„The Umbrella Academy“ : Superhelden mit Familienstress

Auf Netflix läuft jetzt die Adaption von Gerard Ways und Gabriel Bás postmoderner Superhelden-Comicserie „The Umbrella Academy“.

Philip Dethlefs
Dysfunktionale Familie: Eine Szene aus „The Umbrella Academy“.
Dysfunktionale Familie: Eine Szene aus „The Umbrella Academy“.Foto: Netflix

Bei der Vielzahl an Superhelden-Geschichten im Kino, im Fernsehen und bei Streamingdiensten fällt es schwer, den Überblick zu behalten. „Avengers: Endgame“, „X-Men: Phoenix“ oder „Shazam!“ sind nur einige der für 2019 angekündigten Kino-Blockbuster. Und auf dem TV-Bildschirm kämpfen unter anderem „Titans“, „Legends of Tomorrow“ und „The Gifted“ um die Gunst des Publikums. Nun schickt Netflix mit „The Umbrella Academy“ die nächste Superhelden-Truppe ins Rennen.

„The Umbrella Academy“ basiert auf der gleichnamigen Comic-Kultreihe von Gerard Way und Gabriel Bá. Ausgangspunkt der Story ist ein biblisch anmutendes Wunder. An einem Tag im Jahr 1989 kommen 43 Kinder an unterschiedlichen Orten zur Welt. Das Merkwürdige daran: Alle Mütter wurden von der Geburt überrascht. Anzeichen einer Schwangerschaft gab es vorher nicht.

Wiedersehen bei der Beerdigung des Vaters

Der Milliardär Reginald Hargreeves adoptiert sieben dieser Kinder. Er ist kein Familienmensch. Hargreeves ahnt, dass sie Superkräfte haben. Er unterzieht seine Adoptivtöchter und -söhne, die er nur mit Nummern anspricht, einem harten Training, damit sie die Welt retten. Doch unter dem Druck des lieblosen Vaters bricht die Familie auseinander.

Erst als Hargreeves Jahrzehnte später unter mysteriösen Umständen stirbt, kehren die entfremdeten Geschwister nach Hause zurück. Auf der Beerdigung taucht ihr vermisster Adoptivbruder, Nummer fünf, auf. Äußerlich ein Kind geblieben, hat er die Erfahrung von 58 Lebensjahren, denn er kommt direkt aus der Zukunft - und hat das Ende der Welt gesehen.

Nach Meinung von Produzent und Drehbuchautor Steve Blackman ist „The Umbrella Academy“ nur oberflächlich eine Superhelden-Serie. „Es dreht sich um die Familie“, sagte Blackman der Deutschen Presse-Agentur. „Es geht um eine dysfunktionale Familie, die versucht sich wieder anzunähern, wieder zusammenzufinden.“ Leicht fällt das nicht. Denn schnell kommen Eifersucht und alte emotionale Wunden zwischen den Geschwistern hoch. Zudem hat jeder so seine eigenen Probleme. Denn Superkräfte können auch eine Bürde sein.

Eine weitere Szene aus „The Umbrella Academy“.
Eine weitere Szene aus „The Umbrella Academy“.Foto: Netflix

Der merkwürdig kräftige Luther, der von seinem Vater zum Anführer erkoren wurde, gerät ständig mit der Nummer zwei aneinander, dem aufbrausenden Messerwerfer Diego, der gern selbst der Leader wäre. Alisson, inzwischen eine bekannte Schauspielerin, kann den Willen anderer Menschen beeinflussen. Sie hat ihre Superkraft missbraucht und kämpft jetzt um das Sorgerecht für ihre Tochter. Der drogenabhängige Klaus kommuniziert mit den Toten. Und die schüchterne Vanya fühlt sich seit ihrer Kindheit von den anderen ausgegrenzt, weil sie keine erkennbaren besonderen Fähigkeiten hat.

Auch Ellen Page und Mary J. Blige sind dabei

Die kanadische Schauspielerin Ellen Page als Außenseiterin Vanya und die US-amerikanische Soulsängerin Mary J. Blige als zeitreisende Auftragsmörderin Cha-Cha sind die bekanntesten Namen in der Besetzung von „The Umbrella Academy“. „Game Of Thrones“-Fans kennen Tom Hopper (Luther) als Dickon Tarly. Robert Sheehan (Klaus) war gerade mit „Mortal Engines: Krieg der Städte“ im Kino. Emmy Raver-Lampman (Alisson) spielte rund zehn Jahre am New Yorker Broadway und trat unter anderem im Hit-Musical „Hamilton“ auf.

Der heimliche Star der Show ist der erst 15-Jährige Aidan Gallagher, der als Nummer fünf einen Erwachsenen im Körper eines Teenagers darstellt. Gallagher spielt die Rolle mit einer Abgeklärtheit und Coolness, dass es eine echte Freude ist, ihm dabei zuzusehen.

Die anderen Charaktere der Show sind hingegen eher klischeehaft geraten. Luther hat eine harte Schale, aber einen weichen Kern. Diego ist der heißblütige Latino. Vanya ist die stille Außenseiterin, die ein Geheimnis birgt. Blackman wollte nach eigener Aussage klassische Superhelden-Schemen meiden und benutzt sie doch. Häufig fühlt man sich auch an die „X-Men“ erinnert, bei denen Page auch mitspielt.

Ein echtes Novum ist „The Umbrella Academy“ deshalb trotz einiger origineller Ideen nicht. Außerdem dauert es sehr lang, bis die Serie richtig Fahrt aufnimmt. Die Macher lassen sich viel Zeit, um die ersten Puzzleteile der komplexen Handlung zusammenzusetzen. Dadurch wirken die ersten, rund einstündigen Folgen mitunter ziemlich zäh.

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Wer die Comics nicht gelesen hat, braucht also Durchhaltevermögen und muss vor allem am Anfang gut aufpassen, um später alles zu verstehen. Hat man sich aber erstmal darauf eingelassen, ist die schräge Mischung aus Superhelden-Epos, Familiengeschichte und Krimi mit ihren vielen Charakteren durchaus unterhaltsam. (dpa)

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