Halbleere Bars, verwaiste Oranienstraße : Kreuzberger Nächte sind nicht mehr lang

Das könnte Ihnen auch in Paderborn oder Prenzlauer Berg passieren: Die Geschichte einer vergeblichen Suche nach einer Bar in Kreuzberg.

Auch nicht mehr das, was sie mal war: Die Oranienstraße in Kreuzberg.
Auch nicht mehr das, was sie mal war: Die Oranienstraße in Kreuzberg.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Es ist kalt an diesem Dienstagabend, so gegen 23 Uhr. Am Lausitzer Platz in Kreuzberg schauen die Leute, die noch unterwegs sind, dass sie so schnell es geht nach Hause oder irgendwo ins Warme kommen.

Womöglich auch in eine Bar, um noch ein Glas zu trinken; in eine der vielen Bars, die es in Kreuzberg gibt, zum Beispiel in der Oranienstraße, eine der Ausgehmeilen des Bezirks, eine seiner wuseligsten, belebtesten Straßen, Tag und Nacht.

Doch irgendwie wirkt die Oranienstraße wie ausgestorben, trügt der Eindruck nicht, den man vorher schon beim Queren der Manteuffelstraße hatte: Der Club 39 zu, in der Milchbar ein paar wenige verlorene Gestalten. Warum ist hier heute nichts los, vielleicht ein Zufall, vielleicht ist Dienstag kein Milchbar-Tag?

Doch so geht es weiter: Zum Elefanten, nee, muss nicht sein, besser Rote Harfe. Hier verlassen gerade drei Männer den Laden, an der Theke sitzt noch einer, sonst: Leere.

Das Bateau Ivre schräg gegenüber, eine Bar für Locals wie Touristengruppen gleichermaßen, halb hip, halb jung, immer international, platzt nicht unbedingt aus allen Nähten, auch hier macht alles einen etwas verlorenen Anschein.

Franken, okay, Bierhimmel perdu, Olfe ganz zu

Wie war das noch mal mit Berlin? Ultimative Clubstadt, in Deutschland, Europa, gar der Welt? Feiern 24/7, am Wochenende, klar, aber genauso unter der Woche. Braunschweig weit weg, Paderborn weit weg, Hameln weit weg. Von Kreuzberg aus gesehen auch Prenzlauer Berg, wo bekanntlich um 23 Uhr die Bürgersteige hochgeklappt werden, egal ob am Samstag oder am Dienstag.

Doch erinnert an diesem Abend in Kreuzberg vieles an das nächtliche Braunschweig, Paderborn, Hameln oder Prenzlauer Berg. Im letzteren Fall nicht zuletzt deshalb, weil in der Oranienstraße zwar das Depot, Core-Tex und der Buchladen oH*21 weiter die Stellung halten, dazwischen aber mittlerweile Läden zu finden sind, die auch am Kollwitzplatz nicht weiter auffallen würden.

Gut, weiter. Franken, ja, ganz ordentlich gefüllt. Aber Punk- und Hardrock, muss nicht sein, der eigene Dress passt gerade nicht. Lieber in den Bierhimmel, den es aber nicht mehr zu geben scheint; na, also dann in die Möbel Olfe, da ist eigentlich immer die Bude voll bis spät in die Nacht.

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Doch auch hier, man sieht es von Weitem, nichts, in diesem Fall sogar: gar nichts, alles düster. Doch hier mit Grund. Die Olfe hatte am frühen Abend Probleme mit den Sanitäranlagen, kurzfristige Notschließung. Tja, und dann? Ab in den Prenzlauer Berg, zu Müller, in die desperateste Kneipe nicht nur am Kollwitzplatz. So viel Trost wie an diesem Abend hatte das Müller lange nicht zu bieten.

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