Corona und der Kunsthandel : Wer kauft, wenn die Ausstellung zu ist?

Berliner Galerien können ihre Ausstellungen im Moment nicht zeigen. Galeristin Anne Schwarz erzählt, wie sich das aufs Geschäft auswirkt.

Unter Ausschluß der Öffentlichkeit. Filzarbeiten von Marlon Wobst in der Galerie Schwarz Contemporary.
Unter Ausschluß der Öffentlichkeit. Filzarbeiten von Marlon Wobst in der Galerie Schwarz Contemporary.Foto: def image / courtesy Schwarz Contemporary

Anne Schwarz führt seit neun Jahren die Galerie Schwarz Contemporary in Neukölln. Im Moment steht dort eine Ausstellung mit Filzarbeiten des Berliner Malers Marlon Wobst auf dem Programm. Das Interview stammt aus unserem Newsletter BERLINER-KUNST. Hier können Sie ihn kostenlos bestellen.

Frau Schwarz, Ihre Galerie ist geschlossen – was bedeutet das denn für Ihre aktuelle Ausstellung von Marlon Wobst?

Wir hatten Glück, wir konnten die Ausstellung am 5. März noch eröffnen. 150 Gäste haben sie an dem Abend gesehen. Und wir haben direkt mehrere Arbeiten verkauft.

Kommen Interessent*innen nun nach Absprache einzeln vorbei?

Wir bieten das an, aber man merkt, dass kaum Sammler*innen nach Berlin kommen. Wir haben Sammler*innen aus Süddeutschland, die sonst regelmäßig Wochenenden in Berlin verbringen, um in die Philharmonie oder zu einem Spiel von Herta BSC zu gehen; sie schauen dann auch bei uns vorbei. Im Moment passiert das nicht. Es ist so, als ob man für viele Gäste kocht und backt – und keiner kommt zum Essen!

Was haben Sie in die aktuelle Ausstellung reingesteckt? Was müssten Sie verdienen?

In die Ausstellung mit Marlon Wobst habe ich nicht sehr viel investiert, da der Künstler die Arbeiten aus Wolle in seinem Atelier selbst anfertigt und keine hohen Produktionskosten entstehen. Auch in Rahmen, Kaschierungen oder teure Herstellungsverfahren brauchten wir in dem Fall nicht investieren. Mit einer Ausstellung muss ich normalerweise etwa 30.000 Euro Umsatz innerhalb von sechs bis acht Wochen machen. Davon habe ich ein Drittel bereits erreicht. Ob ich den Rest schaffe, steht in den Sternen.

Manche Ausstellungen lassen sich nicht verschieben

Wie gehen Sie mit den geplanten Ausstellungen um?

Bei der Schau mit Monika Goetz, die für April geplant war, wären höhere Produktionskosten angefallen. Die Künstlerin plant, Objekte in einer Glasbläserwerkstatt anfertigen zu lassen. Diese Ausstellung werden wir definitiv lange schieben müssen. So etwas planen wir weit im Voraus, das lässt sich nicht einfach nur um drei, vier Monate nach hinten verlegen.

Funktioniert der Verkauf auch online?

Wir machen etwa 30 Prozent des Umsatzes direkt in der Galerie. Der Großteil der Verkäufe erfolgt per Email-Austausch, national wie international. Wir verkaufen nicht viel über Social Media. Stattdessen über persönliche Kontakte, Anschreiben, Telefonate und indem wir Portfolios verschicken. Die Filzarbeiten von Marlon Wobst muss man allerdings eigentlich persönlich sehen. Aber wenn Kund*innen die Werke schon im Original gesehen haben, ist es gut möglich, dass online gekauft wird, wenn ein neues Bild im Angebot ist.

„Sechs Monate halte ich durch“

Wie lange halten sie durch, wenn die Galerie geschlossen ist?

Ich habe keine hohen Kosten, ich muss keine Angestellten bezahlen, es fällt „nur“ die Miete an. Das halte ich ungefähr sechs Monate durch. Man denkt ja ständig über Wachstum nach, über Erweiterung, ob man Partner dazu nimmt. Diese Situation ist auch eine Chance, sich darin bestätigt zu fühlen, dass die schlanke Struktur richtig ist. Es ist weniger risikoreich.

Wie geht es jetzt weiter für Ihre Galerie?

Ich erwarte nicht sofort eine totale Umkehrung des Geschäfts, zumindest nicht die nächsten zwei bis drei Monate. Ich verkaufe auch sonst nicht jeden Tag eine Arbeit. Es kommt vor, dass zehn Tage lang nichts passiert. Und dann kommen drei Käufer auf einmal. Ich sehe die Situation als einen Moment der Besinnung. Keine Übersprungshandlungen jetzt. In vier Wochen sieht das vielleicht schon anders aus.

Gibt es Zuspruch von Sammler*innen?

Mehr zum Thema

Eine Sammlerin aus Hamburg hat mich angerufen und wollte wissen, wie ich mit der Situation umgehe. Sie hat mir Mut gemacht und gesagt: Sie haben das so toll gemacht die letzten Jahre, Sie halten das durch.

Der neue Morgenlage-Newsletter: Jetzt gratis anmelden!