Shortlist Deutscher Buchpreis 2019 : Das sind die sechs besten Romane des Jahres

Drei erwartete, drei überraschende Titel: Die Jury des Deutschen Buchpreises 2019 hat mit der Shortlist ihre Unberechenbarkeit bestätigt.

Die für den Deutschen Buchpreis 2019 auf der Shortlist nominierten Titel.
Die für den Deutschen Buchpreis 2019 auf der Shortlist nominierten Titel.Foto: dpa

Die diesjährige Jury des Deutschen Buchpreises ist sich treu geblieben. Nach ihrer schon reichlich juvenil erratischen Longlist mit lauter Newcomern und nur wenigen Titeln, an denen sie wirklich nicht vorbei konnte, hat sie nun aus der Longlist eine Shortlist geschüttelt, auf der zum Beispiel weder ein Jan Peter Bremer mit seinem überaus gelungenen Roman „Der junge Doktorand“ zu finden ist, noch die von so einigen Kritikern und Kritikerinnen hoch gelobte Nora Bossong mit ihrem literarisch ambitionierten Roman aus dem Milieu der Vereinten Nationen, „Schutzzone“.

Dafür Tonio Schachingers Fußballer-Roman „Nicht wie ihr“. Was angesichts der immer größer werdenden gesellschaftlichen Bedeutung des Fußballs durchaus seine Berechtigung hat; dafür Raphaela Edelbauers Debütroman „Das flüssige Land“ über die Verwicklungen der Bewohner eines fiktiven Ortes in den Nationalsozialismus, eine Mischung aus Fantasy-, und Historienroman sowie Dystopie. Und dafür nicht zuletzt Miku Sophie Kühmels an die „Wahlverwandtschaften“ angelehnter, vor allem aber sprachlich leider arg braver Liebes- und Kunsthandwerksgeschichte „Kintsugi“.

Diese drei Romane sind die sogenannten Überraschungen auf der Liste. Doch natürlich gehört es sich für eine Longlist, dass von dieser eben jedes nominierte Buch ein Kandidat für die Shortlist ist. Die drei übrigen Titel auf der Liste waren erwartet worden, zwei davon allein ihrer Stoffe wegen, aber auch, weil sie sehr gut erzählt sind: Einmal Saša Stanišić’ Buch „Herkunft“. Darin erzählt der in Hamburg lebende Schriftsteller von seiner demenzkranken, in der bosnischen Heimat gebliebenen Großmutter und über seine Ankunft in der Bundesrepublik Mitte der neunziger Jahre als Geflüchteter aus dem zerfallenden Jugoslawien.

„Herkunft" ist kein regelgerechter Roman zwar, aber die Gattungsgrenzen sind da inzwischen ja fließend. Und auch die Nominierung von der Berliner Schriftstellerin Jackie Thomae und ihres Romans „Brüder“ ist eine richtige Entscheidung. „Brüder" handelt von zwei Männern, die in der DDR aufgewachsen sind und denselben senegalesischen Vater haben - und die dann im Berlin der neunziger Jahre und im London der Gegenwart mal mehr, mal weniger mit ihrer Herkunft und ihrer Hautfarbe konfrontiert werden.

...waren auf dieser Liste nicht erwartet worden

Im Fall von Norbert Scheuers last, but not least nominierten Roman „Winterbienen“ könnte man dagegen fast von der Entscheidung für ein Werk sprechen. Zum einen weil Scheuer kontinuierlich und großartig und frei von Lautsprechereien Roman für Roman an seinem literarischen Kosmos aus der Eifel schreibt. Dieses Mal wendet er sich den Wirren in seinem Heimatort Kall in den Jahren 1944 und 1945 zu, und noch einigem mehr.

Die Shortlist Deutscher Buchpreis 2019 in der Übersicht

  • Raphaela Edelbauer, Das flüssige Land (Klett-Cotta, August 2019)
  • Miku Sophie Kühmel, Kintsugi (S. Fischer, August 2019)
  • Tonio Schachinger, Nicht wie ihr (Kremayr & Scheriau, August 2019)
  • Norbert Scheuer, Winterbienen (C. H. Beck, Juli 2019)
  • Sasa Stanisic, Herkunft (Luchterhand, März 2019)
  • Jackie Thomae, Brüder (Hanser Berlin, August 2019)

Zum anderen, weil Scheuer fast schon eine Art Stammgast ist auf den Listen der Buchmessen-Preise. 2009 stand er mit „Überm Rauschen“ auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises, 2015 mit „Die Sprache der Vögel“ auf der für den Preis der Leipziger Buchmesse.

Orientiert man sich nun weiter an den Jury-Entscheidungen, dann werden natürlich weder Stanišić noch Thomae noch Scheuer den am 14. Oktober im Frankfurter Römer verliehenen und mit 25.000 Euro dotierten Deutschen Buchpreis 2019 gewinnen, sondern Edelbauer, Kühmel oder Schachinger. Ja, genau: Schachinger wird gewinnen. Fußball ist schließlich unser Leben, und das Leben ist immer Literatur. Das findet auch Norbert Scheuer.

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