Berliner Kuratoren können in Amsterdam sehen, wie gut Malerei und Skulptur zusammenpassen

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Wiedereröffnung des Rijksmuseums : In der Kathedrale des 21. Jahrhunderts
"Der fröhliche Trinker" von Frans Hals
"Der fröhliche Trinker" von Frans HalsRijksmuseum

Doch bis der Besucher vor dieses Hauptwerk niederländischer „Schilderkonst“ gelangt, hat er einen Höhenweg der Kunstgeschichte abgeschritten. Rechts und links vom großen Saal, an dessen Ende Rembrandt prangt, öffnen sich die Kabinette mit den Spitzenstücken des „Gouden Eeuw“ – als wären es Seitenkapellen auf dem Weg zum Hauptaltar. Wie schon einmal vom Erbauer des Hauses mit Glanz und Glorie inszeniert, wähnt sich der Besucher nun erneut in einer Kathedrale mit gewölbten Decken und Ziermalerei an den Wänden.

Die ganze Halle feiert einen Gottesdienst, mit der Kunst zum Niederknien. Jan Steen ist dort zu sehen, Frans Hals und Vermeer mit seinen stillen Porträts, in denen die Zeit nicht vergeht. Seine hinreißende Milchmagd hält wie ehedem den Krug zum Gießen vor sich hin, auch seine Briefleserin schaut genauso unverwandt auf das Blatt in ihrer Hand. Rembrandt wird nochmals zelebriert, etwa mit seinem großartigen Bildnis von Jan Six als Feier auf die schnelle, geniale Malerei, dazu die beiden Ruisdaels, Onkel und Neffe, mit ihren Landschaftsbildern als Gleichnis auf die Schicksalhaftigkeit.

Die Große Halle erhielt ihre ursprüngliche Innendekoration mit Wandmalerei und Terrazzoboden aus dem 19. Jahrhundert zurück.
Die Große Halle erhielt ihre ursprüngliche Innendekoration mit Wandmalerei und Terrazzoboden aus dem 19. Jahrhundert zurück.Rijksmuseum

Niederländische Malerei, das eröffnet sich in der Ehrengalerie sogleich, bedeutet in dieser Epoche Weltkunst. In welchem Kontext sie entstand, was die politischen Bedingungen waren, wie das kleine Land zu Wohlstand und imperialer Macht gelangte, das erklärt sich aus den Galerien rundum. Das Rijksmuseum erzählt zwar Nationalgeschichte mit Kanonen, Silbertellern, zerschossenen Rüstungen und Schiffsmodellen, doch ohne Heimattümelei – das 17. Jahrhundert ist Hollands große Zeit. Mit kuratorischem Geschick und ohne Berührungsangst wird hier zusammengebracht, was den damaligen Geist, die Kultur ausmachte, mit Spitzenstücken als Beleg, dazu Gemälden von Rembrandt an der Wand. Wer sich je davor gefürchtet hat, Skulpturen, Bilder, Möbel zusammen auszustellen, kann hier Mut schöpfen. Für Berliner Kuratoren wie auch Gegner einer gemeinsamen Präsentation ist in den Sälen zum 17. Jahrhundert modellhaft zu studieren, wie es in einer künftigen Gemäldegalerie an der Museumsinsel aussehen könnte, ohne seine Ansprüche aufzugeben.

Paradigmatisch zeigt sich die Kombination beim Mittelalter im Untergeschoss. Vor dem Bild einer trauernden Madonna ist Pietro Torrigianis Terrakottabüste der Jungfrau als Mater Dolorosa platziert, die gegenseitige Erhellung der Exponate ist evident. Auch hier haben sich die Kuratoren des Rijksmuseums etwas gewagt, für das diesmal allerdings das Bode-Museum in Berlin voranging. Die meisten Skulpturen stehen frei, kaum ein Vitrinenglas stellt sich zwischen den Betrachter und das Objekt. Neueste Technik erlaubt diesen Schritt: perfekt gesetztes Licht und Überwachungskameras.

"Die Milchmagd" von Jan Vermeer
"Die Milchmagd" von Jan VermeerRijksmuseum

Das neue Rijksmuseum erweist sich als Reisemaschine durch Zeit. Mit einem Gefährt der Vergangenheit – einer fast 150 Jahre alten Karosse, die jedoch einen modernen Motor besitzt – macht sich der Besucher vom Mittelalter bis an den Anfang des 20. Jahrhunderts auf den Weg, mit einem Abstecher nach Asien in einem eigenen Pavillon. Eigentliches Ziel der Reise aber wird weiterhin das „Goldene Zeitalter“ bleiben. Mit den großen Universalmuseen der Welt hält das Rijksmuseum am Ende dennoch nicht Schritt. Hollands Geschichte vor und nach jener Ära brachte nicht mehr dieselbe außergewöhnliche Qualität in der Malerei hervor. Die punktuellen Querverweise auf internationale Kunst, hochrangige Leihgaben holen dies nicht auf.

Wiedereröffnung des Rijksmuseums in Amsterdam
Das Prunkstück der Sammlung: Rembrandts Nachtwache, hier in der neuen "Nachtwachen"-GalerieWeitere Bilder anzeigen
1 von 18Foto: Iwan Baan/Rijksmuseum
11.04.2013 17:43Das Prunkstück der Sammlung: Rembrandts Nachtwache, hier in der neuen "Nachtwachen"-Galerie

Und doch rüstet sich hier ein neuer Player für den globalen Kampf der Städte um Aufmerksamkeit. Mit den anderen Häusern am Museumplein – dem Stedelijk, das seit dem vergangenen Jahr wiedereröffnet hat, und dem Van-Gogh-Museum, das ab dem 1. Mai wieder zugänglich sein wird – erstarkt hier eine gewaltige Konkurrenz. Die Besucherzahlen – bis zu 2,5 Millionen erwartet das Rijksmuseum allein im ersten Jahr – werden es erweisen. Auf die Größe eines Landes, das weiß man in Holland sehr genau, kommt es dabei ohnehin nicht an.

Rijksmuseum, Museumstraat 1, geöffnet täglich von 9 - 17 Uhr. Mehr Informationen im Internet unter www.rijksmuseum.nl

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