Ingeborg-Bachmannpreis in Klagenfurt : Das Wetter vor vierzehn Jahren

Von Uwe Tellkamp über Terézia Mora und Nora Gomringer bis zu Feridun Zaimoglu: Am Mittwochabend wird der 42. Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb eröffnet.

Ein Foto aus dem Jahr, in dem die in der Ukraine geborene Schriftstellerin Katja Petrowskaja den Ingeborg-Bachmann-Preis gewann. 2013 war das.
Ein Foto aus dem Jahr, in dem die in der Ukraine geborene Schriftstellerin Katja Petrowskaja den Ingeborg-Bachmann-Preis gewann....Foto: Gert Eggenberger/dpa-bildfunk

Das Wetter vor vierzehn Jahren war in Klagenfurt nicht so großartig. Schwül-warm zwar, wie es sich für Ende Juni gehört, aber auch wolken- und gewitterreich. Dafür hatte die Jury einen wirklich begabten Schriftsteller entdeckt. Von „ganz großer Kunst, ganz großer Literatur“ schwärmte sie, nachdem Uwe Tellkamp aus seinem an Proust geschulten Dresdner Erinnerungstext „Der Schlaf in den Uhren“ gelesen und folgerichtig den Ingeborg-Bachmannpreis mit schneller, absoluter Mehrheit gewonnen hatte.

Uwe Tellkamp sollte später dieses Bachmannpreis-Versprechen mit seinem Roman „Der Turm“ einlösen, so wie zum Beispiel auch die Bachmann-Preisträgerin von 1999, Terézia Mora, die gerade den Georg-Büchner-Preis verliehen bekommen hat. Doch auch die 2004er-Konkurrenz von Tellkamp gehört inzwischen zum Establishment der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur: der großartige, 2013 leider früh verstorbene Wolfgang Herrndorf, der diesjährige Joseph-Breitbach-Preis-Gewinner Arno Geiger oder die mit ihrem Brandenburg-Roman „Unterleuten“ zur ultimativen Bestsellerautorin aufgestiegene Juli Zeh.

Zaimoglu will mit seiner Rede eine Kampfansage an die Rechten machen

Man muss deshalb stets an frühere Bachmannpreis-Jahrgänge erinnern, wenn es in Klagenfurt wieder losgeht, in diesem Jahr zum 42. Mal. Denn das Teilnehmer- und Teilnehmerinnenfeld ist wie gewohnt ein relativ unbeschriebenes, unbekanntes. 2018 finden sich da gerade einmal drei einigermaßen bekannte Namen: Bov Bjerg, der mit seinem „Tschick“-artigen Roman „Auerhaus“ viel Erfolg hatte; dann der gelernte Schauspieler Stephan Lohse, der vergangenes Jahr mit dem schönen Siebzigerjahre-Adoleszenz-Roman „Ein fauler Gott“ debütiert hat; und schließlich der irre, hochtalentierte Jakob Nolte, der wiederum einen ganz anderen, von Werwölfen und Terroristen bevölkerten Seventies-Roman geschrieben hat, „Schreckliche Gewalten“.

Der Rest der 14 Autoren und Autorinnen ist jedoch nur sehr, sehr Eingeweihten ein Begriff, etwa Özlem Özgül Dündar, Anna Stern, Joshua Groß oder Ally Klein. Und natürlich der Jury, die sie ausgewählt hat und heuer mit zwei neuen Mitgliedern in ihren Reihen am Start ist: die Bachmannpreis-Trägerin von 2015, Nora Gomringer, ja, auch so verlaufen Bachmannpreis-Karrieren, und die Literaturkritikerin Insa Wilke, die Meike Fessmann und Sandra Kegel ersetzen. Die traditionelle Klagenfurter Rede zur Literatur bei der Eröffnung am Mittwochabend hält der Kieler Schriftsteller Feridun Zaimoglu. Über den „Wert der Worte“ will Zaimoglu reden und, was sich im FPÖ-Kärnten anbietet, „eine Kampfansage an die Rechten“ machen. Er versucht sich, so hat er es angekündigt, an „einer Ermutigung der Humanisten, die dem Völkischen mit aller Härte begegnen sollten“. Kein Schelm, leider Gottes, wer dabei nicht auch an Uwe Tellkamp und seine Äußerungen bei dem Dresdner Streitgespräch mit Durs Grünbein denkt. Das Wetter wird übrigens ähnlich wie vor vierzehn Jahren: wolkig, gewittrig, vereinzelt Sonnenschein.

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