Die Seele des Telefons.

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Smartphone-Orchester : Uns ist ein Touchscreen nun geboren
Vor dem Auftritt bitte Finger waschen. Das DigiEnsemble Berlin beim Drücken, Wischen und Schieben – wie immer in voller Konzentration.
Vor dem Auftritt bitte Finger waschen. Das DigiEnsemble Berlin beim Drücken, Wischen und Schieben – wie immer in voller...Foto: Sven Ratzel

Erst als die Musiker versuchten, eine Band zu imitieren, kam die Wende. Systematisch erobert sich das Ensemble nun die verschiedensten Musikstile, wobei man sich möglichst kompetente Partner sucht – von Jazzmusikern wie Matti Klein bis hin zu klassischen Opernsängern oder experimentellen Bands wie Mouse on Mars.

Die Seele des Telefons

Bis zu drei Monate sitzen die Musiker über einem neuem Stück, bis ihr Spiel die Finesse erreicht hat, dass Einschwingvorgänge und Vibrati seelenvoll oder dreckige Riffs glaubwürdig klingen. Die Erfahrung, dass die Spieltechniken eigene Anforderungen ans motorische Geschick stellen, machte auch das Ensemblemitglied Dustin Dick, der vom akustischen Klavier kommt: Statt nachgeahmter Tasten, die viele Apps anbieten, bevorzuge er mittlerweile eine Oberfläche, die an Gitarrentabulaturen erinnert.

Das Erproben verschiedener Stile sei jedoch kein Selbstzweck, man wolle auch keinesfalls akustische Instrumente verdrängen. Letztlich ist Krebs nämlich überzeugt, dass es auch für das Smartphone eine eigene Musik gibt – „und die“, lautet sein Credo, „wollen wir finden“.

Wie sich die anhören könnte, davon könnte die Improvisation über Adventschoräle einen Vorgeschmack geben, die das DigiEnsemble für den Gottesdienst vorbereitet hat. Dabei werde man auch mit Raumklangeffekten arbeiten, für die sich die Telefone besonders eignen, sagt Krebs. Der Unterstützung von Domkantor Tobias Brommann kann er sich dabei sicher sein: Für den gehören Experimente wie dieses zu einer zeitgemäßen Kirchenmusik – weshalb er das Ensemble auch eingeladen hat, zur Feier des 20. Gemeindejubiläums wiederzukommen: „Wir sind ja eine junge Gemeinde im Zentrum der Stadt – da ist es wichtig, dass von hier Impulse ausgehen, über Kunst nachzudenken.“ Vielleicht stellt sich dabei heraus, dass sogar Smartphones eine Seele innewohnt.

16. Dezember, 18 Uhr, Berliner Dom: Abendgottesdienst mit dem DigiEnsemble Berlin. Weitere Informationen unter www.digiensemble.de

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