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Der Menschheit geht es so gut wie nie zuvor. Der enorme Fortschritt in Wissenschaft, Gesellschaft und Technologie macht Hoffnung für die Zukunft.

© AFP

Optimismus: Die Welt wird besser werden

Kampf um Rohstoffe, Atomkrieg und Klimakatastrophe - an Untergangsszenarien besteht wahrlich kein Mangel. Die ewige Schwarzmalerei verstellt den Blick auf das Offensichtliche: Der Menschheit geht es so gut wie nie zuvor.

Anfang des 20. Jahrhunderts herrschte Panik. Die hochzivilisierten Nationen waren in akuter Gefahr, genetisch zu degenerieren. Das jedenfalls prophezeiten Experten: Man müsse sofort etwas tun, die Wende einleiten, um den biologischen Niedergang zu verhüten. Das Ergebnis dieses Eingriffs war die Eugenik, eine furchtbare Wissenschaft mit den besten Absichten. Auf die Angst vor dem kollektiven Verblöden folgten im letzten Jahrhundert noch etliche weitere Untergangsszenarien. Da war die explosionsartige Vermehrung der Weltbevölkerung, der das baldige Verhungern folgen würde, der Atomtod, die bevorstehende Eiszeit, Krebs infolge Umweltverschmutzung, das Waldsterben durch sauren Regen, das Versiegen der Rohstoffe, die Rückkehr der Seuchender Totalausfall der Computer beim Übergang zum neuen Jahrtausend und nicht zuletzt die Klimakatastrophe.

Anfang 2012 können wir feststellen, dass die Menschheit noch da ist – und schlauer denn je, wofür der in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gestiegene Intelligenzquotient spricht. Keine Spur von Degeneration. Wir Menschen sind auf mehr als sieben Milliarden angewachsen, Lebenserwartung und Wohlstand nehmen allen widrigen Vorhersagen zum Trotz in großen Teilen der Welt zu. Die Bedrohung durch Krieg und Gewalt dagegen geht seit Jahrzehnten zurück. Rassismus, Chauvinismus und andere menschenverachtende Ideologien werden zurückgedrängt, die nordkoreanische Diktatoren-Dynastie ist eine bestaunte Ausnahme. Selbst die Monsterseuche Aids hat ihren Höhepunkt überschritten.

Wenn Sie jetzt erzürnt ausrufen „Das kann nicht sein!“, dann sind Sie vielleicht das Opfer einer verzerrten Wahrnehmung. Denn das Brennglas unserer Wahrnehmung ist auf schlechte Nachrichten gerichtet, auf Konflikte, Kriege und Kriminalität. Daran sind nicht nur die Medien schuld, die eine Vorliebe für schlechte Neuigkeiten haben. Wir sind instinktiv auf schlechte Nachrichten geeicht. Mehr als heute war in früheren Zeiten das Wissen über Gefahren existenziell wichtig, entschied vielleicht über Leben und Tod.

Warum es vernünftig ist, an die Zukunft zu glauben.

Die westliche Zivilisation wird gern mit dem Ozeandampfer „Titanic“ verglichen. Von ihrer eigenen Unsinkbarkeit überzeugt, steuert der Gigant blindlings auf den Eisberg zu, während an Bord gefeiert wird. Der Pessimist genießt, so lange es geht, wissend um die düstere Zukunft. Er ist ein cooler Typ. Dagegen bekommen Optimisten seit Voltaires „Candide“ ihr Fett weg. Sie sind naiv, einfach gestrickt, wollen sie doch nicht wahrhaben, wie schlimm es um die Welt steht. Aber nicht nur der Blick auf die Entwicklung der vergangen Jahrzehnte zeigt, dass es vernünftig ist, an die Zukunft zu glauben.

„Dies ist nicht die beste aller Welten und wird es nie sein“, hat der englische Wissenschaftsautor Matt Ridley diese Position umrissen. „Aber unsere Welt kann noch viel, viel besser werden.“ Natürlich heißt das nicht, dass sich die selbstverständlich vorhandenen Krisen und Bedrohungen einfach in Luft auflösen. Doch es wird uns gelingen, sie zu meistern. Wesentliche Instrumente dafür sind der Austausch von Ideen, Gegenständen und Dienstleistungen ebenso wie die Fähigkeit des Menschen, sich zu spezialisieren. Diesen Talenten verdanken wir vom Faustkeil bis zur Computermaus unsere zivilisatorischen Errungenschaften. Wenn nicht alles täuscht, hält die Zukunft bahnbrechende Erfindungen und nützliche Entwicklungen bereit, von denen wir heute noch keinen Schimmer haben. Die Welt wird besser werden, wenn wir ihr die Chance dazu geben.

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