Lange Nacht der Ideen : Dialog in alle Richtungen

Dialogperspektiven: Das Begabtenförderungswerk ELES bringt Gläubige und Nichtgläubige ins Gespräch.

Interreligiöse Konferenz. Vertreter verschiedener Religionen sollen miteinander insd Gespräch kommen.
Interreligiöse Konferenz. Vertreter verschiedener Religionen sollen miteinander insd Gespräch kommen.Foto: Dialogperspektiven

Religionen schaffen Gemeinschaft – nach innen. Im Kontakt nach außen – sei es im Miteinander mit anderen Religionen oder Nichtgläubigen – sind es oft Gräben, die ausgehoben werden. Mit diesem Thema setzt sich das Programm „Dialogperspektiven“ des Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerks (ELES) im Rahmen der Langen Nacht unter dem Titel „Sieben Stationen Vielfalt: Religionen und Weltanschauungen im Gespräch“ auseinander. ELES ist eines von 13 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Begabtenförderungswerken.

Die Pluralität von Weltanschauungen und Religionen in Europa ist das Thema in der St. Marienkirche in Berlin-Mitte, wo Stipendiatinnen und Stipendiaten aller Begabtenförderungswerke mit den Besuchern ins Gespräch kommen wollen. Sieben interaktive, multimediale Präsentationen sollen es einfach machen, den Dialog zu beginnen. Die Themen sind breit gestreut: Unter dem Titel „Was zum Teufel machen die denn da?“ werden an einer Stelle zum Beispiel religiöse Praxis und Spiritualität vorgestellt, um Gemeinsamkeiten erlebbar zu machen. An einer zweiten Station stellen Stipendiaten aus der Künstlerförderung ihre Werke vor, während an anderer Stelle Religion und Geschlechtergerechtigkeit unter feministischer Fragestellung diskutiert werden sollen.

Mit sozialen Medien und Fake News stellt sich die Veranstaltung zudem aktuellen gesellschaftlichen Phänomenen. Wer positioniert sich wie im Kampf um die Wahrheit? Wie stellen sich die Gemeinschaften mit ihren religiösen Fragestellungen in sozialen Medien dar? Es geht um die Deutungshoheit: Was ist denn eigentlich dieses „christlich-jüdische Abendland“, das verteidigt werden soll? „Gegen dieses Konstrukt haben wir uns immer gewehrt, denn historisch hat es das nie gegeben“, sagt Johanna Korneli, Koordinatorin des Projekts „Dialogperspektiven“. „Gerade deswegen müssen wir uns damit beschäftigen, wie dieser Begriff historisch und aktuell gebraucht wird.“

Minderheiten vernetzen sich

Alle sieben Stationen sollen vor allem eines zeigen: wie divers religiöse Gemeinschaften in Europa sind und wie sich Minderheiten untereinander vernetzen. Zu den in der Marienkirche vertretenen Religionen gehören unter anderem der Islam, das Judentum, das Christentum, die Bahai-Gemeinschaft, der Hinduismus sowie die Jesiden und die Aleviten. Im Mittelpunkt stehen dabei allerdings weniger die Religionen als solche, sondern die Perspektiven verschiedener Angehöriger religiöser Gemeinschaften.

Wer selbst mit Religion nichts anfangen könne, sei ebenfalls sehr willkommen, betont Johanna Korneli: „Ein Viertel unserer stipendiatischen Teilnehmerinnen und Teilnehmer ist nicht religiös. Für uns ist gerade der Dialog zwischen der Religion und dem Säkularen besonders interessant.“ Ein musikalisches Begleitprogramm, Künstlergespräche auf der Bühne und Text-Performances bereichern die Veranstaltung – falls doch einmal eine kurze Dialogpause gewünscht ist.

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