Smashing Pumpkins in der Zitadelle : Immer noch Gänsehaut

Indie-Rock in der Zitadelle: Die Smashing Pumpkins haben es noch einmal geschafft, aufzutreten und begeistern ihre Fans.

Eins, zwei, drei. Hier kommt Frontmann Billy Corgan (Archivbild).
Eins, zwei, drei. Hier kommt Frontmann Billy Corgan (Archivbild).Foto: Imago/Ritzau Scanpix

Das Bemerkenswerteste am Konzert der Smashing Pumpkins ist, dass sie es überhaupt geschafft haben, noch einmal gemeinsam aufzutreten: Kontrollwahn, Drogenexzesse und Egomanie hatten die kultisch verehrte Indie-Band immer wieder auf harte Proben gestellt und 2000 zu deren Auflösung geführt. Die Wiederbelebung 2006 mit Billy Corgan als einzigem Originalmitglied blieb ebenso halbgar wie die danach entstandenen Alben. Am Mittwochabend steht mit Corgan, James Iha und Jimmy Chamberlin erstmals seit knapp 20 Jahren fast die Originalbesetzung auf der Bühne der Zitadelle Spandau – nur Bassistin D’arcy Wretzky hat die Launen von Band-Diktator Corgan wohl endgültig satt.

Der tritt komplett in Schwarz und mit Kahlkopf wie ein Vampir vor die rund 10 000 jubelnden Fans und lässt die Mauern der Zitadelle mit dem brachialen „Siva“ erdonnern. Mit „Rhinoceros“ und dem Brecher „Zero“ kommen zwei weitere Klassiker hinterher. „Hits, Hits, Hits“, sagt ein Besucher grinsend und behält Recht. Das 2018 erschienene Album mit dem überkandidelten Titel „Shiny and Oh So Bright, Vol. 1 / LP: No Past. No Future. No Sun.“ ist nur mit drei Songs vertreten. Auch Krisenmanager Rick Rubin konnte dieses Werk nicht retten.

Eine Wohnung in Berlin?

Anders als früher wirkt Kontrollfreak Corgan, der 1991 darauf bestand, alle Instrumente des Debütalbums „Gish“ selbst einzuspielen, erstaunlich gelöst: Im Laufe des Abends plaudert er immer wieder mit Gitarrist James Iha und fragt zum Schluss scherzend, ob nicht jemand eine Wohnung in Berlin für ihn habe.

Eine Sache ist zum Glück genau wie früher: Corgans Stimme, die sich ebenso betörend wie heftig durch die Songs schmirgelt wie eine Diamantfräse. Sein Schmachten bei „Tonight, Tonight“ oder „1979“ löst noch immer Gänsehaut aus. Passend zum Bombast der Musik, in der sich Metal-Riffs mit zarter Melancholie und Orchesterwucht vereinen, macht auch die Lightshow deutlich, worum es den Smashing Pumpkins schon immer ging: Überwältigung. Die steht am Ende vielen Fans ins Gesicht geschrieben. Aber auch die Freude über die lange entbehrten Songs, die für eine ganze Generation der Adoleszenz-Soundtrack gewesen sind. Es ist ein würdiges Comeback-Konzert, nun muss Billy Corgan nur zeigen, dass er noch gute Songs schreiben kann.

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