Eine Brache mitten in der Mitte

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Debatte um den Wiederaufbau der Bauakademie : Schatzhaus oder Denkfabrik
Ein Modell von Otto Bartnings nie realisierter expressionistischr Sternkirche in der Berlinischen Galerie.
Ein Modell von Otto Bartnings nie realisierter expressionistischr Sternkirche in der Berlinischen Galerie.Foto: Berlinische Galerie/I. Ripke

Der Chef des TU-Architekturmuseums, Hans-Dieter Nägelke, freut sich, dass die Diskussion endlich wieder in Gang kommt. „Jetzt, wo das Humboldt-Forum fast fertig ist, fällt diese letzte Brache in der Stadtmitte umso deutlicher auf“, konstatiert Nägelke. Der TU- Sammlungschef denkt allerdings eher an eine „Schaustelle für Architektur“ oder einer „Architektur-Denkfabrik“, für die auch Hochschullehrer berufen werden könnten. „Eine gute Idee für die Nutzung ist da, Geld ist da, Baufirmen stehen bereit. Die Bauarbeiten könnten schnell beginnen.“

Mit einer Beteiligung an der Bauakademie würde das TU-Architekturmuseum gewissermaßen an seinen Ursprungsort zurückkehren. Hervorgegangen aus der von Karl Friedrich Schinkel initiierten akademischen Architekturausbildung, wurde es 1885/86 gegründet und ist damit eine der ältesten Einrichtungen dieser Art in Europa. Zur Sammlung gehören über 180 000 Objekte, darunter die Nachlässe der Architekten Hans Poelzig, Paul Schwebes, Werner March oder Alfred Messel.

Die von Alfred Messel und Heinrich Schweitzer erbaute Berliner Handelsgesellschaft.
Die von Alfred Messel und Heinrich Schweitzer erbaute Berliner Handelsgesellschaft.Foto: Architekturmuseum TU

Nägelke sieht sein Haus als Unterstützer und Leihgeber eines künftigen Architekturmuseums. Er hält es weder für nötig noch für sinnvoll, die verschiedenen Berliner Bestände in ein zentrales Haus zu überführen, schon wegen der Umfänge. „Und Teile herauszuschneiden, verbietet sich.“ Auch Thomas Köhler, Direktor der Berlinischen Galerie. hält es für unrealistisch, alle Sammlungen zusammenzuführen. Während die Akademie der Künste unter anderem die umfangreichen Nachlässe von Architekturikonen wie Hans Scharoun, Werner Düttmann oder Hermann Henselmann verwahrt, macht die Architektur in der Berlinischen Galerie den größten Teil des Gesamtbestands aus. Den wolle man nicht weggeben, so Köhler. 300 000 Pläne und Zeichnungen, 2500 Modelle, außerdem 80 000 Architekturfotografien nennt die Berlinische Galerie ihr eigen, zudem sämtliche Bauwettbewerbsbeiträge des Landes seit der Wiedervereinigung. Zum Konvolut gehören auch Stücke von Poelzig, Taut und Mendelsohn.

Den Gedanken eines Berliner Architekturmuseums hält Thomas Köhler ähnlich wie Nägelke gleichwohl für reizvoll: als Forum für Ausstellungen und Debatten zum Urbanismus, bei dem das jetzt in der Köpenicker Straße ansässige Deutsche Architektur Zentrum einzubeziehen sei. Für denkbar hält Köhler die gemeinsame Bespielung eines Museums, bei klar erkennbaren unterschiedlichen Handschriften. In der Rekonstruktion von Schinkels Bauakademie sieht er allerdings keinen geeigneten Ort.

Kleine Komplikation am Rande: Es gibt zwei konkurrierende Vereine, die sich für die alte, neue Bauakademie engagieren: Parzinger, Nägelke und der Architekt Hans Kollhoff gehören dem Verein Internationale Bauakademie Berlin an, die den Backsteinbau zur „Plattform für Weiterbildungs- und Qualifizierungsinitiativen“ machen möchte und schon jetzt Ausstellungen hinter der Fassadenattrappe in Mitte organisiert. Und der Förderverein Bauakademie sammelt mit „Stein- und Terrakotta-Adoptionen“ bereits Geld für den Wiederaufbau.

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