Matias Faldbakkens neuer Roman : Ordnung müsste sein

Kammerspiel im altmodischen Restaurant: In Matias Faldbakkens neuem Roman „The Hills“ verliert ein Kellner seine Gewissheiten.

Provokateur mit Stil. Der norwegische Künstler und Schriftsteller Matias Faldbakken.
Provokateur mit Stil. Der norwegische Künstler und Schriftsteller Matias Faldbakken.Foto: ©Ivar Kvaal

Es ist ein seltsamer, eigenartiger Roman, den der norwegische Autor und Künstler Matias Faldbakken mit „The Hills“ geschrieben hat. Vielleicht kommt einem das auch deshalb so vor, weil Faldbakken in den nuller Jahren mit seiner „skandinavischen Misanthropie“ pop- und punkliterarische Maßstäbe gesetzt hatte, er in „The Cocka Hola Company“, „Macht und Rebel“ und „Unfun“ die skandinavische Konsensgesellschaft brutal und provokativ attackierte, er subkulturelle Milieus lustvoll in Brand setzte.

Sein neuer Roman ist ganz anders: ein Kammerspiel in einem Restaurant in Oslo, das „The Hills“ heißt, mit einem Kellner als Icherzähler. Der beschreibt seine Wirkungsstätte als „Ort der Gewissenhaftigkeit“, als einen Ort mit verblichener Grandezza, dennoch mit Bildern von Braque, Léger oder Kippenberger an den Wänden. Und dieser Kellner bekommt es mit zwei Tischen zu tun, an denen zwei Herrenrunden sitzen, sowie mit einer „Kindfrau“, die die Verhältnisse im „The Hills“ zum Tanzen bringt.

Die Welt geht unter

Das klingt jetzt nach einer Handlung. Doch „The Hills“ kommt nicht vom Fleck, das will der Roman auch nicht. Er hat selbst etwas von einem Gemälde. Das ist mal im Entstehen begriffen, stellt eine Skizze dar, die sich auswächst, wird mal einfach übermalt. Faldbakken feiert in Person seines Erzählers ein Manufactum-Gefühl, erinnert an die guten Dinge von ehedem, das Erlesene, Ausgewählte, das gute, alte Europa. Nur dass die Menschen, die Figuren dieses Romans nicht mehr viel damit anfangen können – und der Kellner seine Gewissheiten, seine formvollendeten Fertigkeiten nach und nach verliert.

Faldbakken jedoch behält den guten, geschmackvollen Ton bis zum Ende bei, und womöglich ist dieser Roman brutaler, provokativer, ordnungszerstörender als der Punk- und Splattermix seiner Trilogie. „Zu Diensten“ will hier am Ende niemand mehr sein. Hurra, die Welt geht unter.

Mathias Faldbakken: The Hills. Roman. Aus dem Norwegischen von Maximilian Stadler. Heyne Encore, München 2018. 238 Seiten, 22 €.

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