für Wang Jing, einen Gelehrten der Ming-Zeit des 14. Jahrhunderts, die Seitenwände aus Stampflehm errichtet wurden, erfüllt den pädagogischen Zweck, das traditionelle Handwerk in seinem Nutzen sichtbar zu machen.

Aus schwarz gefärbtem Beton besteht konstruktiv das Teehaus, das Xu Tiantian an einem künstlichen Teich errichten ließ. Der Garten, kiesbelegt und mit einem einzelnen Baum akzentuiert, lässt an japanische Zen-Gärten denken. Die bereits wacklige, für den Autoverkehr gesperrte Brücke von Shimen überdeckte die Architektin mit einem hölzernen Satteldach, wobei der mittlere Bogen nun als kleiner Marktplatz dient – für die Dörfer beidseits des Flusses. – Zwei neue Projekte der einfallsreichen Architektin werden übrigens ab Mai bei der Biennale von Venedig gezeigt.

Christinenstr. 18–19 (Pfefferberg), bis 7. Juni. Katalog 10 €. Infos: www.ancb.de

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