Neues vom Kollwitz-Museum : Das Exil droht

Wie geht es in der Fasanenstraße weiter? Das Kollwitz-Museum muss gehen, und Iris Berndt, die ehemalige Leiterin, widmet sich jetzt wieder Carl Blechen.

Berlin Charlottenburg, Fasanenstraße: Villa Grisebach mit Käthe Kollwitz Museum Fasanenstraße Berlin Berlin Charlottenburg Fasanenstrasse Villa Grisebach with Käthe Kollwitz Museum Fasanenstrasse Berlin
Berlin Charlottenburg, Fasanenstraße: Villa Grisebach mit Käthe Kollwitz Museum Fasanenstraße Berlin Berlin Charlottenburg...Foto: imago/Jürgen Ritter

Auch Postwege können sich kreuzen. So erreichten zwei Publikationen zeitgleich die Redaktion, die sich inhaltlich kaum berühren und doch einander bedingen. Der Lukas-Verlag schickt einen Bildband von Carl Blechen unter dem Titel „Innenansichten eines Genies“ (112 S., 82 Abb., 20 €). Autoren sind Helmut Börsch-Supan, bis 1995 stellvertretender Direktor der Berliner Schlösserverwaltung, und Iris Berndt, bis zu ihrem vorzeitigen Rückzug im letzten Sommer Leiterin des Kollwitz-Museums. Im Vorwort empfehlen sie dem Leser, „sich in die Welt vor zweihundert Jahren zurückzuversetzen“. Berndt hat sich damit auf ihr früheres Terrain zurückbegeben und damit den Rückzug aus dem 20. wie 21. Jahrhundert angetreten. Den Streit ums Kollwitz-Museum, das durch Pläne des Vermieters an seinem Standort in der Charlottenburger Fasanenstraße in Bedrängnis geraten war, wollte sie nicht weiter ausfechten.

Wie soll es in der Fasanenstraße weitergehen?

Wie es dort nun weitergehen soll, verrät die neueste Ausgabe des zeitgleich eingetroffenen Museumsjournals (6,90 €, Jahresabo/6 Hefte 27,60 €). Es widmet sich als Schwerpunkt dem Thema Exil. Verschiedene Institutionen wie das Kunsthaus Dahlem, das Zentrum für verfolgte Künste, das Aktive Museum Faschismus und Widerstand berichten, wie sie damit umgehen. Vor allem aber geben Christoph Stölzl und Cornelia Vossen eine Idee davon, wie sie sich als Gründungsdirektor und Kuratorin das künftige Exilmuseum vorstellen, das ab 2020 in den Räumen des dann ausquartierten Kollwitz-Museums logieren soll. Möglich wird das Projekt durch Bernd Schultz, den langjährigen Geschäftsführer des Auktionshauses Villa Grisebach, durch seine Stiftung Besitzer der Immobilie. Die Versteigerung seiner Sammlung im letzten Jahr ermöglicht die Anschubfinanzierung.

So verquer, so kompliziert die Hintergründe für die Entstehung des neuen Museums sind, Stölzl, einst Direktor des Deutschen Historischen Museums, danach Wissenschaftssenator, und Vossen halten sich damit nicht länger auf. Sie schreiben – wie könnte es anders sein – eher vage von Bildern, Tönen und Texten, von multimedialen, szenografisch gestalteten Rauminstallationen, Filmen und Begegnungen mit originalen Objekten. Es solle nicht von der „Krankheit Exil“ berichtet werden, sondern auch von der Wirkung, die die Exilanten weltweit hinterließen, versprechen sie. Ein lebendiges Museum soll es werden.

Müsste die Sammlung auch nur temporär ins Exil, wäre das fatal

Wer weiterblättert im Museumsjournal, stößt auf den letzten Seiten auf die Notiz „Neue Direktorin gefunden“. Josephine Gabler, seit 2008 Chefin des Museums Moderner Kunst Wörlen in Passau, wird ab 1. April die Leitung des Kollwitz-Museums übernehmen, das Ende 2019 endgültig die Fasanenstraße verlassen muss. Vor dem Umzug ist Gabler nicht bange. Im Gegenteil, als Kuratorin des Berliner Kolbe-Museums hat sie dort in den 90ern den Anbau und die Renovierung betreut. Wohin das Kollwitz-Museum ziehen soll, ist noch immer offen. Nur ein Exil-Schicksal, bei dem die Sammlung wenn auch nur temporär verschwindet, das wäre fatal.

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