Museumsmann Dieter Ruckhaberle gestorben : Gestalter der Berliner Kunst

Ohne ihn gäbe es das Kunsthaus Bethanien und den Martin-Gropius-Bau nicht: Zum Tod des Berliner Museumsdirektors und Malers Dieter Ruckhaberle.

Dieter Ruckhaberle
Dieter RuckhaberleFoto: Matthias Reichelt

Berlin sähe anders aus ohne Dieter Ruckhaberle. Sein Engagement in der Kulturpolitik, sein „schwäbischer Dickschädel“, den ihm die „Berliner Morgenpost“ vor fast zwei Jahrzehnten attestierte, wirkt nach – dank Druck- und Bildhauerwerkstatt des Berufsverbandes bildender Künstler*innen Berlin. Ausstellungsorte wie die Neue Gesellschaft für Bildende Kunst oder das Kunsthaus Bethanien gäbe es nicht, hätten Ruckhaberle und seine Mitstreiter weniger hart gekämpft. Auch nicht den Martin-Gropius-Bau, an dessen Rettung Ruckhaberle als Leiter des Kunstamts Kreuzberg mitgewirkt hat: In den sechziger Jahren war der Abriss des im Krieg schwer beschädigten Gebäudes schon geplant. Nun ist Dieter Ruckhaberle im Alter von 79 Jahren verstorben, nach längerer Krankheit und vielen Jahren, in denen er zurück zu seinen Anfängen gefunden hat. Denn eigentlich war Ruckhaberle selbst Maler.

Bloß niemals abhängig sein

Sein Studium begann der gebürtige Stuttgarter an der dortigen Kunstakademie, später ging er zu Max Kaus an die Hochschule der Künste Berlin. Landschaften und Figurenbilder gehören zu seinem Repertoire, doch genauso intensiv wie mit der Kunst beschäftigte sich Ruckhaberle mit den Bedingungen ihrer Produktion. Auch das gehörte zur institutionskritischen Haltung seiner Zeit – und der Künstler wollte beim Thema Ausstellungstätigkeit keinesfalls vom Wohlwollen einer Galerie abhängen. Als Konsequenz gründete Ruckhaberle 1963 die Freie Galerie in der Kurfürstenstraße. Sie markierte den Auftakt seiner zweiten Berliner Karriere als Ausstellungsmacher und Funktionär in Kulturräten wie Verbänden. Was ihm nicht bloß Freunde machte. Ruckhaberle galt als erfolgreicher Initiator – und wurde von jenen gefürchtet, denen er nicht gewogen war.

Unsanfter Abschied

Zu seinen größten Erfolgen zählte die Ernennung zum Direktor der jungen Staatlichen Kunsthalle Berlin. Von 1977 bis 1993 bestimmte er das Programm an der Budapester Straße. Bis ihn der damalige Kultursenator Ulrich Roloff-Momin unsanft verabschiedete. Aus der Zeitung erfuhr Ruckhaberle vom Ende der Kunsthalle. Und dass man ihn bereits zum Leiter des Künstlerhofs Buch bestimmt hatte. Roloff-Momin übte laut Kritik am ehemaligen Leiter der Kunsthalle, und überhaupt tobte der ganze Streit öffentlich. Noch heute stößt man auf Reste der damals zutiefst emotionalen Auseinandersetzung: Die „taz“ sprach vom „Berliner Sumpf“, die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ von „einer langen Reihe von Gefälligkeitsausstellungen, mit denen der Berliner Maler Dieter Ruckhaberle als Leiter der Staatlichen Kunsthalle befreundete Teile der Lokalszene hätschelte“.

Rückzug auf den Kunsthof

Tatsächlich fühlte sich Ruckhaberle der Berliner Szene zutiefst verbunden. Seine Einsichten in die – schon damals – prekäre Situation vieler Künstler mündeten in Forderungen nach einer Existenzsicherung, denen die Kreativen überall in Deutschland heute die Künstlersozialkasse verdanken. Ende der neunziger Jahre entstand der Künstlerhof Frohnau, und auch diesmal war Ruckhaberle als Vorstandsmitglied gefragt. Hier nahm er sich ein Atelier, in dem er nun intensiv arbeitete. Seine Werke gingen auf Reisen, man findet sie in der Berlinischen Galerie oder der Sammlung Ludwig in Aachen.

Bei Dieter Ruckhaberles Absetzung 1993 hatte Ulrich Roloff-Momin moniert, die Kunsthalle hätte vor allem international bedeutende Ausstellungen nach Berlin holen und sich weniger um die hiesige Szene kümmern sollen. Nun kommen die internationalen Künstler von selbst in die Stadt, auch weil einer wie Dieter Ruckhaberle die Basis dafür geschaffen hat.

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