Verlagsvorschauen nicht mehr gedruckt : Digital ist ökologischer

Die Verlagsvorschauen sind normalerweise selbst dicke Wälzer. Jetzt versenden einige Verlage ihre Programme nur noch digital.

Digitale Werbung für analoge Bücher. Die Verlage gehen mit der Zeit.
Digitale Werbung für analoge Bücher. Die Verlage gehen mit der Zeit.Foto: dpa/Jan Woita

Es ist gerade die hohe Zeit der Verlagsvorschauen, die in Redaktionen und Buchhandlungen geschickt werden und die neuen Bücher für den Spätsommer und Herbst anpreisen. Wohlgemerkt: der gedruckten Verlagsvorschauen, zum Teil recht dicke Wälzer, zum Teil ganz eigene Buch-Kunstwerke wie die des Göttinger Steidl Verlags.

Nun wurde dieser Tage aber auch eine Vorschau digital versandt, das Luchterhand Herbstprogramm 2019, und zwar ausschließlich digital: „Die Verlagsgruppe Random House, zu der auch der Luchterhand Literaturverlag gehört, hat sich entschlossen“, heißt es zu Beginn der Luchterhand-Mail, „keine gedruckten Vorschauen mehr herzustellen und zu verschicken. Das geschieht nicht zuletzt aus ökologischen Gründen, natürlich ersparen wir dem Presseetat so auch immens hohe Produktions- und Portokosten.“

Nun hat die digitale Zukunft natürlich längst begonnen, sie selbst hat ja schon zahlreiche Auslaufmodelle produziert. Und klar, diese Vorschauen sind vor allem Werbemittel und nichts für die Ewigkeit, sie nehmen Platz weg.  Trotzdem: Ein bisschen Wehmut ist dabei. Man bekommt nach der Ankunft dieses rein digitalen Verlagsprogramms den Eindruck, dass es jetzt ernst wird und bald Schluss ist mit dem komfortablen Nebeneinander von analog und digital, von gedruckten Büchern und E-Books, von Zeitungen und Zeitschriften und ihren Online-Portalen.

Eine Verlagsgruppe wirbt digital für gedruckte Bücher, mit denen sie, schaut man sich die stagnierenden E-Book-Zahlen an, zumindest in den nächsten Jahren weiterhin ihre größten Umsätze machen wird. Das ist ein bisschen widersprüchlich, passt vor dem Hintergrund von Ökologie und der Ersparnisse bei den Produktions- und Portokosten aber ins Bild einer Branche, die mit dem Wandel bisher ganz gut zurecht kommt.

Plastikfolien sind verpönt

Immer mehr Verlage verzichten inzwischen auf das Einschweißen von Büchern, Plastikfolien sind verpönt. Was wiederum Jonathan Beck, Leiter des Münchener C. H. Beck Verlags für „eine Nebelkerze in Sachen Klima“ hält, wie er gerade dem „Börsenblatt“ erklärt hat. „Der Elefant im Raum ist das Papier“, so Beck im Hinblick auf den hohen fossilen Energieverbrauch der Buchproduktion: „Mittelfristig hoffe ich, dass wir die Kohlendioxid-Kompensation weiter ausbauen können, bis auf 100 Prozent. Langfristig hoffe ich, dass die Papierhersteller Wege finden, mit geringeren Emissionen Papier zu produzieren – auf Basis erneuerbarer Energien oder neuer Technologien. Ich will auch 2050 noch Bücher machen können.“

Und die werden dann selbstredend ohne gedruckte Vorschauen an die Literaturvermittlerinnen gebracht, ohne gewinnende Fotos von Verlegerinnen und Verlegern, ohne unsterbliche Werbesätze oder Geständnisse wie ganz aktuell von Piper-Verlegerin Felicitas von Lovenberg: „Neulich bin ich das erste Mal mit einem Heißluftballon gefahren.“

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