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Gefälschte E-Mails zu SPD : "Titanic" legt offenbar "Bild" rein

"Neue Schmutzkampagne bei der SPD!", titelte die "Bild" und stützte ihren Aufmacher auf angebliche Mails an Juso-Chef Kühnert. Nun behauptet das Satire-Magazin "Titanic", die "Bild" gefoppt zu haben.

Auf der "Titanic"-Homepage posiert ein Vermummter mit der "Bild"-Ausgabe und den angeblichen Mails.
Auf der "Titanic"-Homepage posiert ein Vermummter mit der "Bild"-Ausgabe und den angeblichen Mails.Screenshot: Titanic

Die "Bild"-Zeitung scheint auf eine Satire-Aktion des Magazins "Titanic" hereingefallen zu sein. Auf der Internetseite behauptet das Satiremagazin, Urheber der angeblichen Schmutzkampagnen-Mails zu sein, über die das Boulevardblatt mit Fokus auf die SPD am vergangenen Freitag groß auf seiner Titelseite berichtet hatte. "Eine anonyme Mail, zwei, drei Anrufe – und Bild druckt alles, was ihnen in die Agenda passt", feixte die "Titanic-"Redaktion. Die "Bild" hatte in dieser Woche in der Sache sogar noch einmal nachgelegt und die vielfach kritisierte Berichterstattung verteidigt. Könnte also sehr, sehr peinlich werden für Deutschlands auflagenstärkstes Blatt. Die Aktion geht unter #miomiogate steil im Netz.

Nach Angaben des Branchendienstes meedia.de hatte die Zeitung unter der Überschrift „Neue Schmutzkampagne bei der SPD“ darüber berichtet, dass ein angeblicher Russen-Troll Juso-Chef Kevin Kühnert via Mail Vorschläge unterbreitet haben soll, den SPD-Mitgliederentscheid mit Hilfe von Bots zu beeinflussen. Laut den Mails soll sich Kühnert offen für die Vorschläge gezeigt haben. Allerdings war schnell erkennbar, dass es sich bei den Mails um Fälschungen handeln musste, auch deshalb weil die angebliche Absenderadresse @jusos.de bei der SPD gar nicht verwendet wird. "Bild" brachte die Story trotzdem in großer Aufmachung, erst ganz am Ende des Artikels fand sich ein Hinweis, dass es für die Echtheit der Mails keine Belege gibt.

Darauf baute "Bild" am Mittwoch auch seine Verteidigung auf. „Die Echtheit der uns anonym zugestellten E-Mails haben wir immer deutlich in Frage gestellt und journalistisch eingeordnet: "Für die Echtheit gibt es keinen Beweis (BILD, 16.2.2018)“, erklärte ein Sprecher des Medienhauses Axel Springer am Mittwoch in Berlin auf dpa-Anfrage. Weiter hieß es: „Auslöser unserer Berichterstattung war die Ankündigung der SPD, Strafanzeige gegen Unbekannt zu stellen. Wir sind gespannt, ob die SPD diese nun gegen ,Titanic' richten wird.“

"Bild" wollte Echtheit nachweisen

Via Twitter hat der zuständige Titanic-Redakteur Moritz Hürtgen bekräftigt, dass es sich um keinen „Fake-Fake“ handle, dass die Mails aus den "Bild"-Berichten tatsächlich von der "Titanic" stammten. "Bild"-Chef Reichelt twittterte: "Natürlich darf Satire so etwas, aber sie versucht sich hier zu profilieren, indem sie journalistische Arbeit bewusst zu diskreditieren versucht."

Der Juso-Vorsitzende Kevin Kühnert reagierte auch via Twitter. "Einfach genießen", schrieb er - begleitet von einem Bild des entspannten Homer Simpson.

Über seinen Sprecher ließ Kühnert erklären: "Wir haben von Anfang an gesagt, dass das eine plumpe Fälschung ist. Jetzt ist es halt ein witziger Fake." Weniger witzig sei, "dass die ,,Bild' auf diese fragwürdigen Informationen eine mehrtägige Berichterstattung aufgebaut hat, die jeder Grundlage entbehrte.“






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