Medien : El Kachelmann

Markus Ehrenberg

Menschen bei Maischberger – Dienstag, ARD, 22 Uhr 45. Jörg Kachelmann ist der El Niño unter den Fernsehmoderatoren – man ahnt schon mal Schlimmes, wenn der knorrige Schweizer in den Talksessel steigt. Man weiß nie genau, wie Kachelmann drauf ist, was hinten rauskommt. Anders als bei Sandra Maischberger, deren zweite Mutterschutzvertretung – nach Erich Böhme – der Wetterfrosch übernommen hat. Eine mutige Entscheidung. Kachelmann fragte Brigitte Nielsen im MDR-Talk „Riverboat“ neulich Verheerendes wie: „Was macht man mit einem IQ von 126 so den ganzen Tag?“ Und Kachelmann fragte am Dienstag die großartige Schauspielerin Ilse Biberti, die ihre 90-jährigen dementen Eltern zu Hause pflegt: „Wie ist das mit Ihren Aggressionen, wenn Ihre Mutter Sie zum hundertsten Mal um etwas bittet?“

Hört, hört, der Mann mit dem motzelbärigen Stil kann auch anders. Nicht nur, weil Norbert Blüm zu Gast war – dies Maischberger-Thema musste weich machen: „Deutschland in der Pflegefalle: Wohin mit unseren Alten?“ Kachelmann, sonst oft schlunzig gekleidet, setzte Zeichen: Anzug, Hemd, Krawatte, Ton in Ton, Beinahe-Rasur. Wo sich Maischberger lässig zurücklehnt, beugt Kachelmann den Körper nach vorne, signalisiert Entwarnung: Hier bin ich, die entschärfte Version. Nix Boulevard, nix El Niño. Kachelmanns Natur? Er beginnt nervös, löst sich langsam von seinen Kärtchen und der Fokussierung auf einen Gast. Aus dem Aufeinandertreffen von Markus Breitscheidel, der ein erschütterndes Bild von Pflegeheimen zeichnet, und Heimbetreiber Ulrich Marseille, der Deutschlands Pflegediscounter werden will, wäre mehr herauszuholen gewesen. Man merkt: Das Moderieren mehrerer Positionen zu einem Thema ist nicht sein Ding.

Vielleicht nicht am späten Dienstagabend, in Maischberger-Manier. Vielleicht woanders. In einem Interview verriet Kachelmann, wo er denn zwischen People-Talk wie „Riverboat“ und Ernsthaftem à la Maischberger in seinem Element sei: Man habe ihn noch nicht von seiner Sabine-Christiansen-Seite kennengelernt. Schade eigentlich, diese Nachfolge ist geklärt.

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