Brüderle steht für die Vergangenheit

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Brüderle, Kubicki und Lindner : Das letzte Aufgebot des deutschen Liberalismus

Brüderle ist sozusagen die lebende liberale Tradition in der FDP. Nur, er steht für die Vergangenheit, nicht die Zukunft, für den alten Mittelstand und nicht für neue Wählerschichten. Dass ausgerechnet er noch einmal zum liberalen Hoffnungsträger avancieren konnte, hätte er sich vor ein paar Monaten selbst nicht träumen lassen. Auf dem Parteitag in Karlsruhe profilierte sich Brüderle schon mal als liberaler Motivationskünstler. Selbst mit billigen Witzen und einfachen rhetorischen Kniffen ließ er Parteichef Rösler vor den Delegierten alt aussehen.

Klaus Stuttmann zur FDP:

Klaus Stuttmann zur FDP
"Hurra, ich lebe noch!!"Weitere Bilder anzeigen
1 von 14Karikatur: Stuttmann
09.05.2012 15:14"Hurra, ich lebe noch!!"

Brüderle, Kubicki und Rösler – in drei Wochen wird es für das Trio ernst. Entweder haben die Liberalen am Tag nach der Wahl in Nordrhein-Westfalen wieder Mut gefasst oder es regiert das Chaos. Entweder müssen die drei dann auf die Euphorie-Bremse treten oder sie müssen die Erosion ihrer Partei sowie ein Auseinanderfallen der schwarz-gelben Bundesregierung verhindern.  

Es mag sein, dass es Kubicki und Lindner gelingt, mit ihren beiden politischen Solonummern den liberalen Tod noch einmal abzuwenden. Es mag sein, dass die liberale Mitleidsnummer zieht. Es mag sein, dass es in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen genügend Wähler gibt, die der FDP eine letzte Chance gewähren wollen. Es mag auch sein, dass Brüderle ein besserer Parteivorsitzender ist als Rösler.

Aber für eine politische Zukunft der FDP sind eine kalte Ego-Show, jugendliche Selbstüberschätzung und launige Motivationsreden zu wenig. Um die FDP in einen erfolgreichen Bundestagswahlkampf zu führen und tatsächlich zu retten, wird dem letzten Aufgebot des deutschen Liberalismus in den kommenden Monaten mehr einfallen müssen. Und auch mehr als ein uninspiriertes Grundsatzprogramm.

Wenn Kubicki und Lindner bei den beiden Landtagswahlen im Mai scheitern, wenn die FDP in Schleswig-Holstein und vor allem in Nordrhein-Westfalen unter die Fünf-Prozent-Marke stürzt, wäre es aber selbst dafür zu spät.