Kinostarts der Festivalfilme : Ein bisschen Berlinale ist immer

Gerade noch beim Festival, bald schon im Kino und online: Für etliche Filme aus allen Sektionen gibt es bereits Starttermine.

Luca Nacarlo und Francesco Di Napoli in „La paranza dei bambini“. Der Film startet am 22. August.
Luca Nacarlo und Francesco Di Napoli in „La paranza dei bambini“. Der Film startet am 22. August.Fotos: Superfilm, Palomar

Filmfans sehen dem Berlinale-Ende mit gemischten Gefühlen entgegen. Der Körper sehnt sich einerseits nach mehr Bewegung, mehr Sonnenlicht und gesünderer Ernährung. Andererseits kann so ein Entzug an Festivalfilmen auch zu schaffen machen. Dabei besteht kein Grund zum Trübsal blasen, ein bisschen Berlinale ist immer. Die Festivalfilme kommen schließlich ins Kino, wohl dosiert und über das Jahr verteilt.

Der Reigen an Kinostarts hat auch schon begonnen: Eine Woche lang, bis kommenden Mittwoch, läuft Heinrich Breloers Filmbiografie „Brecht“ in einigen Lichtspielhäusern. Ein noch größeres Publikum erreicht der Zweiteiler dann am 22. und 27. März, wenn er erst auf Arte und dann in der ARD gezeigt wird – jeweils beide Teile hintereinander.

Auch die Kinostarts zweier Wettbewerbsfilme liegen in greifbarer Nähe: Das Dick-Cheney-Porträt „Vice“ läuft am kommenden Donnerstag an – vier Tage, bevor die Tragikomödie mit acht Nominierungen ins Oscar-Rennen geht. Ebenfalls ab Donnerstag können sich Hartgesottene über Fatih Akins umstrittenen Serienmörder-Film „Der goldene Handschuh“ selbst eine Meinung bilden.

"Systemsprenger" soll im Herbst ins Kino kommen

Die übrigen deutschsprachigen Wettbewerbsbeiträge haben noch nicht alle einen Starttermin. So heißt es über Nora Fingerscheidts Debütfilm „Systemsprenger“ über ein Kind, das sich einfach nicht bändigen lässt, dass er irgendwann im Herbst ins Kino kommen wird. Genaueres ist zu Angela Schanalecs „Ich war zuhause, aber“ bekannt: Die Studie eines familiären Zerfalls und des darauffolgenden Zusammenwachsens startet am 12. September. Wem das noch zu weit in der Zukunft liegt, kann sich ab dem 16. Mai das österreichische Drama „Der Boden unter den Füßen“ anschauen, in dem eine junge Unternehmensberaterin an der Last ihres Berufs- und Familienlebens zu zerbrechen droht.

Sonst liegt bei den Filmen aus dem Wettbewerb vieles noch im Ungefähren: François Ozons Kirchen-Anklage „Grâce à Dieu“, der knuffige Eröffnungsfilm „The Kindness of Strangers“ und Isabel Coixets Netflix-Produktion „Elisa y Marcela“ werden wohl noch bis zum Herbst auf sich warten lassen. Nur die Adaption von Roberto Savianos Mafia-Roman „La paranza dei bambini“ hat schon einen konkreten Starttermin: 22. August.

Zurück zu den deutschen Beiträgen, die sich auch in anderen Sektionen finden lassen. Zum Beispiel im Panorama: Der Episodenfilm „All My Loving“ mit Lars Eidinger läuft am 23. Mai an, die rauschhafte Odyssee „O Beautiful Night“ von Regie-Debütant Xaver Böhm bereits am 2. Mai.

Jonah Hills "Mid90s" läuft ab dem 7. März

Auch Panorama-Highlight „Mid90s“ hat schon einen Kinostart: Der Skater- Film von Jonah Hill sucht ab dem 7. März sein Publikum. Wer Billy-Elliot-Darsteller Jamie Bell in „Skin“ als Neonazi sehen will, muss sich noch bis zum zweiten Halbjahr gedulden. Um Fremdenfeindlichkeit geht es auch in der österreichischen Neuauflage des Fritz-Lang-Klassikers „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“. Satirisch überspitzt verlegt David Schalko die Handlung von Berlin nach Wien und dehnt sie zur Miniserie. Die sechs Episoden sind schon ab dem 23. Februar auf TV Now verfügbar.

Weitere Beiträge der Sektion Berlinale Series lassen sich ebenfalls bald von zu Hause aus streamen. Am 1. März geht das deutsche Weltuntergangsdrama „8 Tage“ bei Sky online, am 29. März bei Amazon Prime die Serienvariante des Actionfilms „Hanna“, in der ein Vater seine Tochter zur Kampfmaschine ausbildet. Nachdenklichere Töne schlägt die schwedische Produktion „Quicksand“ an über eine Massenschießerei an einer Schule. Am 5. April stellt Netflix die erste Staffel ins Netz.

Die Toten Hosen kommen ins Kino

Bereits am 1. März startet ein Berlinale-Film bei Netflix: „The Boy Who Harnessed the Wind“, das Regie-Debüt von „12 Years a Slave“-Darsteller Chiwetel Ejiofor. Das Familiendrama lief in der Sektion Special, genauso wie die indische Liebesgeschichte „Photograph“. Regisseur Ritesh Batra landete vor sechs Jahren einen Überraschungserfolg mit „Lunchbox“. Sein neuer Film kommt am 11. April ganz klassisch ins Kino.

Bei Berlinale Special wurde auch die Toten-Hosen-Doku „Weil du nur einmal lebst“ gezeigt. Cordula Kablitz-Post und Paul Dugdale begleiteten die Punkrocker im vergangenen Jahr auf ihrer „Laune der Natour“-Tour. Ebenfalls ein dokumentarisches Format hat David Dietle gewählt: Mit „Berlin Bouncer“ errichtet er drei Türstehern ein filmisches Denkmal. Kinostart ist der 11. April.

Gelegenheit, verpasste Berlinale-Filme nachzuholen, gibt es also zu Genüge. Nur an die Widrigkeiten eines normalen Kinobesuchs müssen sich Festivalfans erst einmal wieder gewöhnen: an die Werbeblöcke, die vielen Plätze, die leer bleiben, und an den Sitznachbarn, der während des Films eine ganze Schale Nachos geräuschvoll verschlingt.

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