Comic-Serie „Gung Ho“ : Monster, Models, Metzeleien

Der Endzeit-Action-Comic „Gung Ho“ besticht neben der spannenden Story durch eine ausgefeilte Optik - hier liegt aber auch das Hauptproblem der Reihe.

Auf den Spuren von Russ Meyer: Eine Seite aus dem aktuellen dritten Band.
Auf den Spuren von Russ Meyer: Eine Seite aus dem aktuellen dritten Band.Foto: Cross Cult

Sie waren die großen Gewinner der Preisverleihung. Gleich vier Rudolph-Dirks-Awards bekamen Benjamin von Eckartsberg und Thomas von Kummant im Dezember auf der German Comic Con Dortmund für ihre Endzeit-Action-Serie „Gung Ho“. Und das mit gutem Grund: Die in der nahen Zukunft angesiedelte postapokalyptische Story des bayrischen Comic-Duos kann sich sehen lassen, auch im internationalen Vergleich.

„Gung Ho“ erzählt von einem Dorf im Ausnahmezustand. Nur eine schwer bewachte Mauer schützt die 400 Bewohner der Siedlung Nr. 16 vor der „Weißen Plage“: Mörderische Raubtiere, Reißer genannt, die ganz Europa in den Ausnahmezustand versetzt haben. Als die aufsässigen Waisen-Brüder Zack und Archer in die Siedlung kommen, gerät die fragile soziale Ordnung durcheinander.

Selten hat die Postapokalypse so gut ausgesehen

Die zuerst in Frankreich veröffentlichte Reihe, von der bislang drei Alben vorliegen und die es 2014 auch unter die Sieger der Tagesspiegel-Wahl der besten Comics des Jahres schaffte, besticht vor allem durch ihre Optik: Thomas von Kummants digital collagierte Zeichnungen mit hellen Farben und ausgefeilten Lichteffekten vermitteln einen plastischen Look, der an Animationsfilme erinnert. Selten hat die Postapokalypse so gut ausgesehen.

Leben und sterben lassen: Eine Szene aus dem dritten Band von "Gung Ho".
Leben und sterben lassen: Eine Szene aus dem dritten Band von "Gung Ho".Foto: Cross Cult

Hier liegt allerdings auch das Hauptproblem der Reihe: Die Kulissen und vor allem die Figuren sind dermaßen auf Hochglanz getrimmt, dass man die existenzielle Bedrohung, die über allem liegt, in vielen Szenen nicht wirklich ernst nehmen kann.

Vor allem die im Zentrum der Handlung stehenden Teenager, die sich wie in einem Ferienlager benehmen und oft leicht bekleidet und vor allem im Fall der weiblichen Figuren in aufreizenden Posen zu sehen sind, scheinen mit ihren makellos-mageren Modelkörpern direkt aus einem Bacardi-Werbespot zu kommen.

Langes Warten auf den nächsten Band

Dabei haben die beiden Autoren eine gehaltvolle Story zu erzählen, die derartige Oberflächenreize eigentlich nicht nötig hätte. Die Ankunft der beiden ungleichen Brüder setzt in der Siedlung eine enorme Dynamik in Gang, bei der Themen wie Korruption, Machtmissbrauch, Autoritätskonflikte, Konkurrenz und Eifersucht verhandelt werden. Dazwischen gibt es immer wieder viel Zeit für komplizierte Teenager-Romantik – bis zum nächsten blutigen Kampf mit den Reißern.

Wird fortgesetzt: Das Cover des aktuellen dritten Bandes.
Wird fortgesetzt: Das Cover des aktuellen dritten Bandes.Foto: Cross Cult

Das ist von Benjamin von Eckartsberg hochspannend und mit geschickt konstruierten Cliffhangern erzählt. Leser, die auf den Geschmack gekommen sind, müssen sich nach der dramatischen Wendung, mit der Band 3 endet, allerdings erstmal in Geduld üben: Band vier der auf fünf Bände angelegte Reihe ist erst für 2019 angekündigt.

Thomas von Kummant, Benjamin von Eckartsberg: Gung Ho, Cross Cult, bislang 3 Bände, je 80 Seiten, je 22/25 Euro, Vorzugsausgabe mit Bonusmaterial 35/40 Euro.

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