Die Beatles waren für ihren Humor bekannt

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Die Beatles im Comic : Wenn Troubadix das sehen könnte
Eine Seite aus "The Beatles. Eine Graphic-Novel-Biografie" von Angus Allan und Arthur Ranson.
Eine Seite aus "The Beatles. Eine Graphic-Novel-Biografie" von Angus Allan und Arthur Ranson.Foto: Boiselle&Ellert

Die Perspektive einer Nebenfigur aus der Beatles-Saga einzunehmen, ist ein produktiver Kniff, den in jüngster Zeit auch einige Kollegen von Bellstorf erfolgreich angewendet haben. Die Franzosen Damien Vanders (Zeichnungen) und Gihef (Text) stellen in „Liverfool“ (Edition 52, 116 Seiten, 18 €) Clubbesitzer Allan Williams in den Mittelpunkt. Er war der erste Manager der Gruppe und organisierte unter anderem ihre frühen Engagements in Hamburg. Gihef und Vanders zeigen den Ex-Klempner Williams als sympathisches Improvisationstalent, das sich dummerweise bald mit der Band verkracht. Besser machte es sein Nachfolger Brian Epstein. In „Liverfool“ hat er bereits einen kleinen Auftritt: Er erklärt Williams, dass er die Band managen will, woraufhin dieser ihn eindringlich vor der Gruppe warnt – eine Szene die es in ähnlicher Form auch schon bei Allan/Ranson in „The Beatles“ gibt.

"Der fünfte Beatle": Manager Brian Epstein im Zentrum

Ganz ohne Allan Williams kommt hingegen „Der fünfte Beatle – Die Brian Epstein Story“ (Panini, 168 Seiten, 24,99 €) aus, die Vivek J. Tiwary mit den Zeichnern Andrew C. Robinson und Kyle Baker 2013 auf Englisch und in diesem Jahr auf Deutsch veröffentlicht haben. Hier rücken die Beatles teilweise recht weit in den Hintergrund, was aber nicht weiter stört. Denn zu sehen, wie der stets in Maßanzüge gekleidete, dynamische Epstein an seiner Vision arbeitet, die Gruppe „größer als Elvis“ zu machen, ist faszinierend genug. Wie er etwa auf Plattenfirmensuche geht und dabei Flashbacks in seine Militärzeit hat, wie er den legendären Auftritt in der Ed-Sullivan-Show einfädelt oder ein extrem gruseliges Abendessen mit dem Manager von Elvis erlebt.

Brian Epstein war schwul, was Tiwary zu einem zentralen Motiv macht, genau wie seine von Ärzten geförderte Tablettensucht. So entsteht in diesem mit hohem zeichnerischem Aufwand produzierten, knallbunt kolorierten Band das Porträt einer schillernden, aber auch sehr einsamen Persönlichkeit. Selbst die Beatles scheinen diesen Mann, der sie zum Ruhm geführt hat, eigentlich gar nicht richtig gekannt zu haben. In „Der fünfte Beatle“ sind sie ein zappelig-pubertäres Trüppchen, das sich meistens im Scherzmodus befindet.

Die Großmäuligkeit und der Humor der Beatles waren legendär. Auch das machte sie für die Comicwelt so attraktiv. Wer selbst schon Witz mitbringt, ist ein ideales Motiv – deutlich besser geeignet etwa als etwa die finsteren bis aufgeblasenen Rolling Stones. Das Comic-Potenzial der Beatles zeigte sich auch in ihren bekanntesten gezeichneten Wiedergängern, den bunten Schlaghosenträgern aus George Dunnings Film „Yellow Submarine“ von 1968. Der abstruse Humor und die psychedelisch-hippieesken Bildwelten dieses Zeichentrickabenteuers, das auch in gedruckter Form erschien, passte perfekt zu den Schöpfern des surrealistischen Sgt. Peppers Lonley Heart Clubs – und machte sie endgültig zu einem perfekten Popprodukt. Ihr eigene Beteiligung war, abgesehen von den Soundtrack-Songs, kaum noch erforderlich. Sie sprachen nicht mal die Synchronstimmen für ihre Figuren.

Die Beatles sind zu einem unsterblichen Selbstläufer geworden. Und selbst wenn es keine neue Musik von den größten Söhnen Liverpools mehr geben wird: Im Comic können sie immer wieder Reunion feiern.

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