Sie haben vieles gemeinsam - und sind doch so verschieden.

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Gitarren-Duo Kid Kopphausen : Gemeinsam statt einsam

Sie sind beide Bartträger, Studienabbrecher, Saitenpoeten – und trotzdem so verschieden. Hier zu Knyphausen, Mitte 30, Erfolgsmusiker, aus einem friesischen Adelsgeschlecht stammend, wohnhaft in Neukölln. Dort Koppruch, Mitte 40, gelernter Koch, gelernter Punkrocker, der unter dem Pseudonym „Sam“ Bilder malt und mal davon und mal von der Musik gelebt hat. Einer, der sich mit seiner folkigen Band Fink in den Neunzigern gegen die dominierende Hamburger Schule aufgelehnt hat und immer noch in der Hansestadt wohnt. Koppruch ist gewissermaßen zu Knyphausens Vorgänger. Der Zukunftshorizont reicht noch nicht so weit. Bis zur Festivalsaison 2013 wollen die Kopphausens zunächst einmal zusammenbleiben. Was danach kommt? „Je nach Erfolg, mal sehen …“

Gefragt nach der Musikrichtung, der sie sich zuordnen würden, betonen beide ihre Ablehnung jeglichen Schubladendenkens. Um dann doch mit einer druckreifen Definition zu kommen: „Krautrock mit Jazzattitüde“ machen sie, geprägt vom Folk – und eigentlich ist es doch einfach: Rockmusik. Wer die Platte hört, versteht. Es ist eine Art moderne Inszenierung dessen, was im Alten alles gut war. Wie die beiden selbst, wenn sie sagen, dass sie das Internet intensiv nutzten – gleichzeitig aber beide, „aus Selbstschutz“ vor zu viel Netzwelt, Mobiltelefone besitzen, die eher nach Flaschenöffnern aussehen.

Dabei wirken ihre Lieder an diesem Abend im Aufsturz selbst wie Flaschenöffner, zu den Empfindungswelten der Zuhörer. Gerade bei den Zuhörerinnen sieht man diesen „Ja, genau, die haben es verstanden“-Blick. Es sind mal große Lieder, wie „Schritt für Schritt“ und „Das Leichteste der Welt“, die den Abend tragen und mal die kleinen Momente, wenn das Schlagzeug reinknallt und Gisbert zu Knyphausen seine vorher lange geschlossenen Augen öffnet und Nils Koppruch mit schnarrender Stimme dazwischendonnert. Kid Kopphausen ist keine Zwei-Mann-Songmaschine, sondern eine richtige Band, das wird hier deutlich.

Als der Tag zu Ende geht, der im Körner-Park vor der Nacht im Aufsturz, pfeift Koppruch laut auf seinen Fingern, und die ganze Band kommt angelaufen. Sie hatten sich im Park die Zeit vertrieben. „Geht doch“, sagt Koppruch. Natürlich ist das ein Scherz. Genauso wie es einer ist, wenn sich zu Knyphausen und Koppruch für ihre bisherige Arbeit bei ihrer Plattenfirma, ihrem Produzenten und Gott bedanken. In dieser Reihenfolge. Kid Kopphausen machen Gefühlsmusik ohne Pathos, besondere Musik für den Alltag. Oder, um es mit einer Zeile der beiden zu sagen: „Jeder Tag ist ein Geschenk, er ist nur scheiße verpackt.“

„I“ ist bei Trocadero erschienen. Konzerte: 16.9., Heimathafen Neukölln, 18 Uhr (Zusatzshow) und 21.30 Uhr (ausverkauft)

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