George Benson in Berlin : Nachts auf dem Broadway

Jazzpop, Funk, Soul: Der Gitarrist und Sänger George Benson wandert seit 50 Jahren zwischen den Genres. Jetzt gab George Benson ein Konzert in Berlin.

Turn Your Love Around. George Benson und seine Ibanez in Berlin.
Turn Your Love Around. George Benson und seine Ibanez in Berlin.Foto: Britta Pedersen/dpa

Yes. Das ist George Benson, wie er leibt und lebt. Eine gute Stunde des nostalgiesatten Konzerts im Theater am Potsdamer Platz ist vorbei. Und plötzlich scheint bei der einzigen Uptempo-Nummer des Abends alles auf, was den alten Fusionshelden auszeichnet. Sein Song „Love Ballad“ rauscht mit Bensons quicken Gitarrenläufen, jazzigem Scat-Gesang und dem funky Groove der Band wie ein Güterzug durch die Knochen.

Klar, dass auf die Nummer von 1979 jetzt George Bensons Superhit „Give Me The Night“ folgen muss. Im Internet kann man den inzwischen 76 Jahre alten Menjoubärtchen-Dandy zu dem 1980 von Quincy Jones produzierten Discoknaller mit der Gitarre in der Hand und einen Schwarm hübscher Mädchen hinter sich auf Rollschuhen in den kalifornischen Sonnenuntergang gleiten sehen.

Soulpop und Smooth Jazz waren beim Gitarristen und Sänger George Benson immer schick anzuhören und anzuschauen. Seichtes mit Klasse – das kann eben nicht jeder. Und dazu einen elegant-seelenvollen Sound auf dem eigens für ihn entwickelten halbakustischen Ibanez-Gitarrenmodell pflegen.

Herren über Fünfzig wischen sich die Augen

Das scheint das Publikum auch zu denken. Es bereitet dem Meister, der von Miles Davis über Aretha Franklin bis zu Damon Albarns Gorillaz mit unzähligen Größen musiziert hat, ein warmen Empfang. Die Hütte ist voll. Und als Benson mit brüchigem Soulbariton seine Schmonzette „Nothing’s Gonna Change My Love For You“ singt, wischen sich sogar die Herren über Fünfzig Tränen aus den Augen.

Es ist ja auch irre. Wenn Legenden Hof halten, wird stets der Reichtum der Musikgeschichte spürbar. George Bensons erste Platzierung in den R’n’B-Charts liegt genau so lange zurück wie die erste Mondlandung.

1969 war das. „Shape Of Things To Come“ lautete der Titel des Albums. Und das sollten beim 1943 in Pittsburgh geborenen Gitarristen George Benson nach der mit zehn Jahren als Sänger begonnenen Wunderkind-Karriere zum Beispiel zehn Grammy-Awards sein.

"Walking to New Orleans" kam im April raus

Auf seinem jüngstem, ohne Mätzchen und Modernisierungsallüren eingespielten Album „Walking To New Orleans“ erweist er den Helden der eigenen Jugend in den Fünfzigern Referenz: Fats Domino und Chuck Berry.

Die solide Rock’n’Roll und Blues-Platte ist zwar erst im April erschienen, findet aber so gut wie keinen Niederschlag im Best-of-Programm. Da setzt der deutlich hüftsteifer als früher tänzelnde und eine gemütliche Altersvirtuosität pflegende Showman nach einem ausgiebigen Instrumental-Block zu Beginn lieber auf Gesangshits wie „Don’t Know Why“, „In Your Eyes“, „Feel Like Making Love“ und – yes! – „Turn Your Love Around“.

Der Retrosound der Achtziger eins zu eins konserviert

Als einzige Nummer des neuen Albums erklingt „I Hear You Knocking“. Aber erst, nachdem der Frontmann der sechsköpfigen, den Retrosound der frühen Achtziger eins zu eins konservierenden Band mit einem Textblatt versehen ist. Dass Streicherschmelz, Easy Listening-Querflöte und die Riffs der Bläsersektion aus der Konserve kommen, ist eines George Bensons allerdings unwürdig.

Umso mehr punktet der Bassist Stanley Banks. Das Unikum tritt seit drei Jahrzehnten mit George Benson auf und spielt als Multitasker gerne mal mit den Händen den Bass und zugleich den Schellenkranz mit dem Fuß.

Er und sein Gitarrencounterpart bekommen mit der umjubelten Zugabe noch mal schön zu tun. Und wie das anno dunnemal auf jeder Black-Music-Party war, hört und hört George Bensons Klassiker „On Broadway“ einfach nie auf.

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